Der Musikverein „Harmonie“ Wagshurst mit Dirigent Markus Göpper beim zweiten Besuch im Jahr 1999. Das Bild entstand beim Auftritt vor der City Hall (Rathaus) in Jasper. | Foto: Archiv Reinhard Brunner

Auf den Spuren der Auswanderer

Celestine freut sich auf die „German Brass-Band“ aus Wagshurst

Anzeige

Von Reinhard Brunner

Es ist keine Reise wie jede andere: Im Jahr 2018 will der Musikverein „Harmonie“ aus dem Acherner Stasdtteil Wagshurst in die US-amerikanische Gemeinde Celestine  reisen. Der Ort im Bundesstaat Indiana begeht das 175-jähriges Bestehen und will dieses Jubiläum mit der „German Brass-Band“ aus Wagshurst gebührend feiern.  Warum es den Musikverein „Harmonie“ Wagshurst gerade nach Celestine zieht liegt auf der Hand – zahlreiche Wagshurster Familien sind vor rund 180 Jahren  in diese Region ausgewandert und leben dort. Hier gibt es auch einen deutschen Verein.

Verbindung über den „großen Teich“

Bereits zweimal, 1993 zum 150. Jubiläum und im Jahre 1999 waren die Wagshurster in Celestine, Gegenbesuche gab es 1995 und 2001 in Wagshurst. Der ehemalige Vorsitzende des Musikvereins „Harmonie“ Wagshurst, Werner Stüber, gleichzeitig auch Vorsitzender des historischen Vereins „Anno Dazumal Wagshurst“ hat sich bisher mit großem Engagement für die Verbindung über den „großen Teich“ eingesetzt, gleich mehrere Fotoalben und Ordner mit Berichten und Zeitungsausschnitten bieten eine „umfangreiche Informationsquelle“.

550 Auswanderer aus Wagshurst

Zwischen 1830 und 1880 wanderten 550 Personen aus Wagshurst aus, 30 gingen nach Ungarn (Banat), 30 nach Algerien und 490 zog es in die USA und dort in verschiedene Bundesstaaten. 40 Familien siedelten sich im südlichen Indiana in Jasper (eine Gemeinde so groß wie die Kernstadt von Achern) an und verteilten sich über die Jahre in der dortigen Region, so auch in einem Vorort von Jasper – Celestine. Wie Stüber berichtet, sind so bekannte Wagshurster Familiennamen wie Baumert, Beckert, Berger, Dupps, Eckstein, Ell, Fritsch, Hurst, Lampert oder Sermersheim dort aufgetaucht.

Gefährliche Reise

Die Ausreise zur damaligen Zeit erfolgte über Agenturen, die Personen wurden im französischen Hafen Le Havre unter anderem auf das Schiff „Burgund“ eingeschifft, von dort ging es über den Atlantik einmal nach New York, Pennsylvania, Pittsburgh und Ohio oder über New Orleans (Bundesstaat Louisiana) mit dem Raddampfer über den Mississippi River zum Bundesstaat Indiana. Eine beschwerliche, nicht ungefährliche wie auch langwierige Reise. Es gab bei den Überfahrten durchaus auch Todesfälle.

Schöpferisches Talent genutzt

Eine Besonderheit, die sichtbare Spuren hinterlassen hat, gab es im Zweiten Weltkrieg. Der aus Wagshurst stammende Diplom-Bildhauer Herbert Jogerst kam 1944 in ein nahe gelegenes Kriegsgefangenenlager bei Breckenrich (Kentucky) unweit von Jasper. Dort erkannte man recht bald sein „schöpferisches Talent“: Jogerst gestaltete unter anderem die „Christusfigur“, eine Auftragsarbeit als Erinnerung an die damaligen Auswanderer aus Wagshurst, die mit Sockel immerhin fünf Meter misst und in der Ortschaft Troy, an den Ufern des Ohio steht. Weitere Figuren Jogersts stehen an der Klosterkirche in St. Meinrad (Indiana). Nach der Rückkehr aus den USA im Jahre 1950 führte Herbert Jogerst in Wagshurst sein Geschäft weiter, seine beiden Söhne sind zwischenzeitlich in die Fußstapfen des Vaters getreten.

„German Brass-Band“ begeistert gefeiert

Der erste Besuch der Wagshurster in den USA erfolgte im Juli 1993 mit immerhin 120 Personen zum 150. Jubiläum von Celestine. Dort wurde der Musikverein „Harmonie“ Wagshurst und dessen Begleitung begeistert aufgenommen. „Wir waren alle bei Privatpersonen untergebracht, Übernachtung und Logis waren frei, lediglich der Flug musste von uns bezahlt werden“, erinnert sich Stüber. Die „Harmonie“ als „German Brass-Band“ hatte in ihrer Tracht mit Dirigent Markus Göpper gleich mehrere begeistert aufgenommene Auftritte. Mit ein Höhepunkt war eine Bläsermesse mit dem Bischof von Evansville. Ein absoluter Kracher war der große Umzug durch Celestine mit 160 Wagen und Trucks – und auf einem saß musizierend der Musikverein „Harmonie“ Wagshurst. „Das hatte schon was und sind bleibende Erlebnisse“, so Stüber. Ein weiterer Höhepunkt war ein Ausflug nach Nashville/Tennessee.

Freundschaften entstanden

1995 kamen zwei Gruppen aus Celestine zum Gegenbesuch nach Wagshurst, im August 1999 erfolgte mit 56 Personen der zweite Besuch der Wagshurster in Celestine, und 2001 kamen 30 Personen aus Celestine zum zweiten Gegenbesuch nach Wagshurst. Hierdurch entstanden Freundschaften, die auch zwischen den Besuchen gepflegt wurden, wie bei Werner Stüber, der in einem ständigen Dialog mit gleich mehreren „Celestinern“ steht. Celestine ist als Partnerstadt mit Pfaffenweiler bei Freiburg intensiv verbunden, auch hier gibt es einen ständigen Austausch, weiß Stüber.