In ihrem Atelier arbeitet Petra Lorch mitunter mehrere Wochen an einem Gemälde auf Leinwand. Käufer der Kunstwerke kommen aus dem In- und Ausland, um sich von der Malerin beraten zu lassen. | Foto: red

Malerin Petra Lorch aus Achern

Im ständigen Dialog mit dem Bild

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Verschiedene Weißtöne mit einem Grau- und Braunschleier auf breiter Fläche, dazwischen blitzen kleine winzige rot- und blaufarbige Flächen hervor. Sie sind von feinen, unregelmäßigen Linien durchzogen, die eine eigenwillige Richtung vorgeben. Es entstehen imaginäre Landschaften, die den Betrachter zur individuellen Interpretation einladen. „Mischtechnik auf Leinwand“, so bezeichnet Petra Lorch aus Gamshurst ihre Maltechnik. Als freischaffende Künstlerin greift sie seit 1998 zu Pinsel und Acrylfarben. Das Ziel: Petra Lorch will in der Kunstszene immer bekannter werden, überregional und international. Bescheiden, nicht aufdringlich, schreitet sie ihre Künstlerlaufbahn voran. In Ausstellungen von Rheinau-Honau über Paris bis in Galerien von New York, Bangkok und dem chinesischen Sichuan. Die Künstlerin findet Kunden nicht nur über Ausstellungen, sondern in virtuelle Welten sozialer Netzwerke. Das Instrumentarium: eine eigene Homepage im modernen Design, Facebook, Linkedin und Pinterest. Kunst ist Marketing.

Gemälde haben keinen Titel

Ihre Malerei ist intuitiv. Wenn Petra Lorch ein neues Bild kreiert, hat sie zu Beginn absichtlich kein Konzept. „Im Lauf der Zeit entwickelt sich etwas aus dem Gemälde“, so Lorch. Sie sei im ständigen Dialog mit ihrem Bild. „Erst wenn ich zufrieden bin, ist es fertig.“ Bis zu mehrere Wochen arbeitet die Künstlerin an einem Werk mit mehreren Farbschichten, Strukturen und Mustern. Die Gemälde tragen keine Titel. „Bewusst nicht“, wie die Künstlerin betont. Denn jeder Betrachter interpretiere das Werk individuell.
Die Schichten erzeugen in Kombination mit Linien und rauen Flächen einen dreidimensionalen Effekt. „Das Alte, Morbide gefällt mir wie die Strukturen bei Hauswänden.“ Je mehr Schichten, desto mehr Tiefe habe das Bild.

Man darf nie mit sich selbst zufrieden sein

Die Malerei ist für Petra Lorch längst kein Hobby mehr, sondern „richtige Arbeit“, mit der sie sich täglich auseinandersetzt. „Längere Ruhephasen bedeuten Stillstand“, meint die Künstlerin. „Man darf nie mit sich selbst zufrieden sein, sondern sollte stets an sich arbeiten, um sich immer weiter zu entwickeln“, betont Lorch. Denn nur so gelängen ständige Veränderungen in der Kunst.
In ihrem Atelier arbeitet Petra Lorch an der Staffelei, bei größeren Formaten am Tisch oder gar auf dem Boden. Kraftanstrengung für Beine und Rücken. Kunst ist Handwerk. Inspiration sammelt Lorch bei Reisen. Landschaften in Asien, Afrika und Amerika setzt sie gestalterisch um. Im heimischen Gamshurst befinden sich in Lorchs Atelier über 100 Bilder. Dort können sich die Kunden selbst ein Bild machen. „Ich komme auch zu ihnen nach Hause, um zu zeigen, ob das Werk zur Wohnungseinrichtung passt“, erklärt Lorch. Sie besteht darauf, dass der Kunde die Künstlerin kennenlernt. „Findet er die Malerin unsympathisch, dann könnte er sich auch nichts mit dem Bild anfangen“, erklärt Lorch. Erst dann könne sich der Käufer mit dem Werk verbinden. Derzeit seien unter den Kunstsammlern Werke mit schwarz-weißen und grauen Farbtönen gefragt. Die Künstlerin ist seit vier Jahren Kuratorin des Ortenauklinikums Achern-Oberkirch. Petra Lorch nimmt an Kunstpreisausschreibungen teil. Mit weiteren 60 Künstlern erhielt sie 2016 den Anerkennungspreis des Palm Art Award.

Bild gibt Emotionen preis

Eine Auswahl ihrer Bilder sind derzeit im Gamshurster Rathaus sowie im Atelier Kleber in Achern ausgestellt. Dort finden besonders französische Kunstenthusiasten Gefallen an der Malerei von Petra Lorch. Zudem hat die Malerin den Erlös einiger Werke für soziale Projekte in Uganda und Nepal gespendet. „Das Bild eines Künstlers gibt viel von seinem Inneren preis“, so Lorch. Zum Beispiel Emotionen wie Optimismus und Trauer in Form kräftiger Farben. Mit ihrer Maltechnik abstrakter Linien und Farbflächen verleiht Petra Lorch ihrer Werke einen künstlerischen Wiedererkennungswert.