Akut gefährdet: Der Ignaz-Heim-Schule in Renchen droht die Schließung. | Foto: Spether

Erste Sondierungsgespräche

Förderschulen in Renchen und Rheinau gefährdet

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Das Staatliche Schulamt in Offenburg plant offenbar den Kahlschlag bei den Förderschulen in der nördlichen Ortenau. Die kommunal getragenen Einrichtungen hatten zuletzt immer weniger Schüler, wohl auch weil viele Eltern sich alternativ für eine inklusive Lösung an einer regulären Lehranstalt entscheiden. Jetzt zieht die Behörde Konsequenzen: In Renchen waren Vertreter des Schulamtes bereits im Gemeinderat vorstellig, um den Weg für eine Schließung der Ignaz-Heim-Schule vielleicht schon zum Ende des laufenden Schuljahres zu ebnen. In Rheinau kam es laut Bürgermeister Michael Welsche dazu zwar noch nicht, doch die Stadt sieht sich als Schulträger ebenfalls unter Druck gesetzt. Bereits jetzt gebe es Bestrebungen, Eltern für einen Wechsel ihrer Kinder nach Kehl zu gewinnen: „Das“, so der Rheinauer Rathauschef gestern, „irritiert uns sehr“.

„Das irritiert uns sehr“

Bekannt geworden waren die Pläne am Montagabend im Acherner Gemeinderat quasi am Rande der Debatte über die Zukunft der beiden Grundschulen in Fautenbach und Önsbach. Das ist kein Zufall angesichts des heftig umstrittenen Umzugs der Achertalschule in das Fautenbacher Schulgebäude. Doch dass wegen der absehbaren Schließungen im Umland noch einmal die Situation in Achern überdacht werden muss, hält OB Klaus Muttach für unwahrscheinlich: Die Räume würden „locker“ für den Acherner Bedarf ausreichen, bereits jetzt sei rund die Hälfte der Schüler in der Achertalschule aus dem Umland. Wenn nun dort durch die Schließung von Einrichtungen weiterer Bedarf entstehe, dann so Muttach, „ist das nicht unser Problem“.

Schülerzahlen überschaubar

Ralf Federkeil von der Elterninitiative „Schulplätzchen“ hatte den Ball am Montagabend ins Rollen gebracht. Inzwischen ist klar: Beide Förderschulen im Acherner Umland haben nur noch sehr überschaubare Schülerzahlen, 24 in Renchen, gar nur noch 16 in Memprechtshofen. Zwar gibt es laut Schulamt keine formelle Untergrenze wie bei anderen Schulen, doch die Debatte ist eröffnet. Und das mit Nachdruck. In Renchen waren laut Bürgermeister Bernd Siefermann bereits Vertreter des Schulamts im Gemeinderat, inzwischen wurden „Sondierungsgespräche“ auf den Weg gebracht um abzuklären, wohin die Schüler bei einer Schließung der Ignaz-Heim-Schule ausweichen könnten. Zur Wahl stehen, blickt man auf die räumlichen Gegebenheiten, vor allem Achern und Oberkirch. Letzten Endes liege die Entscheidung bei den Eltern, so Bernd Siefermann, man werde sehen, wohin die drei Renchener Stadtteile streben. Er schließt nicht aus, dass die Förderschule bereits zum Ende des laufenden Schuljahres aufgegeben wird.

Heftige Kritik aus Rheinau

In Rheinau sieht Bürgermeister Michael Welsche ähnliche Tendenzen. Es gebe schon lange Gespräche über die Pestalozzischule. Allerdings fehle es bislang „an konkreten Aussagen mit denen ich in den Gemeinderat gehen könnte“. Es entstehe der Eindruck, dass diese Schule „ausgeblutet“ werden soll, so Welsche: „Das sehen wir mit sehr großem Missfallen“.

Schulamt bleibt vage

Auf eine Anfrage dieser Zeitung reagiert man in der Offenburger Schulbehörde eher vage: Ein Sondierungsgespräch in der nördlichen Ortenau habe vor 14 Tagen stattgefunden, so die stellvertretende Amtsleiterin Barbara Kempf in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung; ein weiteres Sondierungsgespräch sei vereinbart worden, Entscheidungen gebe es nicht. Von den Entwicklungen bei der Achertalschule seien diese Gespräche „völlig unabhängig“. Zu den Gründen einer möglichen Schulschließung äußert sich das Schulamt nicht. Weitere Fragen ließen sich zudem erst mit dem „Fortschreiten des Prozesses“ beantworten.