Wasser in der Stadt, wie hier die Acher, sorgt für Verdunstungskühle in heißen Zeiten. Experten nennen als Paradebeispiel die Freiburger „Bächle“ – auch wenn der Effekt eher psychologisch sei. | Foto: Michaela Gabriel

Städtische Klimaanpassung

Gewappnet für heiße Zeiten

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Die Themen Klimawandel und Klimaveränderung stehen zwar nicht im Mittelpunkt des vor der Sommerpause im Gemeinderat der Stadt Achern verabschiedete Stadtentwicklungskonzeptes, des „Masterplans“. Dennoch stehen sie bereits seit vielen Jahren auf der kommunalen Agenda, teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Spätestens durch den heißen Sommer des Jahres 2018 haben sie ungeahnte Aktualität erhalten.

Seit 2005 kommen vermehrt Fotovoltaikanlagen auf den Dächern kommunaler Gebäude zum Einsatz. Zusätzlich werden seit mehreren Jahren städtische Gebäude energiesparend und klimawirksam saniert, zählt Helga Sauer aus dem Acherner OB-Büro auf. Sie verweist auch auf das „Ruftaxi“, das zur Minimierung des Individualverkehrs vor einigen Jahren eingerichtet wurde.

Die Zahl der heißen Tage steigt unverkennbar

Der Trend ist unverkennbar: Seit Mitte der 80er Jahre nimmt die Zahl der heißen Tage in Deutschland zu. „Bis zum Jahr 2100 liegen die Prognosen für eine Erwärmung des Klimas in einer Schwankungsbreite von zwei und sechs Grad“, weiß Hans-Ulrich Kümmerle vom regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. Genauere Prognosen seien schwierig: „Das hängt ganz entscheidend von den menschlichen Aktivitäten ab.“

Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich den Klimaänderungen anzupassen

„Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich den Klimaänderungen anzupassen“, erklärt Fabian Dosch vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn. Der Experte rät Städten, zunehmend auf helle Beläge zu setzen. „Die haben den Vorteil, dass sie sich nicht so leicht aufheizen, wie dunkle Oberflächen“. Zudem plädiert er auf eine sogenannte „Savannenbepflanzung“.

Savannenbepflanzung lässt Luft nach oben abströmen

Hierfür kommen Bäume infrage, deren Kronendach etwas aufgelockert ist. „Damit die Luft zirkulieren und nach oben abströmen kann. So staut sie sich nicht unter einem dichten Blätterdach“, sagt Dosch. Bei den zunehmend wärmeren klimatischen Bedingungen müsse das Augenmerk auch auf der richtigen Wahl der Pflanzen liegen. Ahorn und Linde seien wenig klimaresilient – den steigenden Temperaturen und der zunehmenden Trockenheit könnten sie nicht standhalten. „Städte, die sich der Thematik annehmen, setzen daher vermehrt auf Arten, die aus subtropischen Gefilden kommen“, weiß der Geograf.

Achern prüft Eignung klimaresilienter Pflanzen

In Achern werde aktuell die Eignung klimaresilienter Bäume, Sträucher und Pflanzen geprüft – auch für die Friedhöfe und als Straßenbegleitgrün, wie die Stadt mitteilt. Dem Schutz und Ausbau innerstädtischer Freiräume habe sich die Stadt gleichermaßen verschrieben. Der genannte „Masterplan“ sieht vor, heute noch weitgehend versiegelte Bereiche grüner gestalten zu können. Hierfür laufen derzeit die Vorbereitungen. Ziel sei es, „kleinklimatische Verbesserungen in den baulich verdichteten Bereichen zu erzielen“, führt Sauer aus. In Anknüpfung an die „Anlage eines Grünplatzes“ anstelle des Stolzer-Parkhauses, solle baldmöglichst eine Detailplanung für die fußläufige Grün-Achse „neuer Stolzer-Platz – Marktplatz“ einschließlich Marktplatz erstellt werden.

Freie Grünflächen wie hier im Baugebiet Bühli in Achern-Mösbach seien das A und O in der zukünftigen Städteplanung, betont Experte Fabian Dosch. | Foto: Spether

Lohnenswertes Thema für Kommunen

„Es ist wichtig, verbliebe Flächen zu schützen und aufzuwerten und nicht jeden freien Quadratmeter in Immobilien umzuwandeln“, erwähnt Dosch in diesem Zusammenhang und betont die Relevanz „kleiner Oasen“. Offene Freiflächen ermöglichten eine Absenkung der Wärmebelastung über Nacht. Neben der klimatischen Verbesserungen, dienten genannte Oasen als Begegnungsraum. „Für die Kommunen ist das durchaus ein lohnenswertes Thema“, ist er überzeugt. Um für weitere Abkühlung an Hitzetagen zu sorgen, spricht der Geograf sich zudem für einen vermehrten Wassereinsatz in den Städten aus. „Wasser das verdunsten kann, sorgt für Verdunstungskühle“, erklärt er und nennt als Paradebeispiel die Stadt Freiburg mit ihren „Bächle“, die das Bild der Innenstadt prägt. Der gemessene Effekt sei in diesem konkreten Fall zwar gering, „der psychologische ist dafür umso größer“, weiß Dosch.

Stadtverwaltung möchte Acher und Mühlbach „erlebbar“ machen

Auf diesen Effekt scheint auch das Acherner Stadtentwicklungskonzept zu zielen, wenn es vorsieht, die durch die Kernstadt fließende Acher wie auch den Mühlbach stärker hervorzuheben und „erlebbar“ zu machen. „Im Zusammenhang mit derzeit laufenden Bauleitplanverfahren werden sowohl entlang der Acher wie auch in Oberachern Grünflächen und öffentliche Wege unmittelbar entlang dieser Gewässer geschaffen“, bemerkt Sauer.

Investition in Lebensqualität

Durch Vorkehrungen wie diese werden Hitzeperioden weniger stark wahrgenommen, ist Dosch überzeugt. Die Anpassung in Städten und Gemeinden an das Klima beschäftige ihn und sein Team seit mehr als 10 Jahren. Viele Maßnahmen seien kostengünstig und einfach umsetzbar: „Jede Anpassung ist eine Investitionen in Lebensqualität.“