Die Goldmedaille bei den Paralympics in Sotschi im Jahr 2014 war der bislang größte Erfolg der dreifachen Weltmeisterin Andrea Rothfuß. | Foto: Archiv Stinus

Andrea Rothfuß

Hilfe aus Achern für Goldmedaillen-Gewinnerin

Von Roland Spether

„Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele in Südkorea 2018 – darauf fokussiere ich alles.“ Dass die amtierende Goldmedaillen-Gewinnerin im Skislalom der Paralympics, Andrea Rothfuß, sehr zuversichtlich und mit berechtigten Erwartungen in ihre sportliche Zukunft schauen kann, hat auch etwas mit der Acherner Firma Stinus Orthopädie und deren kompetenter Unterstützung zu tun. Denn die bundesdeutsche Allrounderin für Slalom, Riesenslalom und Abfahrt erlitt im Februar beim Training mit der deutschen alpinen Nationalmannschaft einen komplizierten Bruch des Sprunggelenks, der alle Träume platzen ließ.

„Fürchtete Ende meiner Karriere“

„Ich wusste sofort, was los war und befürchtete, dass dies das Ende meiner Karriere bedeutete“, so die aus Loßburg bei Freudenstadt stammende Andrea Rothfuß bei ihrem Besuch in dem Acherner Betrieb, dessen Hauptgesellschafter Hartmut Stinus als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie seit mehr als 20 Jahren Mannschaftsarzt der Ski-Alpin-Sportler im Deutschen Behindertensportverband ist. Seine Kompetenz und die der Firma Stinus Orthopädie waren wesentlich dafür verantwortlich, dass die sympathische Sportlerin mittlerweile wieder die ersten Siege bei Europacup-Rennen eingefahren und sogar die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung 2016/17 übernommen hat.

Fahnenträgerin in Sotschi

Die heute 27-jährige Andrea Rotfuß war 2014 in Sotschi die Fahnenträgerin des deutschen Olympia-Teams. Der Sportlerin, der seit ihrer Geburt die linke Hand fehlt, siegte im Slalom und im Riesenslalom und holte in der Super-Kombination jeweils Silber. „Auf dem Siegerpodest zu stehen ist Gänsehaut pur.“ Nach der Weihnachtspause geht es in Richtung Tarvisio (Italien), wo die Weltmeisterschaften stattfinden und sie hoffentlich ganz oben auf dem Siegerpodest steht.

Sturz auf dem „Chuenisbärgli“ in Adelboden

Es war wenige Tage vor der Abreise in die USA, als das deutsche Team noch einmal auf der legendären Piste „Chuenisbärgli“ in Adelboden (Schweiz) Riesenslalom und Slalom trainierte, mit dabei war Andrea Rothfuß. Es war ihr letzter Lauf im Riesenslalom, als sie bei hoher Geschwindigkeit stürzte und sich schwer verletzte. Die genaue Untersuchung mit Kernspin brachte die Gewissheit, was die Sportlerin auf der Piste bereits vermutete: Fraktur des Sprunggelenks. Da es sich um keinen komplizierten Bruch mit verschobenen Frakturen handelte, war keine Operation erforderlich. Stattdessen wurde das Bein über sechs Wochen mit einer Stabilisierungsorthese ruhig gestellt, Andrea Rothfuß durfte es nicht belasten und der Prozess der Heilung wurde mit gepulstem Ultraschall und fachärztlicher Begleitung durch Hartmut Stinus vorgenommen.

Langsam wieder in Form

Dass die Therapie bestens gelang, belegt die Tatsache, dass Andrea Rothfuß nach entsprechendem Muskel- und Aufbautraining bereits im September das Training wieder aufnahm und sich langsam an ihre alte Form heranarbeitete, was sich dann auch durch sportliche Erfolge zu Beginn der Saison 2016/17 bestätigte.

Hilfe aus Achern: Von links Geschäftsführer Ferdinand Weber, Andrea Rothfuß, Orthopädieschuhmachermeister Christian Schoenenberg sowie Hartmut Stinus, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Hilfe aus Achern: Von links Geschäftsführer Ferdinand Weber, Andrea Rothfuß, Orthopädieschuhmachermeister Christian Schoenenberg sowie Hartmut Stinus, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. | Foto: Roland Spether

Weil er selbst Amateur-Skilehrer war und sich beruflich früh auf die medizinischen und orthopädischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung spezialisiert hatte, wurde Hartmut Stinus Mannschaftsarzt der Ski-Alpin-Sportler im Deutschen Behindertensportverband. In dieser Eigenschaft war er 1994 bei den Paralympics in Lillehammer/Norwegen dabei und erlebte seitdem alle vier Jahre die paralympischen Winterspiele – in Nagano/Japan 1998, Salt Lake City/USA 2002, Turin/Italien 2006, Vancouver/Kanada 2010 und in Sotschi/Russland 2014 (der ABB berichtete). Nun wird Hartmut Stinus mit dem deutschen Team und nicht zuletzt mit Andrea Rothfuß neue Ziele ansteuern.