Hans Renz SV Lauf
Eine zentrale Figur in der Mannschaft des SV Lauf war Torjäger Hans Renz (hinten, Sechster von links). Er wurde 1937 in Lauf geboren, begann seine Fußball-Laufbahn mit 13 Jahren und machte auch überregional auf sich aufmerksam. | Foto: Archiv Metzinger

90 Jahre SV Lauf

Hans Renz zog den Heimatverein dem Bundesligisten vor

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Anlässlich des 90-jährigen Bestehens des SV Lauf wird auch an einen der besten und bekanntesten Fußballspieler gedacht, der aus dem Sportverein hervorgegangen ist: der am 7. August 1937 in Lauf geborene Hans Renz.

Mit 13 begann seine Fußball-Laufbahn, mit knapp 16 stand Hans Renz erstmals in der ersten Mannschaft des damaligen A-Klassenvereins und wurde sofort zu einem wichtigen Spieler. Nach Abschluss der Saison 1956/57 belegte der SV Lauf den vierten Platz, und Renz hatte allein 33 von 96 Toren erzielt. Mit seinem Stammverein feierte er 1958 den Aufstieg in die zweite Amateurliga, Staffel I. Nach zwei Jahren musste der SV Lauf aber wieder in die A-Klasse absteigen. Renz wechselte zum SC Baden-Baden in die erste Amateurliga Südbaden, damals die dritthöchste deutsche Spielklasse, wo er sich als Spielgestalter und Torjäger gleich einen Namen machte.

Erfolgreichster Torschütze der Amateurliga Südbaden

In der Saison 1961/62 gewann der SC Baden-Baden die Südbadische Meisterschaft der ersten Amateurliga, und Renz belegte mit 20 erzielten Treffern den zweiten Platz in der Torschützenrangliste, 1965/66 war er mit 26 Treffern erfolgreichster Torschütze der ersten Amateurliga Südbaden. Erstaunlich im Vergleich zu heutigen Zahlen war der Durchschnittsbesuch bei Heimspielen des SC: 1 570 Zuschauer pro Spiel. Während der rund neun Jahre, die Renz beim SC Baden-Baden spielte, traf er in der ersten Amateurliga unter anderem auch auf den heutigen Bundesligisten SC Freiburg, in dessen Mannschaft damals der spätere Präsident Achim Stocker kickte. Ottmar Hitzfeld vom FV Lörrach (später VFB Stuttgart und Trainer von Borussia Dortmund und Bayern München) war ebenso sein Gegner wie Dieter Hinkelmann vom SV Kuppenheim (Ex-Vertragsspieler beim Freiburg FC) oder der Ex-KSC-Bundesligaspieler Willi Rihm (SV Mörsch).

Prototyp des Spielregisseurs im Mittelfeld

Als „herausragende Spielerpersönlichkeit“, „Super-Techniker“ und „Prototyp des Spielregisseurs im Mittelfeld“ wurde Hans Renz in der Presse beschrieben. Dass man auf diesen gefährlichen Torjäger überregional aufmerksam wurde, erstaunte nicht. Davon zeugen Berufungen in die Bezirksauswahl Baden-Baden und die Stadtauswahl, besonders stechen seine 17 Spiele für die südbadische Auswahlmannschaft heraus. In den Begegnungen bei DFB-Länderpokal, Bodensee-Cup und in Freundschaftsspielen etwa gegen Westfalen, Elsass, Berlin, Bremen, Südwest, Bayern, Nordbaden, Württemberg, Vorarlberg oder eine Schweizer Nachwuchsauswahl zeigte Renz sein Können.

Urkunden und Ehrennadeln für Hans Renz

Nach seinem zehnten Spiel für Südbaden in Bregenz gegen Vorarlberg (1967) überreichte der Vorsitzende des südbadischen Spielausschusses Renz die silberne Ehrennadel des Verbandes. Er war damit der erste Spieler des SC Baden-Baden, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Der Verein würdigte 1969 seine 400 Spiele in der ersten Mannschaft und die dabei erzielten 362 Tore mit einer Ehrenurkunde. Während seiner Zeit beim SC hatte der heimatverbundene Renz ein Angebot des Bundesligisten 1860 München ausgeschlagen, aber nach der Saison 1968/69 wechselte er zum SV Lauf.

Traineramt noch während der aktiven Laufbahn

Dieser errang in der anschließenden Spielrunde die Meisterschaft der B-Klasse Berg und stieg in die A-Klasse auf – daran hatte Renz großen Anteil. Daher verlieh der SV ihm „für einwandfreies Verhalten und hervorragenden Einsatz“ die Leistungsnadel in Silber. Noch während seiner aktiven Laufbahn beim SC übernahm Renz 1966 das Traineramt beim SV Fautenbach und führte den Club 1966/67 zur Meisterschaft der B-Klasse Offenburg, Staffel Nord. Mit dem Ende des Spieljahres 1970/71 beendete Renz nach fünfjähriger erfolgreicher Tätigkeit das Amt und wurde Trainer des SV Lauf. Ein weiteres Traineramt übernahm er beim SV Oberachern, das er aber wegen schwerer Erkrankung beenden musste.

Auch die Söhne wurden Fußballer

Abseits vom Fußball arbeitete der gelernte Polsterer- und Dekorateurmeister Renz lange am Theater Baden-Baden. Er war mit Inge Renz verheiratet und Vater von Michael, Matthias und Markus, die ebenfalls alle Fußballer wurden. Renz war ein geselliger Typ, dem Hilfsbereitschaft und Freundschaft viel bedeuteten und der immer zu Scherzen aufgelegt war. Renz starb am 11. Januar 1978 mit 40 Jahren.

Von Adalbert Metzinger