DAS GEMÜTLICHE AMBIENTE ZÄHLT: Diese beiden französischen Ehepaare nehmen ihren Aperitif im Erlebnisbad in Sasbachwalden. Trotz Brückensperrung kommen viele Franzosen in deutsche Bäder. | Foto: Regina de Rossi

Besuch über die Grenze

Freibäder locken französische Nachbarn

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„Es ist so proper, wir lieben es“ – diese Huldigung kommt aus dem Munde eines französischen Gastes im Erlebnisbad in Sasbachwalden. Gemeinsam mit seiner Gattin und einem befreundeten Ehepaar sitzen sie im Bistro des Schwimmbades und nehmen einen Aperitif. „Wir kommen aus Straßburg und das schon seit vielen Jahren“, berichtet er weiter.

Zahlreiche französische Nummernschilder auf den Parkplätzen

Ein Blick über den Parkplatz vor dem Schwimmbad macht deutlich: An manchen Tagen sind die französischen Nummernschilder nicht weniger vertreten als deutsche. Viele tragen die Endziffer 67 für Straßburg. Doch es sind auch andere französische Nummern zu sehen und die Frage kommt auf, ob viele Franzosen tatsächlich eine so weite Anfahrt auf sich nehmen um hier baden zu gehen. „Die Nummern auf dem Autoschild haben nichts zu sagen“, meint eine freundliche Dame aus Straßburg. „Sie stehen oft für den Ort, in dem das Auto gekauft wurde und müssen nicht mehr den Wohnort deklarieren!“

Man hat das Gefühl im Urlaub zu sein

Wer die Strecke über den Rhein zurücklegt, kommt überwiegend in Gruppen, in Familien oder mit Freunden. „Bei uns in Straßburg gibt es auch Freibäder, aber die haben bei weitem nicht dieses Ambiente. Allein die Lage hier in Sasbachwalden, man hat das Gefühl im Urlaub zu sein“, heißt es aus der Gruppe der vier Besucher. Damit bestellen sie sich den zweiten Gang im Bistro. Das Baden selbst scheint ihnen hier weniger wichtig zu sein, als das gemütliche Zusammensein in einer schönen Umgebung.

Die Sauberkeit der Bäder wird geschätzt

Am Kleinkinderbecken tummeln sich indessen drei Familien mit vier Kleinkinder. „Es ist sauber, alle sind freundlich und wir nehmen den Weg gerne in Kauf für ein so schönes Bad, in dem für die Kinder und für die Erwachenden alles geboten ist“, erzählt der französische Gast und ihr Mann ergänzt: „Man sitzt mitten in den Weinbergen und relaxed.“ Auch sie kommen aus der Region Straßburg.

Verständigungsschwierigkeiten sind nicht ausgeschlossen

Mit Picknickkoffer, Decken und Kühltaschen bestückt kommen die französischen Gäste auch gerne in das Acherner Freibad und bleiben dort in der Regel den ganzen Tag. Ist es in Sasbachwalden eher ein älteres Publikum, kommen hier Familien, Kinder und Jugendliche. „Da kommt es schon mal zu Verständigungsschwierigkeiten, etwa, was das Zusammenbinden der Haare betrifft, die Regeln auf der Rutsche oder am Sprungturm“, so Bademeister Thomas Lang. Aber man sehe die Nachbarn gerne hier im Schwimmbad. Trotz der gesperrten Brücke bei Gambsheim hat der Bademeister das Gefühl, dass mehr französische Besucher als im vergangenen Jahr gekommen sind.

 

Gut besucht ist das Freibad Achern von französischen und deutschen Gästen gleichermaßen. | Foto: Dominik Schneider

Familiäre Atmosphäre sorgt für Zulauf

Klaus-Dieter Lamm vertritt gerade seinen Sohn, Bademeister Yanis Lamm, in der Mittagspause im Kappelrodecker Freibad. Hier ist es gut gefüllt und die Kinder genießen ihre Ferien. Franzosen, so sagt er, kämen auch, allerdings seien es eher Stammgäste, die schon seit vielen Jahren das Bad besuchen. „Bei uns aber hält es sich sonst in Grenzen.“ Vielleicht liegt es an der neuen Umgehungsstraße denn dort gibt es keinen Hinweis auf ein Freibad in Kappelrodeck. Yanis Lamm, zurück aus der Pause, kann keine genauen Angaben darüber machen, wie viele aus dem Nachbarland kommen. „Jedenfalls fühlen sie sich hier in unserem familiären Bad spürbar wohl“, ist er überzeugt.

Gemeinden haben sich im Bau von Schwimmbädern überboten

„Dass es im Ortenaukreis so viele Freibäder gibt ist wohl der Tatsache geschuldet, dass keine Gemeinde hinten anstehen wollte, als die ersten Bäder entstanden sind“, spekuliert Henning Roth, Bademeister in Sasbachwalden. Damals hätten die Gemeinden sich geradezu überboten. Jeder habe ein Schwimmbad vorzeigen wollen und so gibt es weitere Bäder in Bad Peterstal und in Ottenhöfen.

„Eigentlich können wir froh sein, dass die Franzosen zu uns kommen“

Alexander Spinner wacht über das Naturschwimmbad in Ottenhöfen und auch hier macht ein Blick auf den Parkplatz deutlich: Mindestens die Hälfte der Besucher kommt aus Frankreich. „Eigentlich können wir froh sein, dass die Franzosen zu uns kommen“, so Christel Thoma, die an der Kasse mitbekommt, dass die Gäste wegen der aktuellen Brückensperrung sogar einen Umweg über Kehl oder Baden-Baden in Kauf nehmen. „Vor allem schätzen sie die Ordnung und die Sauberkeit“, weiß sie zu berichten. Das bekräftigt auch Bademeister Werner Karcher vom Freizeitbad Oppenau: „Viele kommen bereits in der zweiten Generation zu uns“, erzählt er. „Es ist stiller hier und man kann mit seiner Familie einen ganzen Tag hierbleiben und sich wohlfühlen!“

 

Von unserer Mitarbeiterin Regina de Rossi