DIE AUTOBAHN BEI ACHERN: Seit März 2014 rollt der Verkehr hier mit rund 70 000 Fahrzeugen pro Tag auf insgesamt sechs Spuren. Die wichtige Verkehrsachse gehört zwischen Rastatt und Herbolzheim zum Zuständigkeitsbereich des Autobahnpolizeireviers Bühl. | Foto: Michael Moos

A5 bei Achern

Gefahr droht beim Fahrstreifenwechse

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Der Fahrstreifenwechsel auf der dreispurigen Autobahn ist ein komplexer Vorgang. Einen Moment nicht aufgepasst, und schon droht Gefahr. Immer wieder berichtet die Polizei über Unfälle, die auf Fehler bei diesem Fahrmanöver zurückzuführen sind – erst am Mittwoch starb möglicherweise deshalb der Fahrer eines Kleintransporters auf der Autobahn bei Achern. Tatsächlich scheint es nach dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn eine Zunahme solcher Unfälle zu geben.

Zahl der Unfälle leicht erhöht

Ralf Durm muss es wissen: „Tatsächlich hat sich die Zahl der Unfälle beim Wiedereinscheren nach dem Überholen oder durch das Nichtbeachten des nachfolgenden Verkehrs leicht erhöht“, sagt der Leiter des Autobahnpolizeireviers in Bühl. Waren es vor dem Ausbau der Autobahn jährlich 80 solcher Vorfälle, stieg deren Zahl nach 2014 auf rund 100. Insgesamt verzeichnet das für den mit täglich mehr als 70.000 Fahrzeugen befahrenen Abschnitt zwischen Rastatt und Herbolzheim zuständige Revier in Bühl Jahr für Jahr rund 700 Unfälle.

Hohes Tempo wohl Hauptursache

Ursache Nummer eins ist jedoch nicht der Fahrstreifenwechsel: „An der Spitze liegt das zu hohe Tempo“, weiß Durm mit Blick in die Statistik. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mangelnder Abstand und Fehler beim Überholen. Daran habe sich durch den Ausbau der Autobahn nichts geändert. Gestiegen sei allerdings die Zahl der Unfälle mit Personenschaden: Lag dieser Wert vor dem Ausbau bei rund 150 pro Jahr, gab es nach 2014 einen Anstieg auf rund 200. „Vermutlich eine Folge der höheren Geschwindigkeiten“, glaubt Durm.

Es wird gar nicht oder zu spät geblinkt

Warum immer wieder Fehler beim Fahrstreifenwechsel gemacht werden, weiß auch Durm nicht. Empfehlenswert sei auf alle Fälle, den rückwärtigen Verkehr permanent zu beobachten und das Tempo der von hinten herannahenden Fahrzeuge auf keinen Fall zu unterschätzen. Dringend ans Herz legt der Leiter des Autobahnpolizeireviers den Autofahrern neben dem Blick über die Schulter auch den bestimmungsgemäßen und rechtzeitigen Gebrauch des Fahrtrichtungsanzeigers: „Wir müssen immer wieder feststellen, dass gar nicht oder zu spät geblinkt wird“, berichtet Ralf Durm aus der Praxis.

Assistenzsysteme „hilfreich“

Dass es in modernen Fahrzeugen mittlerweile Assistenzsysteme zur Vermeidung des „toten Winkels“ oder zum Halten der Spur gibt, hält Durm durchaus für hilfreich: „Aber der technische Fortschritt kann die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht ersetzen.“