Eine oder zwei Kirchengemeinden im heutigen Dekanat? Dekan Georg Schmitt kennt beide Lösungsvorschläge. | Foto: Roland Spether

Pastoral 2030

Großgemeinde im Raum Achern: Verliert der Hirte die Übersicht?

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Früher umfasste eine Pfarrei ein Dorf, also die Straßen rund um einen Kirchturm. Ganz anders eine „Pfarrei neu“, die die katholische Kirche unter der Überschrift „Pastoral 2030“ im ganzen Erzbistum Freiburg derzeit vorbereitet: Sie soll das ganze heutige Dekanat Acher-Renchtal und noch mehr umfassen.
Rund 52.000 Katholiken und ein leitender Pfarrer, wo bisher sechs Seelsorgeeinheiten mit sechs leitenden Priestern tätig sind? Das ist für die katholischen Christen vor Ort bislang unvorstellbar. Und es sollen zusätzlich noch Appenweier, Urloffen und Nesselried dazukommen, was dann rund 59.000 Katholiken in einer Verwaltungseinheit bedeuten würde.

Von unserer Mitarbeiterin Michaela Gabriel

Diese Zahl steht als Vorschlag für das Acher- und Renchtal im Raum, den die Erzdiözese vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Vorgabe von Erzbischof Stephan Burger ist bekanntlich, dass die Zahl der Kirchengemeinden sich von derzeit 224 auf etwa 40 reduziert werden sollen – um mit weniger hauptamtlichen Mitarbeiter und Priester auskommen zu können.

Mehrheit für Dekantslösung

„Als Rückmeldungen aus den Seelsorgeeinheiten wurde mehrheitlich für eine einzige Kirchengemeinde im heutigen Dekanat plädiert“, erklärt Dekan Georg Schmitt, Leiter der Kirchengemeinde Achertal. Es gebe auch Stimmen, die lieber zwei Kirchengemeinden bilden würden. Eine Großpfarrei aus den Seelsorgeeinheiten Achern, Achertal und Lauf/Sasbachtal, also ohne Oberkirch und weitere, würde man zum Beispiel in Achern gern sehen.

„Zwei Täler, zwei Städte“

„Zwei Täler, zwei Städte als Zentren: Achern und Oberkirch“, so wünscht sich Pfarrer Joachim Giesler die Zukunft: „Das war unsere Eingabe nach Freiburg.“ Man müsse die Geografie und die Wege der Menschen berücksichtigen, so der Leiter der Kirchengemeinde Achern. Bevor er sich entscheide, eine neue Großpfarrei eventuell zu leiten, werde er den Prozess weiter beobachten, so Giesler. Noch sei nicht klar, was das alles für die künftigen pastoralen Leiter bedeute.

Gute Zusammenarbeit gelobt

„Die Zusammenarbeit im Dekanat ist bisher gut. Die Großgemeinde auf dieser Basis ergibt Sinn“, meint Pfarrer Jens Bader, Leiter der Seelsorgeeinheit Lauf/Sasbachtal. Sie brauche aber zwei Brennpunkte in Achern und Oberkirch. Als Leiter einer so großen Einheit den Überblick zu bewahren, stellt sich Jens Bader schwierig vor, allein weil man dann mit so vielen Bürgermeistern und verschiedenen Mentalitäten zu tun habe. Schon jetzt sei es kaum möglich als Hirte seine Schafe zu kennen: „Dieser Anspruch ist später gar nicht mehr zu erfüllen.“

Nicht mit Begeisterung zugestimmt

„Unser Pfarrgemeinderat hat dem vorgelegten Entwurf zugestimmt. Nicht mit Begeisterung, sondern mit Realismus“, sagt der Leiter der Seelsorgeeinheit Renchen, Pfarrer Herbert Faller: „Ob Appenweier, Urloffen und Nesselried noch dazukommen, mögen sie selbst entscheiden.“ Wichtig sei ihm, die Verbundenheit mit Oberkirch und Achern zu erhalten. Die Perspektive, selber eine „Pfarrei neu“ einmal zu leiten, sieht er für sich persönlich nicht: „Allein schon aus Altersgründen.“

Umsetzung ab 2022

Anfang 2021 soll verkündet werden, wie die neuen Strukturen in der katholischen Kirche vor Ort aussehen werden, heißt es in der Beschreibung des „Projektverlaufs Raumplanung“ aus dem Ordinariat in Freiburg. Die Umsetzung ist schrittweise ab 2022 geplant. Gemeindemitglieder und ehrenamtlich oder hauptamtlich bei der katholischen Kirche Engagierte können ihre Meinung zum Zuschnitt der künftigen Großgemeinden mitteilen.

Mehr zum Thema: www.kirchenentwicklung2030.de