Großes Interesse: Trotz brütender Hitze verfolgten mehrere hundert Menschen, darunter viele Mitarbeiter der Kliniken, die Podiumsdiskussion in der Schloßfeldhalle. | Foto: Löhnig

Überraschende Wende verkündet

Im Streit um die Reform des Ortenau Klinikums zeichnet sich eine Einigung ab

Das ist eine faustdicke Überraschung: Die bislang heftig umstrittene Reform der Kliniklandschaft im Ortenaukreis ist offenbar weitgehend in trockenen Tüchern. Vertreter der fünf wichtigsten Kreistagsfraktionen sprachen sich in einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend in Achern für die von der Verwaltung vorgeschlagenen Reduzierung auf vier Häuser im Rahmen der so genannten Agenda 2030 aus. Auch der Neubau eines Krankenhauses am Standort Achern dürfte demnach eine breite Mehrheit finden.

Harmonie in nichtöffentlicher Sitzung

Die Statements von Klaus Muttach (CDU), Jürgen Nowak (FW), Christoph Jopen (SPD), Alfred Baum (Grüne) und Eberhard von Hodenberg (FDP) sind nicht aus der Luft gegriffen: Am Montag hatte sich der Krankenhausausschuss des Kreistags getroffen und erstmals nichtöffentlich über das Gutachten beraten. Die Sitzung sei, so sagte ein Insider, „sehr harmonisch“ verlaufen. Viel spricht dafür, dass das Gutachten und vor allem die anschließenden Klarstellungen der Verwaltung der Debatte um die Zukunft der Kliniken bereits die Schärfe genommen haben, mit der sie in den vergangenen Wochen geführt worden war.

Dennoch bleiben Fragen offen

Es gibt aber eine Sollbruchstelle. Offen bleibt vorerst nämlich, ob die Fraktionen auch einen gemeinsamen Nenner für die Folgenutzung der aufzugebenden Standorte Oberkirch, Ettenheim und Kehl finden werden. Bei einer Podiumsdiskussion in der Schloßfeldhalle in Großweier, zu der die Bürgerinitiative für den Erhalt des Acherner Krankenhauses eingeladen hatte, gingen die Vorstellungen in dieser Frage, und nur in dieser Frage, noch auseinander. Dabei geht es vor allem darum, wie die Rolle eines „Portalkrankenhauses“ wirklich aussehen solle, welche Funktion es hat und in welcher Weise es in die Notfallversorgung eingebunden sein wird.

Kreistag entscheidet am 24. Juli

Dennoch: Der Beschluss des Kreistags am 24. Juli ist mithin vorgezeichnet. Franziska Müller, die als Sprecherin der Bürgerinitiative für das Acherner Krankenhaus in den vergangenen Wochen mehr als 26.000 Unterschriften gesammelt hatte, kommentierte dies auf ihre unnachahmliche Art: „Selten“, so witzelte sie im Blick auf das von Günther Laubis moderierte Podium, „haben es sieben Männer auf einen Streich geschafft, mich an einem Abend faltenloser zu machen“. Anschließend gab es, zu Ehren des Acherner Krankenhauses gewissermaßen, das Badner Lied in einer ganz eigenen Interpretation.

Am Dienstag wird öffentlich beraten

Nachdem der Krankenhausausschuss am Dienstag wohl bereits einen breiten Konsens in seiner nichtöffentlichen Sitzung gefunden hat, wird am kommenden Dienstag (15 Uhr, Sitzungssaal des Landratsamts) erstmals öffentlich beraten. Eine Beschlussempfehlung an den Kreistag soll es dann aber noch nicht geben, diese ist nach dem Fahrplan der Verwaltung für den 12. Juni vorgesehen. Dazu wird das Gremium ausreichend Zeit haben, die öffentliche Beratung beginnt bereits um 10 Uhr. Am 24. Juli ist dann die entscheidende Sitzung des Kreistags um 14 Uhr.

Zwei Neubauten geplant

Wie mehrfach berichtet, schlagen die Gutachter vor, die Krankenhäuser in Oberkirch, Kehl und Ettenheim mittelfristig zu schließen, die Klinken in Lahr und Wolfach sollen erhalten bleiben. Für Achern und Offenburg sind jeweils Neubauten vorgesehen. Die Verwaltung erhofft sich davon nicht nur ein besseres medizinisches Angebot – Lahr und Offenburg sollen zusammen ein Krankenhaus der Maximalversorgung werden – sondern auch effizientere Strukturen. Bei einem Festhalten am derzeitigen Konzept mit neun Krankenhäusern (die Schließung von Gengenbach im kommenden Jahr ist bereits beschlossen) müsste der Kreis Defizite von bis zu 30 Millionen Euro im Jahr ausgleichen. Angesichts hoher Landeszuschüsse liegen auf der anderen Seite die Investitionskosten für den Kreis selbst bei zwei Neubauten kaum über den Aufwendungen, die ein Festhalten am Bestand bedeuten würden – so jedenfalls die Gutachter.

Weitere Informationen zur Podiumsdiskussion in der Freitagsausgabe des Acher- und Bühler Bote