Immer mehr Kampfhunde werden im Ortenaukreis angemeldet. Wenn sie den obligatorischen Wesenstest nicht bestehen, landen sie im Tierheim wie dieser Staffordshire Bullterrier. | Foto: Axel Heimken

Tiere im Internet bestellbar

Immer mehr Kampfhunde im Ortenaukreis

Wird der Kampfhund zum Modehund? Das Veterinäramt beim Offenburger Landratsamt schlägt Alarm. Die teils gefährlichen Tiere werden immer beliebter – und nicht immer kommen sie auf legalem Wege in die Ortenau. Vor allem der Handel über das Internet scheint den Wunsch nach Bullterrier und Co. zu beflügeln, ungeachtet der Tatsache, dass die Hunde aus dem Ausland gar nicht eingeführt werden dürfen. Dazu kommt: Die Lage wird immer unübersichtlicher. Neben den klassischen Rassen Pitbull, Bullterrier und American Staffordshire kommen immer mehr Tiere unter dubiosen Rassebezeichnungen in den Handel.

Von „pocket“ bis XXL

Da gibt es neuerdings „American Bullis“, die je nach Trend und Marktlage in den Größen „pocket“ bis XXL geordert werden können, teilweise auch als extrabreite Sonderzüchtungen unter dem Stichwort „exotic“ sowie in allerlei anderen Variationen. Alle nähren wohl bei ihren Eigentümern die Hoffnung, dem in Deutschland vorgeschriebenem Wesenstest zu entgehen, der über das Schicksal des Tieres entscheidet. Judith Delong, Amtsärztin beim Veterinäramt im Landratsamt, kann dem Wunsch leider zumeist nicht nachkommen. Die Ähnlichkeit der Tiere mit den klassischen Kampfhunden ist in der Regel nicht zu übersehen. Und manchmal kommt die dicke Überraschung erst nach ein paar Wochen: Nicht selten erweist sich ein unter dem Stichwort „mini“ gekaufter Vierbeiner nach sechs Monaten dann doch als ziemlich ausgewachsener Kampfhund, sagt Delong.

Die Wesenstests sind teuer

Das aber wird für den Eigentümer teuer. Zwei Wesenstests, einer im Alter von sechs Monaten und einer für das ausgewachsene Tier, belasten die Haushaltskasse bereits mit fast 400 Euro, dazu nehmen die Kommunen in der Ortenau zum Teil horrende Steuersätze für Kampfhunde – der Anschaffungspreis eines solchen Tieres, der nicht selten die 1 000-Euro-Marke überschreitet, könnte sich da bald als die geringste Belastung für das Budget herausstellen.

Permanent neue Rassen

Vielleicht sind deshalb die „neuen“ Rassen so verlockend: „Es kommen permanent andere Rassebezeichnungen, mit denen die Leute dann zu mir kommen und meinen sie haben irgendwas, nur keinen Bullterrier“, sagt Delong in einem Pressegespräch im Offenburger Landratsamt. Warum die Tiere plötzlich so in Mode sind, kann weder Delong noch Andreas Schäfer von der Hundestaffel beim Polizeipräsidium in Offenburg schlüssig erklären. Natürlich seien die Kampfhunde in einem gewissen Milieu beliebt, doch das allein erklärt es wohl nicht – vielleicht eher die Möglichkeit, sich einen Kampfhund jetzt per Internet zu bestellen.

Die Kampfhunde kommen in Mode

Der Trend ist jedenfalls eindeutig. Mussten in den vergangenen Jahren im Durchschnitt zwischen 16 oder 17 Hunde in der Ortenau jährlich zum Wesenstest antreten, so waren es 2016 bereits 28. Tendenz: Schnell steigend. Für das kommende Jahr, das noch nicht einmal begonnen hat, sind bereits 30 Wesenstests anberaumt. Die beträchtliche Dunkelziffer illegal gehaltener Kampfhunde ist dabei natürlich nicht berücksichtigt.

Tests seit Jahrtausendwende

Seit der Jahrtausendwende wird Kampfhunden bei solchen Überprüfungen auf den Zahn gefühlt: Wie stressfest ist das Tier, wie aggressiv, und vor allem: Lässt es sich wieder beruhigen? Die Tiere fallen eher selten durch, vielleicht eines im Jahr, doch man hofft, auf diesem Weg die Vierbeiner herauszufiltern, die irgendwann nicht mehr zu bändigen sind: „Das sind dann meist Hunde, die nicht mehr auf den Teppich kommen“ wenn sie sich einmal in Aggressionen hineingesteigert haben, sagt Delong.

Fahrstuhl als Herausforderung

Getestet werden die Tiere in Alltagssituationen, zum Beispiel wenn jemand vorbeigeht, ein Jogger vorbeiläuft oder auch jemand in der Nähe des Hundes plötzlich davonrennt, erklärt Andreas Schäfer. Größte Herausforderung und quasi Abschlussprüfung: Der Hund muss mit zahlreichen anderen Passagieren in einem (simulierten) Fahrstuhl verharren. Viele Tiere bleiben bei alledem sehr lange cool „und plötzlich“, so Delong, „macht es dann peng“.