Ein Wort zur Wahl: Christian Schad, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche der Pfalz (Speyer), Christian Albecker, Kirchenpräsident der Union des Églises protestantes d'Alsace et de Lorraine (Straßburg) und Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden (Karlsruhe) auf der Kehler Passerelle. | Foto: Christine Storck

Botschaft der Kirchen in Kehl

Gemeinsames Plädoyer für den Erhalt der Freiheit

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Von Christine Storck
Brücken statt Mauern und Grenzen im wichtigen Wahljahr für Deutschland und Frankreich: Protestantische Kirchenvertreter beider Länder haben sich  in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine Politik der Ausgrenzung und für Freiheit, den Dialog und die soziale Verantwortung des Einzelnen ausgesprochen. „Der Wahlkampf soll Europa und die Nationen nicht weiter spalten und auseinander bringen“, sagte Jochen Cornelius-Bundschuh, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, in Kehl.

Passerelle als Kulisse

Die Passerelle des deux rives, die Fußgängerbrücke zwischen Kehl und Straßburg als Verbindung zweier Städte und Länder, diente als passende Kulisse, um die Botschaft zu transportieren. Dort verlasen der französische Kirchenpräsident Christian Albecker (Union des Églises Protestantes d’Alsace et de Lorraine), Christian Schad, Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz und der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh das Papier auf Deutsch und Französisch. „Wir wollen niemandem vorschreiben, was er wählen soll. Aber es gibt eine religiöse Motivation, Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Christian Schad. In Europa brodele es und Wahlen stünden bevor. Gleichzeitig sei nicht ausgemacht, ob sich danach der Hass der Terroristen mit dem Gegenhass der anderen auf so bizarre Weise verbindet, dass dies zum Einsturz des offenen europäischen Hauses führt.

Christen in besonderer Verantwortung

Die Kirchenvertreter widersprachen in ihrem Statement allen Versuchen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken oder auszugrenzen. „Wir sehen uns als Christen in einer besonderen Verantwortung, auch weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten“, sagten sie. Die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen Traditionen sei eine Herausforderung, aber auch der Reichtum der Länder Europas.  Gleichzeitig warnten sie in ihrer Erklärung vor Konzepten der Abgrenzung und nationalen Alleingängen. Gabe und Aufgabe zu Versöhnung und Integration sei, den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen zu suchen und zu einer Kultur der Aufmerksamkeit beizutragen.

„Gesellschaft nicht spalten“

Im bevorstehenden Wahlkampf sollten alle Versuche, um politischer Macht willen Vorurteile und Hass gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen, außen vor bleiben. „Wir bitten alle Bürger, Parteien und Gruppen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten, sondern fair und sachlich miteinander umzugehen“, hieß es.

Wachsende Europaskepsis

Verantwortung zu übernehmen sei auch ein reformatorischer Gedanke, sagte Christian Albecker mit Blick auf ein weit verbreitetes politisches Desinteresse und wachsende Europaskepsis. „Viele glauben, sie könnten mit ihrer Stimme sowieso nichts ändern. Aber wenn wir unser Schicksal nicht selbst in die Hand nehmen, werden es andere tun“, warnte er. Europa brauche Brücken statt Mauern oder eine Festung um sich herum.

Gegen Spaltung und Engstirnigkeit

Ein Grundgedanke Martin Luthers sei gewesen, dass Gottvertrauen freimache, ergänzte Jochen Cornelius-Bundschuh. Das habe er versucht politisch umzusetzen. „Wir müssen wegkommen von einer Politik der Angst, Spaltung und Engstirnigkeit“, betonte er. Freiheit bedeute auch den eigenen Verstand zu gebrauchen und sich für Recht, Gerechtigkeit, Frieden und den Schutz der Schwachen einzusetzen. „Das möchten wir wieder mehr ins Gespräch bringen“, so der Landesbischof.