Wärmebildkamera im Einsatz: Suche nach Flüchtlingen in dem LKW bei Rheinau-Freistett | Foto: Feuerwehr Rheinau

Großeinsatz in Rheinau

Erneut Flüchtlinge in LKW-Auflieger entdeckt

Anzeige

Von Kroatien nach Freistett: Vier Flüchtlinge aus Afghanistan und Pakistan hatten sich offenbar auf der weiten Reise bis an die französische Grenze auf einem LKW-Auflieger versteckt. Am Samstag wurden die Männer im Rheinauer Stadtteil Freistett entdeckt. Sie stellten Asylanträge. Die Flüchtlinge waren nach Polizeiangaben am späten Nachmittag dem Fahrer des Lastwagens aufgefallen – er habe Stimmen aus dem verplombten Auflieger gehört und die Polizei alarmiert.

Stimmen aus dem Auflieger

Bundespolizei, Landespolizei, Feuerwehr, Zoll und Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Die vier Männer, die in Kroatien mit Hilfe eines Schleusers durch ein Loch in der Plane auf die Ladefläche gekrochen waren, seien allesamt wohlauf, berichtet die Bundespolizei am Sonntag. Drei afghanische Staatsangehörige, die laut Polizei zwischen 15 und 16 Jahre alt seien, wurden in die Obhut des Jugendamtes übergeben, der 47 Jahre alte Mann aus Pakistan sei, nachdem er um Asyl nachgesucht habe, an die Erstaufnahmestelle Karlsruhe weitergeleitet worden, wie es weiter heißt.

„Güterzüge haben keinen Fahrplan“

Zuletzt hatten sich die Fälle gehäuft, bei denen Flüchtlinge auf Ladeflächen von Lastwagen – meist aus Zufall – entdeckt wurden. Drei Mal war dies, zunächst in Offenburg und dann in Achern, auf Zügen der Fall, die als sogenannte „rollende Landstraße“ LKW-Auflieger geladen hatten, jetzt wurden erstmals Flüchtlinge direkt auf einem Lastwagen entdeckt, dessen Fahrer auf dem Parkplatz im Rheinauer Gewerbegebiet parkte.
Etabliert sich hier eine neue Fluchtroute? Dieter Hutt, Sprecher der Bundespolizei, sagt: „Das ist kein neues Phänomen“. An der bayerisch-österreichischen Grenze sei dies an der Tagesordnung, nun seien eben die ersten Fälle in der Ortenau aufgetreten. Dabei ist diese Fluchtroute nicht ungefährlich: Im Winter droht der Kältetod, im Sommer Dehydrierung und brütende Hitze auf den Ladeflächen.

Gefahren durch die Oberleitung

Vor allem aber, so Hutt, sei es sehr gefährlich, wenn Menschen sich auf den Güterzügen verstecken: „Viele denken nicht an die Gefahren durch die Oberleitung“. Gleichwohl sei es für die Bundespolizei nicht einfach, systematische Kontrollen zu etablieren: „Güterzüge haben keinen Fahrplan“, man könne sie daher auch nicht lückenlos überprüfen. Im Rheinauer Fall hatte der Lastwagenfahrer Stimmen aus dem Inneren seines Aufliegers gehört. Der Fahrer erklärte den Beamten, dass er den Auflieger vor zwei Tagen in Bulgarien übernommen habe und dann über Slowenien, Kroatien und Österreich nach Deutschland gefahren sei.

Wärmebildkamera eingesetzt

Die Rheinauer Feuerwehr hatte die Ladefläche des Lastwagens unter anderem mit einer Wärmebildkamera überprüft. Weitere Flüchtlinge seien aber nicht gefunden worden. Der 58 Jahre alte Lastwagenfahrer habe weiterfahren dürfen, so die Bundespolizei.