Reinhard Bischler mit seinen Schafen
Zentrale Vermarktung seit zehn Jahren: Reinhard Bischler aus Gengenbach bündelt seit zehn Jahren das Angebot vor allem kleinerer Schafhalter in der gesamten Ortenau. | Foto: Ullmann

Initiative aus dem Kinzigtal

Gemeinsame Vermarktung von Schafen hilft allen

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Von Robert Ullmann
Rund 15 000 Lämmer und Schafe aus der Region vermarktet die Edeka Südwest pro Jahr. Um die 2 000 davon kommen aus einer Vermarktungsinitiative, die Reinhard Bischler in Gengenbach-Fußbach vor zehn Jahren gestartet hat. Bei der Feier zu diesem Jubiläum hob Rainer Moritz vom Amt für Landwirtschaft Offenburg die Bedeutung der Schafe für die Offenhaltung der Landschaft hervor. So stehen laut Moritz den 90 000 Hektar Wald in der Ortenau 60 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche entgegen. In den Talregionen handle es sich dabei zunehmen um Hang- und Steillagen. Viele dieser Steillagen werden im Nebenerwerb oder als Hobby mit Schafen besetzt, wodurch die Verbuschung verhindert wird.

30 Anlieferer von Lahr bis Achern

Hier kommt nun die Schäferei von Reinhard Bischler ins Spiel. Bischler sei ein Glücksfall für die Region. Seine 2006 gestartete Initiative fasse um die 30 aktive „Anlieferer“ zusammen, vom Raum Lahr bis in den Raum Achern. Die Schafhalter bringen ihre Schafe nach Fußbach in Bischlers Schäferei, wo sie verladen werden. Dabei arbeitet der Schaf-Fachmann unter anderem mit der Viehzentrale Südwest GmbH und der Edeka zusammen. Laut Ulrich Rothweiler von der Viehzentrale Südwest gibt es in Baden-Württemberg etwa 1 400 Schafhalter. Nur rund zehn Prozent von ihnen machen das hauptberuflich und haben entsprechend große Herden. „In den Talregionen bei uns dagegen sind die Herden meistens klein“, führt Reinhold Bischler aus. Er nennt einen Schafhalter aus Biberach-Prinzbach mit um die 120 Tieren. Alle anderen hätten jedoch viel weniger Schafe. Bei vier, zehn oder auch 20 Tieren sei eine Vermarktung aber nur schwer möglich. Wenn der Schafhalter seine Lämmer nicht vermarkten könne und nur noch drauflege, werde er die Haltung über kurz oder lang aufgeben – und der Hang wächst zu.

Bischler will bessere Haltungsbedingungen von Schafen

Selbst die aus einem Modellprojekt zur Offenhaltung der Landschaft und mit EU-Mitteln geförderte Weidegemeinschaft in Bad Griesbach vermarktet ihre Tiere mittlerweile über Bischlers Initiative. Vor 36 Jahren habe er sein erstes Schaf geholt, berichtet Reinhard Bischler. Heute beweide er mit seinem Juniorpartner Jochen Braun 40 Hektar Weidefläche in Gengenbach, darunter auch Feuchtwiesen, mit Schafen und einigen Rindern. Er betonte, dass in der Schäferei-Gemeinschaft jeder jedem helfe. Über einen wöchentlichen Stammtisch tausche man sich aus und entwickle Verbesserungen. Sein Anliegen sei stets gewesen, die Haltungsbedingungen zu verbessern, bessere Qualität zu gerieren und über diese beiden Kriterien auch eine gute Vermarktung der Lämmer und Schafe mit verlässlichen Preisen für die Halter zu erreichen. Das Fleisch aus der Region solle in der Region vermarktet werden, aber auch nach außerhalb gehen. Die Betriebsführung zeigt gepflegte Ställe. Eine hohe Investition sei die Raufe gewesen, eine große überdachte Futterstelle, die nach zwei Seiten offen ist. Die Schafe erhalten hier über einen Mittelgang Trockenfutter in einer Raufe. Mit einer Abtrennung durch Stäbe gibt jedem Schaf einen Futterplatz, an dem es ungestört fressen kann. Weil das Futter nicht auf den Boden gestreut wird, kommt es nicht zu Verunreinigungen.