„Jupheidi und jupheida“ : die original „Kappler Fastnacht“ wurde eröffnet, und Präsident Josef „Sepp“ Müller frohlockte in höchsten Tönen | Foto: Roland Spether

Narrenmesse zum Auftakt

„Hoorig isch die Katz“ in Kappelrodeck

Von Roland Spether

Dass der „Kappler“ Pfarrer mitten auf dem Marktplatz einen katholischen Witz erzählt, lässt der Vatikan in Rom zu Beginn der Fünften Jahreszeit in Kappelrodeck gerade noch durchgehen. Dass aber künftig die hoch motivierten und stets lustigen „Floriansjünger“ künftig ohne schnelles Feuerwehrauto zu „Isätz usrücke“ und die Schläuche von Hand tragen müssen, schlägt dem Fass den Boden aus. Nur gut, dass der Kappelrodecker „Schultes“ Stefan Hattenbach bei dieser autofreien Probe auf dem Marktplatz dabei war und beobachten konnte, wie ein hellwacher Einsatztrupp von Spritzenmännern einen Schlauchturm baute, quietschfidel um diesen herum hopste und dabei die „hoorige Katz“ miauen ließen. Zuvor verrenkten Feuerwehrfrauen beim „Fit For Fire Fighting“ ihre Knochen und Gelenke, um mit perfekter Performance auszurücken.  „Fastnachtszeit, Narrenkleid, bannen die Sorgen. Heute gilt die Fröhlichkeit, morgen ist morgen“ – so lautet das Motto einer Fastnacht, die weit und breit einmalig ist und seit Menschengedenken das Prädikat trägt: „Kappel first“.

Sensation: Ein hellwacher Einsatztrupp rückte ohne Feuerwehrauto aus und löschte alle Brände auf dem Marktplatz
Sensation: Ein hellwacher Einsatztrupp rückte ohne Feuerwehrauto aus und löschte alle Brände auf dem Marktplatz | Foto: Roland Spether

„Schu wieder isch ein Jahr vorbei, jetzt geht sie los die Narretei. Mit Bure, Hexe und Duppe, die Alltagssorgen sind uns schnuppe“. Das Motto von Präsident Josef „Sepp“ Müller von der altehrwürdigen Narrenzunft 1811 war klar und die Bürger von Schudihausen lechzten geradezu danach, bis die Trachtenkapelle (Vizedirigent Michael Bohnert) und der Spielmanns- und Fanfarenzug (Dirigent Alexander Schaufler) die Elferräte und Hexen mit Fackelzügen in die City führten und zum Schellengebimmel von Schudibott Ingo Müller das erste „Hoorig, hoorig isch die Katz“ der Kampagne erklang.

„In Kappel wird gar viel gebaut“

So war es auch nicht verwunderlich, dass die uralten Hits von „Schwarzwurscht isch kei Servela“ bis zum „Alde Kappler“ in höchsten Tönen erklangen und bis ins hintere Achertal zu hören waren. Derweil tanzten die Hexen (Leiter Bernhard Lederer) in ihrem 41. Hexenjahr schöner denn je und Josef Müller stimmte aus voller Kehle das Eröffnungslied an und freute sich: „In Kappel wird gar viel gebaut, neue Häuser egal wohin man schaut. Viel Bürger nun Kappelrodeck hat, bald sind wir eine große Stadt“. Auch ging es dem alten Kanal am Brandrain an den Kragen: „Alle henn do dann gut Lache, un kinne große Hiffe mache“. Größte Freude herrschte beim Präsidenten, dass das legendäre „Warteck“ wieder öffnete und die Schudis hier wieder ihre Späße machen können. Diese durften Hunderte von Fastnachtern „Open Air“ erleben, als Bauleute der Schudi-Familie Nesselhauf mit uriger Gaudi und Leiterartistik einen wahren Prachtbau erstellte und manchen Sturzflug in eine tiefe Baugrube fabrizierte.

Pfarrer Georg Schmitt hatte zur Eröffnung der Fastnacht jede Menge Arbeit, um allerlei menschliche Schwächen aus dem Weg zu räumen
Pfarrer Georg Schmitt hatte zur Eröffnung der Fastnacht jede Menge Arbeit, um allerlei menschliche Schwächen aus dem Weg zu räumen | Foto: Roland Spether

„Die Eröffnung der Fastnachtszeit ist Anlass auch für Kirchenleut, zu pflegen Frohsinn und Humor, denn das kommt auch im Himmel vor“. Pfarrer Georg Schmitt grüße mit der „Kappler Buremütz“ auf dem Kopf die Besucher im voll besetzten Achertäler Dom zur „Schudimesse“, denn „wenn wir feiern, lachen, scherzen, gönnt Gott uns das aus ganzem Herzen“.

Pfarrer muss den Besen schwingen

Doch zuvor musste Pfarrer Schmitt mit den Hexen den Besen schwingen und den Gang säubern, denn hier lagen Zettel als Symbol für typisch menschliche Schwächen wie Neid, Eigensinn, Hass, Geschwätzigkeit und Lieblosigkeit, die in der Fastnacht und auch sonst im Leben nichts verloren haben. Mit viel Emotion und Anteilnahme wurde der verstorbenen Mitglieder der Narrenzunft gedacht, als Andy Nesselhauf und Franz Schnurr das Lied „Einmal sehen wir uns wieder“ sangen und viele Erinnerungen an begeisterte „Kappler Fasnachter“ lebendig wurden.

Hier ein Video von unserem Mitarbeiter Roland Spether