Flüchtlinge
Die Anschlussunterbringung in Containern, hier in der Güterhallenstraße, war in Achern im Gespräch. Sie gilt laut der Stadt aber als letzte Option. | Foto: Dominic Körner

Ortenaukreis will Unterkünfte schließen

Flüchtlingsstrom ebbt weiter ab

Von Christine Storck

Auch in diesem Jahr will der Kreis nach und nach weitere vorläufige Flüchtlingsunterkünfte schließen. Das teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Wo genau, werde aber erst dann veröffentlicht, wenn der Ablauf mit der jeweiligen Kommune, den Vermietern, Helfen und Bewohnern abgestimmt ist. Denkbar sei, frei werdende Gebäude als Anschlussunterbringung zu nutzen, sagt Michael Loritz, Kreisdezernent für Infrastrukturen, Baurecht und Migration.

Freie Plätze in Containerunterkünften

Ende Januar lebten 3 111 Flüchtlinge in den vorläufigen Unterbringungen des Kreises, insgesamt stehen 4 571 Plätze zur Verfügung. In Containeranlagen sind derzeit 1 221 von 1 979 Plätzen belegt. In der Ortenau haben vor allem Flüchtlinge aus Syrien (20,52 Prozent), Afghanistan (20,12 Prozent) und dem Irak (15,46 Prozent) ein Zuhause auf Zeit gefunden.

Entlastung durch Anschlussunterbringung

Doch der Zustrom hat abgenommen, und damit auch die Auslastung – vor allem durch Zuweisung in die Anschlussunterbringung. Das Landratsamt fährt die Kapazitäten zurück: Zwischen Sommer und dem Jahresende 2016 wurden bereits mehr als 1 300 Plätze gekündigt. Einige Container sind an ihre Besitzer übergeben worden: Abgebaut worden sind zwei Unterkünfte in Lahr mit 60 Plätzen und eine in Offenburg mit 80 Plätzen. Die freien Anlagen in Mahlberg (66 Plätze) und Nordrach (52 Plätze) gehören dem Kreis und stehen derzeit zum Verkauf, sagte Michael Loritz. Veräußert werden soll auch Schwanau. Dort sind aktuell 40 von 63 Plätzen belegt.

Leerstände in Renchen und Rheinau

Für die gemieteten, aber leer stehenden Objekte in Rheinau (66 Plätze) und Renchen (42 Plätze) wird der Kreis hingegen noch eine Weile zahlen müssen – wie es aussieht zumindest bis ins kommende Jahr. Die vorläufige Unterbringung wird erst einmal fortbestehen, auch wenn sie im Koalitionsvertrag als „übergangsweise“ verankert ist. „Der Finanzausgleich mit den Landkreisen bis 2018 ist bereits vereinbart“, sagte Loritz.

Kommunen vor Herausforderung

Eine Herausforderung bleibt auch die Organisation der Anschlussunterbringung: Rund 2 000 Menschen müssen laut Landratsamt im Laufe dieses Jahres aus den vorläufigen Unterkünften umziehen. Dabei handelt es sich um anerkannte Asylbewerber oder Flüchtlinge, die bereits seit zwei Jahren dort wohnen. Bei der Verteilung kommt wie bisher eine Quote zum Tragen, die sich zum einen nach der Bevölkerung, zum anderen aber auch danach richtet, inwieweit die Kommunen bereits Flüchtlinge aufgenommen haben. In der Kreisverwaltung geht man derzeit davon aus, dass im Dezember 2017 rund 4 200 anerkannte Asylbewerber einen Platz in der Anschlussunterbringung haben werden und diese Zahl durch die aktuellen Zuweisungen bis Ende 2018 auf rund 6 000 ansteigen könnte.

Neuer Wohnraum gesucht

Das bedeutet eine große Anstrengung für die Städte und Gemeinden. Sie müssen neuen Wohnraum schaffen oder umbauen. In Achern gab es bereits Überlegungen, freie Plätze in Containerunterkünften für die Anschlussunterbringung zu nutzen. Dies sei derzeit aber nicht notwendig und grundsätzlich die „letzte Option“, heißt es aus dem Rathaus. Ab April können Kommunen auf Gelder durch das Förderprogramm „Wohnungsbau BW 2017“ hoffen.