Weltblutspendertag
Nach dem "Aderlass" wird das gespendete Blut in seine Bestandteile aufgetrennt, die roten Blutzellen sind etwa fünf Wochen lang haltbar. | Foto: David Ebener

Weltblutspendertag am 14. Juni

Feste Termine für den fleißigen Acherner Spender

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Eigentlich hatte er nur seiner Schwester beweisen wollen, dass er keine Angst vor Nadeln hat – inzwischen kann Walter Serr aus dem Acherner Stadtteil Önsbach etwas mehr als 160 Blutspenden vorzuweisen. Damit gehört er in Achern und dem Umland wohl zu den mit Abstand fleißigsten Spendern. Freiwillige wie er werden dringend gebraucht, darauf soll der Weltblutspendertag aufmerksam machen, der jedes Jahr am 14. Juni begangen wird.

„Meine Schwester war im DRK und hat nicht geglaubt, dass ich mich traue, zur Blutspende zu gehen“, erzählt er. „Aber ich habe sie eines Besseren belehrt.“ Gerade 18 Jahre alt, sei er damals zum Blutspendetermin in Önsbach gegangen. Das ist 36 Jahre her, und Walter Serr blieb dabei: Fünf- bis sechsmal im Jahr gibt er Blut ab – die Termine gehören längst fest zum Kalender, und zwar an verschiedenen Orten. „Je nachdem, wo der nächste Termin in der Nähe ist – wichtig ist mir, dass ich mit dem Fahrrad dorthin fahren kann“, sagt er.

Weitermachen, so lange ich gesund bin

Das kann auch einmal bis nach Seebach oder Bühl-Eisental sein. Nur im Heimatort Önsbach nicht: „Da sind die Termine in den ,ungeraden Monaten’, ich gehe in den ,geraden’ zum Spenden“, erklärt er. „So lange ich gesund bin, will ich weitermachen. Wichtig ist, dass es mich nicht gesundheitlich einschränkt.“ Was motiviert ihn dazu? „Ich kann damit Leben retten, das kostet mich nichts, und mein Körper baut das Blut ja wieder auf“, sagt Walter Serr.

Tendenz wird in Zukunft deutlicher spürbar

Je nach persönlichen Voraussetzungen dauert es wenige Wochen, bis der Körper die fehlende Menge an Blut – ungefähr ein halber Liter – wieder aufgebaut hat. Das erklärt Erwin Andreas Scharberg vom Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie mit Sitz in Baden-Baden, das zum Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes gehört. Er bestätigt: Die Tendenz zu immer weniger Spendern ist aufgrund des demografischen Wandels da: „Man wird durchschnittlich mit dem höheren Alter kränker, aber wir nehmen natürlich nur gesunde Spender.“ Die Entwicklung sei jetzt noch nicht dramatisch, werde in Zukunft aber deutlicher zu spüren sein.

Blutspende
Rund ein halber Liter Blut Blut wird bei einer Spende entnommen, das ist maximal vier- bis sechsmal im Jahr möglich. | Foto: Patrick Pleul

Die Zahl der Blutspender schwankt auch im Jahresverlauf: „In den Ferien wird es kritisch, weil viele Menschen verreist sind, und auch bei Hitzewellen schwanken die Zahlen“, sagt Scharberg.
Die Blutreserven können dann allerdings nicht allzu groß sein, denn die entnommenen roten Blutkörperchen sind nicht ewig, sondern fünf bis sechs Wochen lang haltbar. Patienten, die zum Beispiel von chronischen hämatologischen Krankheiten betroffen sind, selbst zu wenig Blut bilden oder mit einer Chemotherapie behandelt werden, brauchen aber auch in solchen spenderarmen Zeiten fremdes Blut, manche über Jahre hinweg. In der Summe weniger Bluttransfusionen werden für Operationen oder Unfallopfer benötigt, so Scharberg.

Aus einer Spende können mehrere werden

Bevor es losgehen kann, wird ein potenzieller Blutspender ärztlich untersucht und muss zahlreiche Fragen beantworten, zu den Voraussetzungen zählen unter anderem die Volljährigkeit und ein Gewicht von mindestens 50 Kilogramm. Insgesamt dauert die Prozedur rund 45 Minuten, die Blutspende an sich ungefähr fünf Minuten. Aus einer Spende können im Anschluss drei werden, denn das entnommene Blut wird in seine Bestandteile aufgetrennt und kann so mehreren Patienten zugutekommen – eine künstlich hergestellt Alternative gibt es dafür weltweit nicht.

Die in Deutschland am häufigsten vertretenen Blutgruppen sind nach Angaben des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen A+ (37 Prozent) und 0+ (35 Prozent). Alle anderen Blutgruppen liegen unter zehn Prozent, die seltenste ist AB- (ein Prozent). Eine besondere Rolle spielt die Blutgruppe 0, die allen Empfängern gegeben werden kann, wenn es in einem Notfall besonders schnell gehen muss.