Senkung der Mehrwertsteuer
Volle Einkaufstüten: Die Mehrwertsteuersenkung und die damit einhergehenden niedrigeren Preise soll die Kauffreude der Konsumenten anregen – das zumindest ist die Hoffnung von Bundesregierung und Unternehmen. | Foto: Martin Gerten/dpa

Kaufanreize

Großteil der Acherner Geschäftswelt gibt die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden

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Wochenlang waren die Geschäfte zu, danach verzichtete so mancher lieber auf Shoppingtouren und blieb der Gesundheit zuliebe zu Hause. Die Senkung der Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr soll den Unternehmern jetzt helfen und den Konsum durch niedrigere Preise wieder ankurbeln. Die Entscheidung lautet nun: Lässt man die Preise wie sie sind und behält somit die „Corona-Hilfe“ ein, oder verkauft man entsprechend günstiger und gibt die Senkung so an die Kunden weiter?

Während in der Acherner Geschäftswelt wohl in den meisten Branchen Zweiteres der Fall ist, wird die von der Krise gebeutelte Gastronomie darauf eher verzichten.

Während die „Ermäßigung“ bei einer Packung Milch einen überschaubaren Unterschied macht, wirkt sich die Senkung auf höherpreisige Waren deutlicher aus – zum Beispiel auf größere Elektrogeräte: „Auch wir werden die Senkung an die Kunden weitergeben“, sagt etwa Markus Schneider, Geschäftsführer von Media Elektra in Achern. „Wir hoffen natürlich auf den gewünschten Effekt“. Das Thema scheine in den Köpfen der Menschen bereits präsent zu sein, meint er: „Einige Kunden haben schon gefragt, wie das bei uns ab dem 1. Juli aussehen wird“.

Wenn wir händisch umzeichnen müssten, wäre das schier unmöglich.

Bernd Peters, Geschäftsführer Kaufhaus Peters

Genauso wie bei Schneider werden auch im Kaufhaus Peters die neuen Preise direkt an der Kasse umgerechnet und dort die Senkung abgezogen. „Wenn wir händisch umzeichnen müssten, wäre das schier unmöglich“, sagt Geschäftsführer Bernd Peters. Dafür müssten die Kassen erst umprogrammiert werden. Das Thema werde im Handel kontrovers diskutiert, aber mit der Senkung gehe der Appell einher, sie auch an die Käufer weiterzugeben.

Zudem nehme der Bund viel Geld in die Hand: „Wir sehen das als Gesamtpaket, das wir eben mittragen“, so Peters. Manchen Branchen, beispielsweise Fahrradhändlern, gehe es in der Corona-Krise vergleichsweise gut, aber „in unserem Bereich der Kaufhäuser wüsste ich niemanden, der in diesem Jahr schwarze Zahlen sieht“.

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Von 19 auf 16 und von sieben auf fünf Prozent

Oft werde bei der Senkung auch falsch gerechnet: Es seien nicht drei, sondern 2,5 Prozent, die beim Kunden ankämen, so Peters. Normalerweise sind in Preisen 19 Prozent Mehrwertsteuer enthalten, für manche Produkte, zum Beispiel Grundnahrungsmittel, gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent. Um nun den Konsum wieder anzukurbeln, ruft die Bundesregierung Unternehmer auf, die Steuer von 19 auf 16 Prozent und von sieben auf fünf Prozent zu senken – das gilt vom 1. Juli bis Jahresende.

Die Steuererlassung war absolut notwendig.

Herbert Decker, Hotel Engel 

Neun Wochen keine Umsätze und fast ein Drittel weniger Einkünfte wegen Corona bilanziert der Vorsitzende der Kreisstelle Achern im Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, Herbert Decker vom Hotel Engel in Sasbachwalden: „Die Steuererlassung war absolut notwendig, wir werden sie aber nicht weitergeben können, weil wir sie dringend brauchen“. Auch Absagen von Firmenfeiern in seinem Haus im Herbst tragen nicht gerade zur Entspannung bei. Der Tenor in der Dehoga: Überall gebe es starke Einbuße, zudem warte man auch noch auf die Soforthilfen des Landes.

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Autobranche erlebt „Nachfrage-Boom“

Einen regelrechten Nachfrage-Boom erlebt derweil das Autohaus Tabor, seit die Senkung kommuniziert wurde, die auch hier weitergegeben wird: Es profitiere auch, wessen Fahrzeug jetzt gekauft und im Juli ausgeliefert werde. „Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage ab dem 1. Juli nochmals erhöht“, sagt Florian Tabor aus der Geschäftsführung.

In Kombination mit der Prämie auf Elektrofahrzeuge, die ebenfalls Teil des Konjunkturpakets ist, sei dies Tabors Meinung nach „eine Kaufgelegenheit, die historisch einmalig ist“. Für Kunden, die ein Auto nicht kaufen, sondern leasen, werde die Rate ebenfalls mit 16 statt 19 Prozent berechnet.