Achern Chevy Ostsee
„Long Red“ sorgte schon beim Start für Aufsehen – hier gönnt das Trio dem „Chevy“ eine Pause am Fjord von Lyngseidet in Norwegen. | Foto: pr

„Baltic Sea Circle“

„Hawaii in kalt“ macht Eindruck beim Acherner „Chevy“-Trio

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Von Roland Spether

Fahren, essen, schlafen! In einem 78er Chevrolet Caprice Station ist alles möglich, friedlich vereint zu dritt und noch dazu in gleicher Sitzposition über 10 000 Kilometer hinweg. Doch ganz so „schlimm“ war die Chevy-Tour rund um die Ostsee für Olli Huber (Fautenbach), Manuel Jörger (Eisental) und Jarno Kiesele (Friesenheim) vom Theodor Noise Racing Club beileibe nicht. An Bequemlichkeit, so das Fazit des Trios nach der Rückkehr nach Achern, ist der alte Chevy nicht zu toppen. Zum Schlafen gönnte man sich zumindest in St. Petersburg ein Bett in einem Hotel entlang der Route des „Baltic Sea Circle“. Nach 10 673 Kilometern ist man jetzt gesund und zufrieden zurück.

Ihr müsst die Sonne vor euch haben

Dass sie dem Feld von 250 Teams meist hinterherfuhren oder durch Fehlnavigationen vierstellige Kilometerzahlen auf Umwegen zusammenbrachten, störte die drei nicht. Sie blieben völlig entspannt, richteten den Kompass neu aus und folgten einem guten Rat anderer Rallye-Teilnehmer: „Ihr müsst die Sonne eigentlich vor euch haben und nicht hinter euch.“ Als sie diesen „Navi-Rat“ beherzigten, klappte es mit dem Trip hinauf zu den Lofoten und ans Nordkap.

Ganz hoch im Norden ist auch noch Zeit für ein Selfie. Nach 10 673 Kilometern rund um die Ostsee sind die Fahrer zurück in der Heimat. | Foto: pr

Auf der extrem langen Strecke, auf der im hohen Norden Elche von links und Rentiere von rechts den Weg kreuzen, Straßen irgendwo im Niemandsland endeten oder von solch mieser Qualität waren, die sie jeden ausgefahren Feldweg um Längen hinter sich ließen, blieben die erwarteten Pannen zur Verwunderung der drei aus. Überrascht waren sie von Russland, vor allem von den freundlichen und hilfsbereiten Menschen. „Wir haben dort für unser Auto mehr Daumen hoch bekommen, als auf der gesamten Strecke.“

Bewusster Ausflug ins russische Hinterland

Bewusst verließ das Team in Russland mit dem Chevy die Hauptstraßen für Ausflüge ins Hinterland. „Man sollte nicht glauben, dass dort Menschen wohnen. Zu sehen, wie hart der Cut zwischen Reich und Arm ist, macht einen schon sehr nachdenklich.“ Dennoch waren die Menschen sehr offen und herzlich, wie das Team aus Baden in einem Dorf bei der Begegnung mit einer „Mofa-Gang“ erlebte. Auch wenn der Jüngste der Kids erst zehn Jahre alt war und mit den Füßen nicht auf den Boden kam, verstand man sich und tauschte Aufkleber, Marmelade und anderen Reiseballast.

Karibikblaues Wasser und Schnee

Videos mit der Drohne machen, auf ewig langen Straßen skaten, Fotos in Schwarzweiß knipsen – jeder konnte machen, wozu er Lust und Laune hatte, sofern es die Zeit zuließ. Es entstanden faszinierende Aufnahmen, für die man in der Tat Tausende von Kilometern um die Ostsee reisen muss. Tiefen Eindruck hat bei allen die Stippvisite auf den Lofoten gemacht: „Wie Hawaii – nur in kalt. Oben Berge mit Schnee, unten karibikblaues Wasser.“

Achern Chevy Ostsee
Nickerchen vor dem Ziel: An Bequemlichkeit ist der alte „Chevy“ nicht zu toppen, so das Fazit des Trios. | Foto: pr

Das Nordkap war nicht so der große Knaller, dann schon eher die typisch russischen Plattenbauten von Murmansk, der Hafen mit dem Atom-Eisbrecher „Lenin“, die endlos langen Rumpelpisten oder der mystische „Berg der Kreuze“ in Litauen. Über die Kurische Nehrung wären sie gerne mit ihrem Chevy nach Kaliningrad gereist, in das ehemalige deutsche Königsberg, doch allein die verschwendete Zeit für die Grenzkontrollen bei Ein- und Ausreise zwang sie zu einem Umweg. So ging es um Kaliningrad herum, durch ewig lange und enge Alleen durch Polen und weiter nach Hamburg, wo sie von Freunden im Ziel empfangen wurden.

Erlös für Jugendwerkstätten und Achertalschule

Der Roadtrip „Baltic Sea Circle“ hatte auch einen sozialen Hintergrund. Denn alle Teams waren Teil der Charity-Tour rund um die Ostsee, bei der sich jede Mannschaft verpflichtete, mindestens 850 Euro für die Jugendwerkstätten in Hamburg und ein Projekt nach freier Wahl (Förderschule Achertal) einzubringen. Für das Team aus Achern waren der Theodor Noise Club und dessen Inhaber Markus Möhrmann der Hauptsponsor, Autoservice Lang (ASL) machte vorab den fachlichen Check. Am Ziel in Hamburg wurde vom Veranstalter dann die Gesamtsumme von mehr als 480 000 Euro verkündet, an der auch das Team aus Achern beteiligt war.