Engagierte Landfrauen: Rosa Karcher (links) ist Präsidentin des Landfrauenverbands Südbaden, Sigrid Schmelzle leitet seit 2011 den Landfrauen-Bezirk Achern. | Foto: Michaela Gabriel

Rat an die Acherner Landfrauen

„Formulieren Sie ihre Forderungen scharf“

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Von Michaela Gabriel
„Begeisterung treibt mich an“, sagt Sigrid Schmelzle aus Sasbachwalden. Die Vorsitzende von rund 500 Landfrauen im Bezirk Achern schätzt das Netzwerk, dass Landfrauen in ganz Deutschland bilden: „Das ist weit über die Gemeindeebene hinaus ein ausfüllendes Ehrenamt.“ Zusammen mit Rosa Karcher aus Oberachern, Präsidentin von rund 20000 Landfrauen in Südbaden, war sie 2016 beim deutschen Landfrauentag in Erfurt und traf dort die Bundeskanzlerin. Angela Merkel bescheinigte den Landfrauen, dass sie für wichtige Angebot vor Ort sorgen, sich mit zentralen Fragen der Gegenwart und Zukunft beschäftigen und dem Land gut tun.

Treffen mit der Kanzlerin

„Formulieren Sie ihre Forderungen scharf, sonst hört keiner hin“, riet die Kanzlerin den Landfrauen. Bildung, Familie, Umwelt, Ehrenamt, Gleichstellung und der Ländliche Raum gehören zu den Feldern, zu denen die Landfrauenverbände in Baden-Württemberg mit zusammen rund 85 000 Mitgliedern Stellung beziehen. Unter dem Vorsitz von Rosa Karcher hat die Arbeitsgemeinschaft der Landfrauen Südbaden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern Forderungen an die Politik zusammengetragen, etwa Alltagskompetenzen an allen allgemeinbildenden Schulen praktisch zu vermitteln. Zur Bundestagswahl 2017 sollen diese Standpunkte des Verbandes vor allem Politikern vermittelt werden.

Politisch Einfluss genommen

Die Forderungen der Basis, von Frauen und Familien im ländlichen Raum, wurden gebündelt und aufgearbeitet“, erklärt Rosa Karcher. Dass Landfrauen politisch Einfluss nehmen, sehe man an der Einführung der Mütterrente, die vom Verband jahrelang auf allen Ebenen gefordert worden sei. Seit 2014 beschert sie vielen Frauen, die vor 1992 Kinder bekommen haben, mehr Rentenpunkte und damit eine bessere Absicherung im Alter.

Wir sind die Expertinnen von der Basis

„Wir sind die Expertinnen von der Basis und die Politiker brauchen Informationen von der Basis“, erklärt Sigrid Schmelzle. Bei einem Seminar zum Thema Interessenvertretung in Berlin sprach sie mit Bundestagsabgeordneten. Und auch im Land hat sie keine Scheu, den Landwirtschaftsminister oder den Landrat anzusprechen, um die Positionen der Landfrauen zu erläutern. Ihr größtes Erfolgserlebnis sei eine Wortmeldung im Landtag gewesen, berichtet sie. Tatsächlich sei es daraufhin in Bezug auf die Flurneuordnung in Sasbachwalden vorwärts gegangen. Das wurde ihr zum Beweis: „Landfrauen finden Gehör.“

Kandidatur für Kommunalparlamente

Zunehmend kandidieren Frauen auf die Ermutigung von Landfrauen hin für Gemeinderäte und Kreisräte, um vor Ort ihre Sicht der Dinge einzubringen. Rosa Karcher, Stadträtin in Achern, oder Heidi Spinner, Gemeinderätin in Sasbachwalden, sind dafür Beispiele. Rosa Karcher begrüßt es, dass mehrere Landfrauen aus dem südbadischen Präsidium politische Mandate haben. Andere Landfrauen engagieren sich mit Aktionen für ihre Gemeinde. Sie organisieren Kinderferienprogramme, sprechen in Kindergärten über gesunde Ernährung, sorgen dafür, dass Schulkinder ihren „Ernährungsführerschein“ machen, nähen Herzkissen für Frauen, die an Krebs erkrankt sind, und vieles mehr. Am wichtigsten jedoch sei Landfrauen die Gemeinschaft, wissen Sigrid Schmelzle und Rosa Karcher. Sie treffen sich zum Sport, zu Besichtigungen, Kochvorführungen und vielen anderen Aktivitäten. Außerdem profitieren sie davon, dass das Bildungs- und Sozialwerk der Landfrauen Erwachsenenbildung direkt vor Ort und nach den Bedürfnissen der Ortsvereine ermöglicht. Übrigens: Dass Landfrauen nur Bäuerinnen sind, ist nur einer der verbreiteten Irrtümer über den Verband.