Ländliches Idyll mit Schönheitsfehler: Deutlich erkennbar sind in den Wäldern oberhalb von Sasbachwalden die vom Trockenstress betroffenen Buchenbestände.

Bäume im Trockenstress

Immer mehr braune Stellen im Wald

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„In dieser extremen Ausrichtung habe ich das noch nicht gesehen.“ Mit Sorge betrachtet Holger Schütz die Folgen der mit einer außergewöhnlichen Trockenheit gepaarten Hitzewelle für die Wälder. Als Leiter des Amts für Waldwirtschaft im Landratsamt Ortenaukreis ist er ein Experte auf seinem Gebiet. Überall in der Region werfen Bäume als Reaktion auf die seit Wochen dauernde Trockenheit ihre Blätter ab.

Buchen im „Herbstmodus“

Gut zu sehen sind die Auswirkungen dieses Phänomens derzeit unter anderem in Sasbachwalden, wo sich am „Grobenkopf“ bereits zahlreiche Buchen in den „Herbstmodus“ begeben haben. „Das sind eindeutig Trockenschäden“, sagt der für Sasbachwalden und Lauf zuständige Revierleiter Michael Ratzel. Holger Schütz bestätigt, dass vor allem Standorte in Höhen von 400 bis 500 Meter betroffen seien: „Je stärker die Sonneneinstrahlung und je größer die Hitze, desto stärker die Schäden.“

Bei Wassermangel wird das Laub abgeworfen

Die Blätter der besonders auf Kuppen und an Südhängen unter der Trockenheit leidenden Bäume, in erster Linie Buchen, aber auch andere Laubbäume sind braun wie im Spätherbst. Sie schalten buchstäblich auf das Notprogramm: Sie werfen das Laub ab, weil sie auf diese Weise mit weniger Wasser auskommen können. Und noch ein Faktor spielt laut Holger Schütz eine Rolle „In diesem Jahr sind die Bäume durch eine starke Fruchtbildung zusätzlich geschwächt.“ So hat die – an sich positive – starke Blüh-Phase nun negative Folgen.

Totalverlust nicht ausgeschlossen

Ob sich die betroffenen Bestände vom „Trockenstress“ erholen, wird nach Ansicht der Forst-Experten die Zukunft zeigen: Sollten auch die Wurzeln durch die Trockenheit geschädigt sein, droht der Totalverlust. Selbst wenn die Buchen überleben, muss mit Einbußen gerechnet werden: „Zuwachsverluste gibt es auf jeden Fall“, sagt Holger Schütz. Er rechnet mit einem um 30 Prozent verringerten „Dickenwachstum“.
Nur Regen verspricht Linderung – und das möglichst bald. „Aber kein Starkregen“, warnt Holger Schütz. Am liebsten wäre ihm „ein schöner Landregen“.

Borkenkäfer „profitiert“ vom Sommerhitze

Die Laubbäume in den höheren Schwarzwaldlagen halten sich derzeit noch gut. Doch es gibt ein anderes Problem. Die flach wurzelnde Fichte wird im „Trockenstress“ zu einem leichten Opfer des Borkenkäfers. „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ profitieren von trockenen Sommern. „Fichten werfen ihre Nadeln ab, werden braun – und am Ende fällt die Rinde ab“, beschreibt Revierleiter Michael Ratzel die verhängnisvollen Folgen des Käferbefalls.

Finanzielle Einbußen drohen

Die Auswirkungen der Trockenheit für die Waldwirtschaft in der Region lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer abschätzen: „Wir haben noch keine genauen Zahlen“, sagt Holger Schütz. Michael Ratzel macht den betroffenen Waldbesitzern unterdessen nicht viel Hoffnungen. Ihnen drohen konkrete finanzielle Einbußen, wenn sie die von der Trockenheit geschädigten Hölzer am Ende unter Preis verkaufen müssen.

 

Zum Trockenstress kommt der Borkenkäfer – die Experten hatten er bereits befürchtet.   Aufgrund des Wassermangels funktioniere der natürliche Abwehrmechanismus der Nadelbäume – die so genannte Harzbarriere – nicht mehr. Die Käfer könnten ungehindert in die Bäume eindringen. Dies führe zum Absterben der befallenen Bäume, warnt das Offenburger Landratsamt. Der Befall stehender Nadelbäume sei seit vergangener Woche dramatisch angestiegen. „Unter diesen Vorzeichen sind alle Waldbesitzenden zur verstärkten Kontrolle ihrer Waldbestände aufgefordert“, appelliert der zuständige Derzernent beim Kreis, Holger Schütz. Er rät zu wöchentliche Kontrollen, vor allem an Orten mit Vorjahresbefall sowie Sturm- und Schneebrüchen.  „Wird ein Befall festgestellt ist sofortiges, schnelles Handeln erforderlich“, stellt Schütz klar. „In einem einzigen befallenen Stamm können sich mehrere zehntausend Käfer entwickeln, denn ein Weibchen legt bis zu 60 Eier. Aktuell ist bereits die zweite Käfergeneration ausgeflogen – das ist vier Wochen früher als in einem normalen Jahr.“ Von einer dritten Käfergeneration könne ausgegangen werden.