Ampelmädchen
Ein roter Ampelmann und eine grüne Ampelfrau. Foto: Rainer Jensen/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nach Wahlen im Mai

Gemeinderäte sind nur vereinzelt weiblicher geworden

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Die Räte rund um Achern sind nach den Kommunalwahlen weiblicher geworden – ein klein wenig zumindest. Immerhin drei Gremien weisen einen größeren Anteil an Frauen auf als vorher. Im Großteil der Räte sieht die Verteilung der Sitze auf Frauen und Männer genauso aus wie vor den Wahlen im Mai.

Die größten Veränderungen: Hatte bisher der Gemeinderat Rheinau im Gebiet rund um Achern die mit Abstand meisten Frauen in seinen Reihen, so ist nun Lauf an die Spitze dieser Tabelle gerückt. Dort zählt man von 14 Mitgliedern jetzt vier statt drei Frauen; das ergab sich durch eine Nachrückerin.

Der Frauenanteil im Rheinauer Gemeinderat sank dagegen von 29,6 (8 Frauen, 19 Männer) auf 20,8 Prozent (5 Frauen, 19 Männer). Damit liegt das Gremium wieder unter dem Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg, bei dem der Frauenanteil 23,9 Prozent beträgt.

Drei junge Frauen haben es nicht in den Ortschaftsrat geschafft

Die Ortsvorsteherin des Stadtteils Linx, Annette Sänger, ist seit 2014 Gemeinderätin in Rheinau. Sie glaubt nicht, dass die Veränderung im Rat sich auf dessen Arbeit auswirken wird: „Männlein wie Weiblein“ hätten schließlich das Ziel, die Stadt voranzubringen.

„Ich finde es schade, dass nicht mehr Frauen in den Räten sind, aber das ist der Wählerwille“, sagt sie und nennt als Beispiel den Ortschaftsrat Linx, für den gleich drei junge Frauen kandidiert hätten: Alle hätten auf Anhieb viele Stimmen bekommen, aber nicht genug, um einen Sitz zu erhalten.

Gemeinderatswahl ist auch eine Persönlichkeitswahl

Ein wenig weiblichen Zuwachs bekommen hat der Rat von Renchen: Dort stieg deren Anteil von 11,1 (2 Frauen, 16 Männer) auf 16,6 Prozent (3 Frauen, 15 Männer).

Jessica Fischinger gehört diesem Gremium seit fünf Jahren an und hat ihre Stimmenanzahl bei dieser Wahl im Vergleich zur vorangegangenen mehr als verdoppelt. „Bisher waren wir zu zweit und mussten uns schon durchsetzen“, sagt sie.

Wie sich der höhere Frauenanteil auswirkt, könne man erst nach einigen Wochen sagen. Sie habe aber ein gutes Gefühl dadurch, dass sie nun mehr Kolleginnen hat – zu viele Frauen im Rat seien dagegen auch wieder schwierig. Die Gemeinderatswahl sei immer eine Persönlichkeitswahl und hänge auch davon ab, wie bekannt jemand schon im Ort sei.

Auf den Listen für die Wahl standen deutlich mehr Männer

Auch in Seebach gab es Zuwachs: Dort sind nun von zehn Mitgliedern zwei Frauen statt eine. Die wenigsten Frauen im Vergleich zur Gesamtzahl der Sitze hat gleichbleibend der Rat von Ottenhöfen, dem wie vor der Wahl von 14 Mitgliedern eine Frau angehört.

Dass deutlich mehr Männer als Frauen in die Gemeinderäte gewählt wurden, hängt in vielen Gemeinden mit der Zusammensetzung der Bewerber zusammen. So standen etwa auf der Kandidatenliste der CDU für den Renchener Rat 26 Männer, aber nur drei Frauen, von denen am Ende keine einen Sitz bekam.

Dasselbe gilt für die drei Frauen, die neben 23 Männern auf der Liste der Freien Wähler für den Acherner Gemeinderat angetreten waren. Die Liste der FBL-Fraktion für den Gemeinderat Lauf war sogar rein männlich. Dagegen sah die Liste der Laufer CDU als einzige in der Region eine ausgeglichene Verteilung der Geschlechter mit jeweils sechs Plätzen vor. Letztlich gewählt wurden hier vier Männer und zwei Frauen.

Eine von ihnen ist Ulrike Heib, seit 2009 Gemeinderätin und bei der Kommunalwahl in Lauf die Frau mit den meisten Stimmen. Man sei zwar bemüht gewesen, als homogene Gruppe zur Wahl anzutreten, aber der „Gleichstand“ sei nicht das vorrangige Ziel gewesen. „Die weiblichen Kandidaten waren jeweils die ersten, die zugesagt haben, sich aufstellen zu lassen – auch das ist wohl einmalig in der Region.“