Tiere milder Winter Kuckuck
Auch der Kuckuck gehört zu den Tierarten, deren Leben durch den milden Winter durcheinander geraten kann. | Foto: Lechner

Zeitplan gerät durcheinander

Für diese Tiere hatte der milde Winter schlimme Folgen

Anzeige

Der vergangene Winter war der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – für manche Tierarten hat das schwerwiegende Folgen. Umwelt-Experten verschiedener Einrichtungen erklären, welche Tiere das am stärksten trifft.

Eiskratzer und Handschuhe sind inzwischen längst verstaut – insgesamt mussten sie im vergangenen Winter eher selten zum Einsatz kommen, denn der war nach Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes der Zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Was manche menschliche Frostbeule freut, hat auf die Tierwelt zum Teil erhebliche Auswirkungen. Vor allem, wenn deshalb Brutzeit und vorhandene Nahrungsressourcen nicht mehr zusammenpassen, wird es für manche Arten problematisch.

Auch interessant: Die erstaunlichen Überlebenstricks einheimischer Tiere

Die Fledermaus

Ein solcher Patient ist beispielsweise die Fledermaus: Sie wacht, wenn es nun wärmer wird, schon früher aus dem Winterschlaf auf, findet aber noch keine oder zu wenige Insekten, die sie dann eigentlich fressen müsste. „Nach der Winterruhe hat die Fledermaus nämlich ziemlich wenig auf den Knochen und verhungert einfach, wenn sie nicht schnell Futter findet“, sagt Franz Panter, Nabu-Sprecher für den Raum Achern. Einfach „weiterschlafen“, bis das Futter ebenfalls soweit ist, sei auch nicht so einfach möglich.

Tiere milder Winter Fledermaus
Großes Mausohr | Foto: dpa

Der Kuckuck

Aufgrund der milden Temperaturen fangen auch viele Vögel früher als gewöhnlich mit ihrem Brutgeschäft an. Das macht dem Kuckuck zu schaffen: Der Zugvogel überwintert südlich der Sahara und kommt als Langstreckenflieger gemäß seiner inneren Uhr nach Mitteleuropa zurück und nicht dann, wenn dort der Frühling anklopft. Damit ist er eigentlich pünktlich, aber zu spät für die anderen brütenden Vögel, sodass er seine Eier nicht mehr so einfach unbemerkt in deren Nester legen kann: Deren Brut ist dann schon weiter entwickelt, sagt Franz Panter.

Auch interessant: Warum bedrohte Tiere trotz Schutzstatus aussterben können

Die Wildbiene

Auch kleinere Tierarten haben Schwierigkeiten mit den wärmeren Temperaturen: Die Wildbiene, etwa die Gehörnte Mauerbiene, ist schon früher unterwegs. An sich kein Problem, wie Panter erklärt, denn Krokusse und Weidenkätzchen blühen beispielsweise schon. Falls diese Blüten aber doch noch einem Frost zum Opfer fallen sollten, hätte das für die Wildbiene verheerende Folgen: Dann würde die Fortpflanzung für dieses Jahr unterbrochen, wie Panter erläutert: „Das bedeutet, dass eine ganze Generation Bienen fehlen würde“.

Tiere milder Winter Wildbiene
Gehörnte Mauerbiene | Foto: Martin Schutt/dpa

Die Ameise

Das Insektensterben betreffe nicht etwa nur die oft beachteten Bienen, sondern auch bei den Ameisen sei ein Rückgang zu bemerken, sagt Andreas Kirchgeßner vom BUND Rheinau. Der Klimawandel und damit auch der wärmere Winter seien dabei allerdings nur ein Punkt: Weitere Gründe sieht man in Landwirtschaft, Flächenverbrauch und Kunststoff in Gewässern, etwa durch Autoreifenabrieb. Der Rückgang von Ameisen könne sich auch negativ auf Schmetterlinge auswirken: „Es gibt zum Beispiel drei Bläulingsarten, bei denen Ameisen die Aufzucht der Jungen übernehmen“, so Kirchgeßner. „Wenn ein Teil im Mosaik fehlt, hat das Auswirkungen auf das große Ganze“.

Tiere milder Winter Ameise
Kahlrückige Waldameise | Foto: Patrick Pleul/dpa

Manche Tierarten profitieren auch

Doch gibt es nicht nur Verlierer: Manche Arten profitieren von der milden Wintersaison. „Der Rothirsch kommt zum Beispiel ohne hohen Schnee besser an seine Nahrung“, sagt Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz im Nationalpark Schwarzwald. Eventuell komme die fehlende Kälte auch den Zecken zugute; das aber sei nicht bewiesen, denn möglicherweise gebe es gleichzeitig mehr Pilzerkrankungen, die auch Zecken betreffen, so Förschler.

Arten, die spezielle Bedingungen zum Überleben brauchen – beispielsweise Schleimpilze oder Schneeinsekten, die nur bei Schnee wachsen oder sich fortpflanzen können – leiden eher unter den Klimaveränderungen, während breiter aufgestellte „Generalisten“ eher profitieren.