Kuhrau
Das Ziel fest im Blick: In drei Jahren will Markus Kuhrau Deutschland bei den olympischen Spielen in Tokio vertreten. | Foto: privat

Acherner Bogenschütze will zu Olympia

Hightech statt Robin-Hood-Romantik

Markus Kuhrau steht vor einem richtungsweisenden Jahr. Der junge Bogenschütze aus Achern wechselt im Herbst in den Seniorenbereich, wo er regelmäßig auf Weltklasse-Gegner trifft. Ein großer Schritt für den 19-Jährigen, dem es nicht an Ehrgeiz mangelt: „Ich will in die Top 20 der Welt“, sagt er selbstbewusst.

Zwei Deutsche-Meister-Titel zeigen: Kuhrau, der in der Bundesliga für Villingen-Schwenningen antritt, hat Talent. Um sich weiter zu verbessern, trainiert er bis zu sieben Stunden täglich – an sechs Tagen in der Woche. Dreimal wöchentlich geht er ins Fitnessstudio, stärkt Schultern und Rücken.

Ich will in die Top 20 der Welt.

An trainingsfreien Tagen nimmt er an Wettkämpfen in aller Welt teil. Berlin, Nimes und sogar Sydney – Kuhrau kommt rum. „Down Under“ ging er sogar zur Schule und nahm an den australischen Meisterschaften teil. In der Szene ist der Acherner längst kein unbekannter mehr; erst im vergangenen Dezember machte er mit einem dritten Platz beim Indoor-Weltcup in Marrakesch auf sich aufmerksam.

Erster Schuss vor neun Jahren

Die Faszination Bogensport ergriff Markus Kuhrau als Schüler. Im Alter von zehn Jahren kam er bei Projekttagen erstmals mit Pfeil und Bogen in Berührung, die Begeisterung war sofort da. „Das Miteinander unter Bogenschützen ist sehr freundschaftlich“, sagt Kuhrau, der für den Acherner Bogenclub weiterhin im Kreis startet – und seine Gegner reihenweise besiegt.

Zu 60 Prozent entscheidet der Kopf.

Was einen guten Schützen ausmacht? „Über Sieg oder Niederlage entscheidet zu 60 Prozent der Kopf“, betont Kuhrau. Ohne mentale Stärke und eine gute Konzentrationsfähigkeit könne man nicht gewinnen. „Der Rest ist Kraft“, erklärt er. Und die hat Kuhrau offenbar, obwohl er recht zierlich daherkommt. Die Sehne an seinem rund 3 500 Euro teuren Recurve-Bogen hat eine Zugkraft von knapp 20 Kilogramm.

High-Tech-Bogen aus Carbon

Mit Robin-Hood-Romantik hat Kuhraus Ausrüstung nicht mehr viel zu tun: Der aus Aluminium und Carbon gefertigte Bogen verfügt über Stabilisatoren, die beim Schuss die Schwingung auffangen und die Zielgenauigkeit verbessern. Die 30 Euro teuren Pfeile beschleunigen auf mehr als 200 Stundenkilometer.

Kuhrau
Starke Nerven sind beim Wettkampf an den Scheiben gefragt. Das Bild zeigt Markus Kuhrau (links) kurz vor dem Schuss. | Foto: privat

Geschossen wird auf die olympische Distanz (70 Meter), die Zielscheibe hat einen Durchmesser von 1,22 Meter. Der Zehnerring, das innerste Feld mit der höchsten Wertung, ist gar nur so groß wie eine CD (12,5 Zentimeter Durchmesser).

Wetter spielt große Rolle

Im Eins-gegen-Eins hat jeder Schütze im Wechsel vier Minuten Zeit, um sechs Schüsse abzugeben. Je näher der Pfeil an der Mitte einschlägt, umso höher die Punktzahl. Wer nach 72 Schüssen die Nase vorn hat, gewinnt. In der Halle schießt Kuhrau aus 18 Metern auf 20 Zentimeter große Scheiben.

Dort spielt das Wetter keine Rolle – im Freien dagegen sehr wohl: „Ideal ist es bei 25 Grad, Sonne und Windstille“, erklärt Kuhrau. Weil viele Schützen bei Kälte, Wind und Regen schwächelten, trainiere er ganz bewusst auch bei widrigen Bedingungen. „Im Wettkampf kann ich mir das Wetter auch nicht aussuchen“, sagt Kuhrau. Abgebrochen wird der nämlich nur bei Gewitter.

Fernziel Tokio 2020

Die Aussichten für den jungen Acherner sind derweil sonnig: Heute tritt er für Villingen-Schwenningen im Bundesliga-Finale an, den Nationalkader, für den es bislang noch nicht gereicht hat, hat er fest im Blick. Sein größtes Ziel: Olympia 2020 in Tokio. „Das will ich unbedingt dabei sein“, sagt der 19-Jährige, der mit einem Privattrainer an seinen Schwächen arbeitet. Ein Manko: „Die Gegner im Seniorenbereich haben eine größere Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen.“ Um diese zu simulieren, schießt Kuhrau auch gegen Trainingspartner. Das beste Training aber sei, wie in anderen Sportarten auch, der Wettkampf selbst: „Dann muss man seine Nerven im Griff haben.“

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