Gemeinderätinnen: Frauen in der Kommunalpolitik
Eine Dame unter vielen Herren, das ist in den Gemeinderäten der Region keine Seltenheit, sondern in gleich drei Gremien im ABB-Verbreitungsgebiet der Fall. Zwei Räte liegen mit ihrem Frauenanteil dagegen sogar über dem Durchschnitt in Baden-Württemberg. | Foto: Christian Charisius

Achern und Region

Frauenanteil: Kommunalpolitik ist vor allem männlich

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Die Fraktionen in Achern und den umliegenden Städten und Gemeinden haben ihre liebe Not damit, vor den Kommunalwahlen weibliche Kandidaten für ihre Listen zu finden. Auch wenn einige Gemeinderäte im ABB-Verbreitungsgebiet mit ihrem Frauenanteil aktuell sogar über dem Landesdurchschnitt von 23,9 Prozent liegen – auf der anderen Seite sind einige Rätinnen sogar als einzige unter Männern im Amt.

Eine von ihnen ist Makrina Schneider (CDU), seit 2014 im Ottenhöfener Gemeinderat, der den niedrigsten Frauenanteil in der Region hat. Ein Problem ist das für sie nicht: „Ich fühle mich sehr wohl mit den Herren“, sagt sie. „Ich genieße meinen Status als einzige Frau zwar, hätte aber doch gern mehr Kolleginnen an meiner Seite.“ So würden diese ganz anderes an Themen herangehen, meint sie und berichtet, wie der Gemeinderat Fließen für das Schwimmbad ausgewählt hat. „Frauen hätten andere genommen, die man leichter sauber bekommt.“ Seit mehr als einem Jahr spricht ihre Fraktion gezielt Frauen an, die sich zur Wahl stellen sollen. Ein großes Argument, sich dagegen zu entscheiden: „,Ich kenne mich nicht aus’, sagen viele. Man muss sich einlesen, wird aber von der Verwaltung gut vorbereitet und wächst in das Amt hinein“, weiß Makrina Schneider, die davon ausgeht, im Mai wieder gewählt zu werden.

Zeitlicher Aufwand schreckt viele Frauen ab

Eine einzige Gemeinderätin hat auch Sasbachwalden: Heidi Spinner (FWV) kandidiert nach einer Legislaturperiode nicht mehr, daher sucht auch ihre Fraktion gezielt nach weiblichen Bewerbern. „Wir wollen mindestens die Hälfte der Plätze mit Frauen besetzen – das haben wir noch nicht ganz geschafft.“ Damit mehr Frauen sich das Amt zutrauen, brauche es auch mehr Vorbilder, findet sie. „Noch dazu schreckt der zeitliche Aufwand gerade Frauen in der Familienphase ab.“ Die Zusammenarbeit zwischen den Ratskollegen und ihr gestalte sich gut, ein größerer Frauenanteil sei aber auch „atmosphärisch schöner“.

Gemeinderätinnen: Frauen in der Kommunalpolitik
Deutlich in der Unterzahl sind die gewählten Frauen in den Gemeinderäten der Region. | Foto: BNN

Die meiste „Frauen-Power“ in der Region hat das Rheinauer Gremium. „Eine adäquate Repräsentation der Frauen ist damit natürlich nicht gegeben“, findet Annette Fritsch-Acar (CDU/FWG), Gemeinderätin seit 2014. Immerhin seien die Zahlen bei Rheinaus Ortsvorstehern geschlechtertechnisch ausgeglichen (je vier): „Die Kommunalpolitik braucht die Erfahrungen und Kompetenzen von Männern und Frauen gleichermaßen.“

Frauen müssen vielleicht fleißiger sein

Warum es andernorts deutlich weniger Rätinnen gibt, sieht sie unter anderem darin begründet, dass Männer während den Sitzungsterminen oft darauf zählen könnten, dass ihre Ehefrauen die Kinderbetreuung übernehmen – die Stadt Rheinau übernimmt derweil Betreuungskosten während den Sitzungen. Außerdem vermutet sie, dass Männer weniger Scheu hätten, ihre Kompetenzen nach außen hin darzustellen. „Vielleicht wird den Frauen anfangs auch weniger zugetraut und sie müssen fleißiger sein als Männer, um sich den Respekt zu erarbeiten“, sagt Annette Fritsch-Acar, die seit etwa zwei Monaten Vorsitzende ihrer Fraktion ist und die Zusammenarbeit als konstruktiv erlebt.

In den Gremien fehlen vor allem junge Räte

Deutlich länger dabei ist Jutta Römer (ABL), die mit 30 Amtsjahren dienstälteste Frau im Gemeinderat Achern. Dort habe sich der Frauenanteil mit der Zeit verbessert: „Wir haben uns bei der ABL immer bemüht, Frauen auf die Liste zu bekommen, und das lief immer relativ gut; auch bei der CDU hat es sich gut entwickelt.“ In ihr Amt kam sie damals spontan: „Die Kinder waren aus dem Gröbsten heraus, ich war in Elternvertretungen aktiv und wurde gefragt.“ Ob sie diesmal erneut antritt, hängt noch von der endgültigen Besetzung der Liste ab. Hier fehlten besonders jüngere Menschen – egal ob Frauen oder Männer.

Bei den Gemeinderatswahlen 2014 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 18 754 Gemeinderäte gewählt, darunter waren 14 264 Männer und 4 490 Frauen. Der Frauenanteil erhöhte sich somit gegenüber den Gemeinderatswahlen 2009 um 1,9 Prozentpunkte auf 23,9 Prozent, teilt das Statistische Landesamt mit. Vor 30 Jahren lag der Frauenanteil an den gewählten Gemeinderatsmitgliedern noch bei 9,5 Prozent. Der Anteil der gewählten Frauen nimmt mit wachsender Gemeindegröße tendenziell zu. Der Ortenaukreis zählt aktuell 25 Prozent Gemeinderätinnen.