Koppelschäferin Marianne Burger hat in Lauf ihre Berufung gefunden. | Foto: Karen Christeleit

Laufer Koppelschäferin Burger

Gelebter und geliebter Naturschutz

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Sie ist bei Wind und Wetter unterwegs. 365 Tage im Jahr. Die 37-jährige Koppelschäferin Marianne Burger aus Lauf hat Arbeit in ihrer Heimat und Heimat in ihrer Arbeit gefunden. Dabei kümmert sie sich nicht nur um die Tiere, sie sorgt auch für den Erhalt des ökologischen Kreislaufs an der Hornisgrinde.

Von unserer Mitarbeiterin Karen Christeleit

„Ich verstehe mich als Landschaftspflegerin“, erzählt die Grindeschäferin Marianne Burger, „meine Schafe und Ziegen und bald auch Wasserbüffel halten die Hänge und Flächen waldfrei und sorgen so für den Erhalt der artenreichen Wiesen.“

Jeden Tag im Jahr unterwegs

Jeden Tag im Jahr ist sie bei Wind und Wetter, aber auch bei schönstem Sonnenschein in und um Lauf unterwegs, ein Paar Wanderschuhe müssen immer dran glauben, denn sie zieht mit ihrer Herde im Frühjahr vom Stall im Dorf und von der Winterweide auf der Sommerseite der tieferen Lagen des Laufbachtals über die Glashütte bis hinauf auf die Schwarzwaldhochstraße und im Herbst wieder retour. Dabei hütet sie die Schafe nicht wie ein Schäfer mit Hund, sondern hält sie in der Koppel.

Urlaub ist selten, das Heimweh zu groß

„Ich habe keinen wirklichen Lieblingsort, aber in den Urlaub kriegt man mich selten, da ist dann das Heimweh zu groß“, so die 37-jährige Naturliebhaberin. Sie ist sich sicher: „kaum einer hat so eine schöne Aussicht von seinem Arbeitsplatz wie ich.“ Vom Lochwald sieht man übers Laufer Schloss in die Rheinebene bis zum Wetterloch hinter Straßburg. Darüber hinaus kann sie hier – im Blockmeer, wo auf der dünnen Humusschicht Thymian, Blutwurz und Huflattich ihr Stelldichein geben – ein einzigartiges, faszinierendes Ereignis erleben.
Ein Schaf von Grindeschäferin Marianne Burger hat die Kamera entdeckt. | Foto: Karen Christeleit
Weidepause zugunsten der Landschaft
„Wenn ich unten auf der Weide stehe und nach den Schafen pfeife und die sich bergab in Bewegung setzten, grollt und bebt die Erde wie einst bei den Dinosauriern.“ Letztes Jahr ließ sie hier viele Flächen unbeweidet, so dass sie am Ende des Sommer ganze zwei Wochen streckenmäßig voraus war. „So blieben die ausgebrannten Wiesen stehen und die Pflanzen konnten sich aussamen“, erklärte Burger, „2003 war es auch so heiß, da brauchten die Flächen drei Jahre zum regenerieren.“

Das ist Yoga für die Seele

In einer Traumwelt

Schon beim Gedanken, bald wieder loszuziehen, kommt sie weiter ins Träumen. „Auf der Weide in der Glashütte ist man von der realen Welt total abgeschnitten, hört beim Schmusen mit den Lämmern nur die Glöcklein bimmeln, den Bach rauschen, den Wind durch die umliegenden Bäume säuseln und die Warzenbeißer-Heuschrecke zirpen“, schwärmt die Mutter von fünf Kindern mit Blick auf die unberührte Natur, wo Arnika an Bestand zunimmt und seltene Orchideen wachsen, „das ist Yoga für die Seele.“

Natürliche Rasenmäher

Wenn sie mit ihren Schafen nicht die steilen Hänge freihielte, würden sie allesamt bewalden, denn nach alter Art beweidet wird lange nicht mehr und mähen will hier auch keiner. Im Sommer geht es für zwei Monate mit den 160 Mutterschafen der höchst genügsamen Schafsrasse Heidschnucke und deren Nachzucht sowie mit den rund 70 robusten Tauernschecken-Gebirgsziegen hinauf zur Grinde. Die Mischherde sorgt für einen gleichmäßigen Abbiss – mag doch die Ziege keine Minze, während das Schaf Brombeere und aufkommende Sträucher stehen lässt.
Marianne Burger kümmert sich auch um schwarze Schafe, besonders kleine Lämmchen | Foto: Karen Christeleit

Betrieb von Vater übernommen

Ihr Vater Paul Dinger, von dem sie 2008 den Vollerwerbsbetrieb übernommen hat, war 1995 Pionier bei der Grindebeweidung beim Ochsenstall. Burger beweidet heute den Skilift Hundseck über den Hochkopf bis zur Hornisgrinde und lässt da die Tiere das Pfeifengras zugunsten der Heide zurückdrängen.

Neues Projekt Wasserbüffel

Mit den Wasserbüffeln im Naturschutzprojekt „Laufer Mark“ gehen sie und ihr Mann Matthias nun neue Wege. Unbekannt ist ihr die feuchte Ebene nicht. „Meine Oma Anastasia hatte hier ihre Parzelle und weil damals jedes Hälmchen zählte, wurde Heu im Wasser gemacht und auf dem Weg trocknen gelassen“, erinnerte sich Burger. „Meine drei geruhsamen Büffeldamen lieben es ebenso genügsam mit Binsen und dem Schilf und schaffen durch ihr Suhlen zum einen die dunkle Erde, die der Kiebitz als Brutplatz bevorzugt, und zum anderen Wasserfurchen, in denen die Gelbbauchunke lebt.“ Das ist gelebter und geliebter Naturschutz.