Illenau Doku
Besonderer Blick: Die Vorschau auf die Illenau-Dokumentation von Frank König und seinen Mitstreitern ist jetzt im Internet. 2 500 Mal wurde sie bereits angeschaut. | Foto: Michaela Gabriel

Filmemacher drehen Doku

Historisches Gewicht lastet auf der Acherner Illenau

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Von Michaela Gabriel

Eine tickende Uhr, die Glocke im Illenau-Turm, dann eine Sicht auf den Gebäudekomplex aus der Luft. So beginnt der erste Film über Acherns ehemalige Heil- und Pflegeanstalt, die in diesem Jahr 175 Jahre alt wird. Die beiden Acherner Filmemacher Frank König und Emre Özlü haben jetzt im Internet eine Vorschau auf ihre Dokumentation veröffentlicht. Sie wurde innerhalb der ersten zwei Wochen mehr als 2 500 Mal angeschaut.

Deutsche Stimme von Johnny Depp im Trailer

Hochauflösende bewegte Bilder mit faszinierenden Lichtstimmungen und die Profi-Stimme des Berliners David Nathan prägen den zweieinhalb Minuten langen Trailer, der Lust auf mehr machen soll. Dass er an Hollywood erinnert, hat einen Grund. Der Erzähler spricht in Kinofilmen die deutsche Stimme von Johnny Depp. „Allein der Trailer ist schon genial“, schreibt ein Acherner auf Facebook. Er zeige, „dass man sich dies Doku unbedingt anschauen muss.“ Bei einem nächtlichen Spaziergang um die Illenau wurde ihm und seinem Freund Emre Özlü das historische Gewicht des Gebäudekomplexes plötzlich bewusst, sagt Frank König.

Es laste richtiggehend auf dem Gemäuer. Die Geschichte der Illenau filmisch zu dokumentieren, sei ein Entschluss gewesen, „dem keine Entscheidung vorausging“ – er drängte sich den beiden einfach auf. Ohne Geldgeber, nur mit ihren Ideen und Fertigkeiten machten sie sich an ihr bisher aufwendigstes Filmprojekt. Seit März 2016 liefen die Recherchen, im April wurden die ersten Szenen gedreht. Für eigens geschriebene Filmmusik holten die beiden den Musiker Daniel Gerhard aus Lauf ins Boot.

Illenau-Film wird 85 Minuten lang

Der Acherner Sebastian Lermen übernahm die Koordination und Projektleitung. Regie, Kamera und Schnitt lag in den Händen die Ideengeber selbst. „Im Schnitt habe ich jeden Tag vier bis fünf Stunden für den Film gearbeitet. Er ist jetzt 85 Minuten lang“, sagt König. Nur die letzte Szene sei noch nicht im Kasten. Sie soll etwas mit einer brandaktuellen Geschichte in der Illenau zu tun haben. Nebenbei macht der 30-Jährige gerade seinen Master in Germanistik mit dem Schwerpunkt Neue Medien am Karlsruher Institut für Technologie.

Achernerin erzählt von ihrer Verschleppung

Weit über Achern hinaus werden die Mitwirkenden bekannt werden. Helmut Schiffner und Sophie Bross vom Illenau Theater als Anstaltsdirektor Roller und als Patientin, Walther Stodtmeister und Andrea Rumpf als Geschichtsexperten und Pfarrer Hans-Gerd Krabbe: Sie alle steuern bereits in der Vorschau gewichtige Sätze bei: „Liebe, diene“ gehört dazu, „Wohin bringt ihr uns?“ und die Tatsache, dass 1940 mindestens 254 Patienten der Illenau umgebracht wurden. Die Achernerin Helene Lanig erzählt über ihre Verschleppung aus Polen und wie sie in der Illenau eingedeutscht werden sollte.

Es ist an der Zeit, diesen Geist wieder zu erwecken

Das besondere Stück badischer Historie, die sich in Achern zugetragen hat, begann mit einem guten Geist, in dem sich Menschen um „Geisteskranke und Nervenleidende“ kümmerten. Es sei Zeit, diesen Geist wieder zu erwecken, sagen die Filmemacher. Bislang haben sie nicht offensiv nach einem Geldgeber gesucht. „Es sollte jemand sein, dem das Thema auch etwas bedeutet“, so Frank König.

Vorschau ab September in den Kinos

Ab September kommt die Vorschau in die Kinos Achern, Offenburg und Rastatt. Nach der Premiere im Festsaal der Illenau im Rahmen der 175-Jahr-Feier gibt es dann Acherner Geschichte auf der ganz großen Leinwand. „Ich denke, dass wir viele Besucher in die Illenau locken“, so der Regisseur. Die Faszination, die für ihn von dem Ort ausgeht, wird sich fortsetzen.