Wein-Guides
Bei Weinbergführungen kommen die seit zehn Jahren in der Ortenau ausgebildeten Wein-Guides ebenso zum Einsatz wie im Verkauf oder als Weinprobensprecher. Mittlerweile haben mehr als 180 Absolventen die Prüfungen erfolgreich abgelegt. | Foto: pr

182 Absolventen in der Ortenau

Guides geben Wein-Tourismus ein Gesicht

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Von Christine Storck

Seit zehn Jahren werden in der Ortenau Wein-Guides ausgebildet. Bisher haben sich 182 Absolventen nebenberuflich dem Rebensaft verschrieben und sind etwa bei der Gästebetreuung, im Verkauf von Weinbaubetrieben oder als Weinprobensprecher tätig. „Die Nachfrage ist ungebrochen hoch“, sagt der Lehrgangs-Mitbegründer und ehemaliger Leiter der Volkshochschule Achern, Günter Fröhlich.

In zehn Jahren 182 Absolventen

Zurzeit sind 30 Teilnehmer an Bord der nach eigenen Angaben einzigen Ausbildung dieser Art in Baden und büffeln alles Wissenswerte zum Thema Wein. Bis zu neun Monate lang geht es an 16 Terminen um Didaktik und Rhetorik, Rebsortenkunde, Weinherstellung oder Weinbeurteilung. Am Ende warten eine schriftliche und mündliche Prüfung, die nicht alle erfolgreich ablegen, so Fröhlich. Trotzdem halte sich die Durchfallquote in Grenzen.

Unterstützung für wein-touristische Angebote

Der Lehrgang richtet sich an alle, die Wissenswertes über den Anbau, die Vermarktung und den Genuss von Wein bei Gästeführungen oder Kundenberatungen vermitteln wollen. Dafür fallen aber auch Gebühren an, aktuell 390 Euro plus 195 für den Verzehr, da an den Terminen gegessen und getrunken wird. Haben die Teilnehmer die Prüfung geschafft, dürfen sie die weintouristischen Angebote im Kreis unterstützen. Dafür können sie von Firmen oder Vereinen gebucht werden. Zum Einsatz kommen sie bei Weinbergführungen, im Verkauf oder nebenberuflich als Weinprobensprecher.

Günter Fröhlich
Günter Fröhlich ist Mitbegründer des Lehrgangs. | Foto: Michael Moos

2007 startete die Wein-Guide-Ausbildung. Der frühere Landrat des Ortenaukreises, Klaus Brodbeck, und Winfried Köninger, damals Chef des Weinguts Schloss Ortenberg, hatten die Idee, den Kurs ins Lebens zu rufen. Als Träger fanden sich die beiden Volkshochschulen (VHS) Ortenau und Rastatt. Heute läuft der Kurs in Eigenregie der VHS Ortenau. Im Schnitt gehen seither bei jedem Durchgang 25 bis 30 Teilnehmer an den Start, berichtet Fröhlich. Ihre berufliche und private Biografie sei sehr unterschiedlich: „Wir hatten schon Ärzte, Hotelbesitzer, Lehrer, Rentner, Winzer oder Mitarbeiter von Weinbaubetrieben in der Ausbildung.“

Teilnehmer vor allem aus der Ortenau

Schwerpunktmäßig kommen die Interessierten aus der Ortenau, aber auch darüber hinaus. Das Einzugsgebiet reiche von Bruchsal bis an den Bodensee und von Kehl bis nach Freudenstadt. Wer als Wein-Guide arbeiten möchte, sollte bestimmte Voraussetzungen mitbringen: mit Einzelpersonen oder Gruppen gut agieren können, stressresistent sein, sich im Weinbau der Region, in der er tätig ist, gut auskennen, und – selbstredend – Weinaffinität mitbringen.

Rhetorik wird besonders geschult

Um am Puls der Zeit zu sein, werden die Ausbildungsinhalte regelmäßig überprüft, vertieft oder ergänzt, sagt Fröhlich. Grundlage sei die Rückmeldung von Teilnehmern und Betrieben. In den vergangenen Jahren ist vor allem der Bereich Rhetorik verstärkt worden. Reich werden die Wein-Guides nicht. Aber immerhin bekommen sie bei einem Auftrag von bis zu vier Stunden rund 40 Euro Honorar. Bei einem ganzen Tag gibt es das Doppelte.

Der nächste Kurs beginnt im Herbst 2017. Vormerken lassen kann man sich bei der VHS Ortenau in Achern, Telefon (0 78 41) 40 05 oder beim Verein Weinparadies Ortenau, Telefon (0 78 02) 8 26 06.