Blitzschnell ist der Hecht, der Stefan Gartner im Huber-Baggersee in Achern-Gamshurst vor die Linse geschwommen ist.
Blitzschnell ist der Hecht, der Stefan Gartner im Huber-Baggersee in Achern-Gamshurst vor die Linse geschwommen ist. | Foto: Stefan Gartner

Achern-Gamshurst

Stefan Gartner fotografiert faszinierende Unterwasserwelt im Baggersee

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Ein ebenso ausgefallenes wie anstrengendes Hobby pflegt Stefan Gartner aus dem Acherner Stadtteil Gamshurst. Seit dem 19. Lebensjahr somit seit 24 Jahren taucht der Gamshurster in „seinem“ Huber- Baggersee im Süßwasser. Schnorcheln und Tauchen bis in 50 Meter Tiefe beeindrucken Stefan Gartner lassen ihn in eine ruhige, schöne und farbenprächtige Welt entgleiten.

von unserem Mitarbeiter Reinhard Brunner

Dabei kommt sein zweites Hobby zum Tragen: Mit einer speziellen Unterwasserkamera macht er fantastische Bilder von Fischen und von der Unter-Wasser-Pflanzenwelt. „Sagenhaft, phänomenal. Manchmal meine ich, es ist nur ein Traum. Was es alles zu sehen und zu erleben gibt – ich könnte gleich mehrere Bücher mit wunderbaren Fotos schreiben“, schwärmt Stefan Gartner.

Kürzlich war es wieder soweit: Stefan Gartner machte sich am Huber Baggersee bereit, um in die Tiefen des Sees zu steigen – zu seinen „Lieblingen“, wie er sagt. Tatsächlich kennen ihn die Fische bereits seit langem. „Vor den Anglern und ihrem gefährlichen Haken nehmen die Fische Reißaus, vor mir mit meiner ungefährlichen Kamera haben sie keine Angst“.

30 Minuten Vorbereitung vor Tauchgang in Achern

Rund dreißig Minuten dauert es, bis Stefan Gartner für den Tauchgang fertig angezogen ist. Zur Zeit hat der Huber-Baggersee gerade mal 15 Grad. Deshalb kommt einen Jogginganzug unter den gummierten Kälteanzug, dazu spezielle Tauchschuhe, Flossen und eine Flasche mit Atemluft. Mit dabei die Canon Unterwasserkamera 5 D-Mark II, die sich in einem Gehäuse mit integriertem Blitz befindet.

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Wenn die Temperatur über 20 Grad ansteigt wird’s leichter dann schlüpft Stefan Gartner, in Rekordzeit von unter fünf Minuten in einen sieben Millimeter dicken, halbtrockenen Neoprenanzug. An diesem Tag geht es bis in eine Tiefe von maximal sechs Meter, der Tauchgang selbst dauert rund 90 Minuten.

Unterhalb von sechs Metern macht es für Stefan Gartner auch keinen Spaß zu tauchen, nicht nur weil da kein Licht ist, da gibt es auch keinen Bewuchs und keine Pflanzen mehr. Der Huber Baggersee, in dem kontinuierlich Kies abgebaut wird, ist rund 50 Meter tief und hat relativ sauberes und vor allem klares Wasser.

Blitzschnelle Hechte, lange Aale und die „Wildschweine des Sees“

Zu sehen gibt es im Huber Baggersee viel, sagt der erfahrene Taucher. „Allerdings muss man sich anschleichen und vor allem Geduld haben.“ Er berichtet von prächtigen, schlanken und vor allem blitzschnellen Hechte. Auch einen rund einen Meter langen Aal konnte er schon beobachten.

Und dann sind da noch die zahlreichen, aber sehr scheuen Wildkarpfen. Sie seien die „Wildschweine des Sees“: Um Futter zu finden, wühlen sie den Boden richtig auf. Dann ist das Wasser trüb, an fotografieren ist da nicht mehr zu denken.

Was Stefan Gartner auch festgestellt hat dürfte die Firma Alois Huber (Ottenhöfen) als Betreiberin des Kieswerks und auch die Mitglieder der Anglergemeinschaft Gamshurst freuen. Der Huber-Baggersee hat sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt, die Wasserqualität ist im Vergleich zu anderen Seen ist top: „Das Wasser ist klar und sauber – bestens auch für Fotos geeignet.“

Auch die Pflanzenwelt hat nach Einschätzung des Tauchers gut entwickelt: „Da ist richtig dichter Bewuchs.“ Bei jedem Tauchgang in Gamshurst macht Stefan Gartner bis zu 50 Digitalbilder, die wie alle anderen in einem Bilderarchiv abgelegt werden.

Erster Tauchgang im Hallenbad

Der heute 43-jährige Stefan Gartner kam im jungen Alter von 19 Jahren zum Tauchen, vor 15 Jahren begann er dann mit der Unterwasserfotografie. Der ehemalige Handballtorwart des SV Gamshurst fand mit drei weiteren Handballkollegen zum Tauchsport: „Wir haben uns gegenseitig motiviert.“

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Bei der Tauchschule Delfin in Oberachern wurde ein Tauchkurs belegt, im Hallenbad in Greffern und im See in Lichtenau-Grauelsbaum gab es die ersten Tauchübungen. Viele Seen im Ortenaukreis sind für den Tauchsport gesperrt – auch aus Angst vor möglichen Unfällen.

Es gibt nur drei Seen für die eine Erlaubnis da ist und wo Gartner auch regelmäßig „untertaucht“. Die meisten Tauchgänge macht Stefan Gartner am Wochenende bis zu deren 40 pro Jahr.

Begegnungen im Meer mit Pottwalen, weißen Haien und Manta-Rochen

Süßwassertauchen ist das eine Tauchvergnügen für Gartner, aber einmal im Jahr geht es für ihn ins Meer. Ist er in den Seen im Ortenaukreis allein unterwegs, geht es hier mindestens zu zweit in die Unterwasserwelt von Indonesien, Mexiko oder Hawaii.

Da gab es Begegnungen mit einem weißen Hai in einem Naturschutzgebiet vor Mexiko, oder in Indonesien und Mexiko das Zusammentreffen mit einem großen Manta-Rochen oder einem noch größeren Walhai. Das absolute, und da bin ich mal ganz gerne zur Seite gegangen war beim Schnorcheln mit Sondergenehmigung vor Portugal. „Plötzlich wurde es dunkel um mich als ein fast 20 Meter langer Pottwal an mir vorbei schwamm“.

Einen Traum hat Stefan Gartner: Er will die Tauchregion Raja Ampat, einem Archipel im Indopazifik in Indonesien.