Das Preisgericht startete an der Illenau: (von links) Frank Hovenbitzer, Dietmar Stiefel, Alfred Peter und der Vorsitzende Ansgar Lamott. | Foto: Ulrich Coenen

Hugo-Häring-Auszeichnung

Die Jury kam mit der Feuerwehr

Das gab es noch nie. Die Jury kam mit der Feuerwehr. Es war nicht das einzig Außergewöhnliche bei der Sitzung des Preisgerichts des Hugo-Häring-Preises in Achern. Für den wichtigsten Architekturpreis, den der Bund Deutscher Architekten (BDA) alle drei Jahre in Baden-Württemberg auslobt, gab es 47 Bewerbungen innerhalb der Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis. Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des 1969 ins Leben gerufenen Wettbewerbs überhaupt. Gleichzeitig tagte die Jury erstmals in Achern und zwar im Festsaal der Illenau. Gastgeber war Baubürgermeister Dietmar Stiefel, der vom BDA in das fünfköpfige Preisgericht berufen wurde (wir berichteten).

18 Gebäude kamen in die engere Wahl und wurden von der Preisrichtern an zwei Tagen besucht. Das Foto zeigt ein Wohnhaus im Stadtgebiet Bühl. | Foto: Ulrich Coenen

Ansgar Lamott als Vorsitzender

Doch der Reihe nach: Am Freitag und am Samstag beschäftigte sich die Jury mit den herausragenden Gebäuden, die in den vergangenen Jahren in Mittelbaden entstanden sind. Zu ihrem Vorsitzenden wählte das Gremium gleich zu Beginn der zweitägigen Sitzung Ansgar Lamott, Professor für Projektbetreuung und Gebäudekunde an der Hochschule Darmstadt. Weitere Mitglieder waren der Architekt und Kunsthistoriker Frank Hovenbitzer (Lörrach), der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Alfred Peter (Straßburg) und ein Redakteur dieser Zeitung.

Kritischer Blick: Ansgar Lamott (links) im Gespräch mit Frank Hovenbitzer. | Foto: Ulrich Coenen

Suche nach schönen Häusern

Die Suche nach schönen Häusern ist jedes Mal eine Herausforderung. Die große Zahl der Bewerbungen bedeutete jede Menge Arbeit für die Jury. Im Festsaal der Illenau hatte das Rathausteam die mehr als 80 Tafeln mit Fotos, Plänen und Beschreibungen der teilnehmenden Bauwerke aufgebaut. Jeder Architekt durfte – ganz nach Wunsch – eine oder zwei Tafeln pro Objekt einreichen.

Riesiges Gebiet

Die Preisrichter gingen am Freitagmorgen zunächst von Tafel zu Tafel und diskutierten gründlich über jede Bewerbung. Weil keine Jury innerhalb von nur zwei Tagen 47 Gebäude in einer der flächenmäßig größten BDA-Kreisgruppen in Baden-Württemberg besuchen kann, musste eine Vorauswahl getroffen werden. Nur mit Hilfe von Fotos, Plänen und Kurzbeschreibungen ist das schwierig. Schließlich ist Architektur dreidimensional. Eine weniger gefällig gestaltete Tafel kann über das Schicksal einer Bewerbung entscheiden. Dieses Problems waren sich die Juroren bewusst. Nach dreistündiger Beratung wurden 18 Objekte in die engere Wahl genommen.

Besuch bei Picosens in Bühl: (von links) Firmenchef Gerd Reime, Ansgar Lamott, Alfred Peter, Frank Hovenbitzer, Dietmar Stiefel und Michael Conrad | Foto: Ulrich Coenen

Im Mannschaftsbus unterwegs

Dann kam die Feuerwehr. Armin Stiefel, Feuerwehrmann und Bruder des Bürgermeisters, steuerte den knallroten Mannschaftswagen, in dem neben den Juroren Michael Conrad (Lahr), der stellvertretende BDA-Kreisvorsitzende, Platz nahm. Er betreute und begleitete das Preisgericht.

Am ersten Tag ging die Reise in Richtung Süden. Unterwegs telefonierten Lamott und Conrad unermüdlich mit Architekten und Bewohnern beziehungsweise Nutzern der Gebäude. Schließlich wollten die Preisrichter die Häuser nicht nur von außen, sondern auch von innen sehen. Wenn das Blaulicht-Fahrzeug der „Architektur-Feuerwehr“ (Lamott) schließlich vor den Gebäuden parkte, gab es regelmäßig ein großes Hallo.
Nach der zweiten Rundfahrt am Samstagmorgen, dieses Mal in Richtung Norden, tagte die Jury erneut bis zum Spätnachmittag in der Illenau. Jetzt ging es um die Wurst. Wer erhält einen Preis und wer geht leer aus. Einige Male gab es sogar knappe Kampfabstimmungen.

Über den Dächern von Baden-Baden: Das Preisgericht des BDA bei der Besichtigung des Hotels Roomers. | Foto: Ulrich Coenen

Große Qualität der Architektur

Der Vorsitzende Ansgar Lamott zeigte sich am Ende angenehm überrascht über die „große Breite der Qualität der Architektur in Mittelbaden“. Bürgermeister Dietmar Stiefel, seit mehr als drei Jahrzehnten in der öffentlichen Bauverwaltung tätig, war erstmals in einer BDA-Jury engagiert. Er sprach von einem „persönlichen Erlebnis“: Stiefel weiter: „Es hat mir unheimlich Spaß gemacht!“

Rund 80 Tafeln mit den Wettbewerbsbeiträgen waren im Festsaal der Illenau aufgebaut. | Foto: Ulrich Coenen

Elf Auszeichnungen

Insgesamt vergab die Jury des BDA elf Hugo-Häring-Auszeichnungen. Das ist Rekord. Die Sieger auf Kreisebene qualifizieren sich automatisch für den Wettbewerb um den Hugo-Häring-Landespreis im nächsten Jahr. Wer die Gewinner sind, wird erst bei der offiziellen Preisverleihung am Donnerstag, 13. Juli, um 18 Uhr in der Sparkasse Achern verraten. Ansgar Lamott und der BDA-Kreisvorsitzende Urban Knapp (Baden-Baden) werden die Urkunden und Plaketten übergeben. Gleichzeitig wird eine Ausstellung mit den Tafeln aller 47 Teilnehmer eröffnet.

Achern ging leer aus

So viel darf schon jetzt verraten werden. Die Stadt Achern, die erst ein Mal eine Auszeichnung erhielt (vor vier Jahrzehnten für das Fernmeldedienstgebäude) konnte ihre Bilanz trotz der großartigen Gastfreundschaft nicht aufbessern. Die Nachbargemeinden waren erfolgreicher. Zwei Preise gingen nach Bühl, einer nach Seebach. Auch in Baden-Baden wurden zwei Bauwerke prämiert, gleich vier Auszeichnungen wanderten nach Offenburg.