Schule Achern
STÜHLERÜCKEN war in den Unterrichtsräumen – wie hier im Acherner Gymnasium – angesagt, wo die Schüler nun so weit auseinander sitzen, wie in Zeiten vor dem Coronavirus nur während einer Klassenarbeit. | Foto: Stefanie Prinz

Eingeschränkter Schulstart

In den Klassenzimmern in Achern herrscht Anspannung

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Leere Flure, Einzeltische und Markierungen auf dem Boden: Acherner Schüler wie Lehrer müssen sich erst an die ungewohnten Bedingungen im jetzt gestarteten eingeschränkten Schulbetrieb gewöhnen. Die Redaktion hat drei Schulen besucht.

Mucksmäuschenstill ist es auf den Fluren zwischen den Klassenräumen am späten Vormittag – und genauso hat der erste Unterrichtstag seit der Corona-bedingten Schließung der Schulen auch schon begonnen: „Verhalten erleichtert, aber ernsthaft beeindruckt von der Situation“, so hat Stefan Weih, Direktor der Acherner Gymnasiums, die Schüler bei der Begrüßung am Montagmorgen erlebt. In einigen Klassen sei die angespannte Stimmung regelrecht greifbar gewesen.

Wie es ihnen an diesem „ersten Schultag“ geht? Das ist für die Schüler nicht leicht, in Worte zu fassen: Abstand halten und sich ständig an die Hygieneregeln erinnern, das sei alles ungewohnt. Erste Amtshandlung zu Unterrichtsbeginn: Jeder desinfiziert seinen Tisch. „Immerhin kann man jetzt wieder andere Leute sehen“, sagt eine Schülerin. Ihre Klasse der Jahrgangsstufe 1 steigt gleich mit Lyrik der Jahrhundertwende ein – auf Abstand und mit auseinandergerückten Tischen, versteht sich.

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„Jetzt kann man im Unterricht gar nicht mehr schwätzen“, meint eine andere Schülerin. Für einige Schüler sei die schrittweise Öffnung der Schulen „absolut nötig“, sagt Fabian Sauter-Servaes, am Gymnasium zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Und für das Lehrerkollegium ist das ein Kraftakt, denn der Fernunterricht mit den anderen Klassen geht ja weiter.“

Kraftakt für das Lehrerkollegium

Froh, sich endlich wieder zu sehen anstatt Aufgaben per E-Mail zu bekommen, sind auch die zehnten Klassen der Robert-Schuman-Realschule. „Abstand zu halten, ist ungewohnt, aber man macht es eben“, meint einer der Schüler schulterzuckend. Viel trauriger ist die Klasse über die Absage von Veranstaltungen wie Abschlussfahrt und Abschlussstreich. „Alles, worauf man sich so lange gefreut hat, ist gecancelt“, sagt seine Nebensitzerin. Es sei aber ein gutes Gefühl, vor den anstehenden Prüfungen noch einmal den persönlichen Kontakt zu den Lehrern zu bekommen.

Sich nicht umarmen zu dürfen, darunter leiden die Schüler wirklich.

Karin Kesselburg, geschäftsführende Schulleiterin der städtischen Schulen in Achern

Am Morgen wären sich manche Schüler wohl am liebsten um den Hals gefallen, berichten Karin Kesselburg, geschäftsführende Schulleiterin sowie Direktorin der Realschule, und ihr Stellvertreter Siegfried Peter. „Sich nicht umarmen zu dürfen, darunter leiden sie wirklich“, sagt Kesselburg. Andererseits würde vielen jetzt der Wert von Schule klar.

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Ein wenig verloren in der ungewohnten Situation hätten manche Schüler am Vormittag gewirkt: Wo ist mein Unterrichtsraum, wo muss ich hin? Weil höchstens 20 Schüler gleichzeitig im Haus unterwegs sind, gibt es hier kein „Wegekonzept“. Der Gang zu den Toiletten oder die Pausen müssen allerdings organisiert werden.

Schule Achern
Eine Abholstation mit Lernmaterial ist im Eingangsbereich der Gemeinschaftsschule für Schüler eingerichtet, für die das digital nicht möglich ist. | Foto: Stefanie Prinz

Dass viel Personal für die Beaufsichtigung der Schüler nötig ist, wird auch in der Gemeinschaftsschule deutlich: Eine Lehrerin öffnet jedem Besucher die Eingangstür. Eine Kollegin behält die Toiletten im Blick, während beide per Tablet den Kontakt zu ihren Schülern im „Home-Schooling“ halten, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Auch der Unterricht außerhalb der Schule geht weiter

Im Eingangsbereich herrschte am Morgen reger Betrieb: Für Schüler, deren technische Ausstattung zu Hause für den virtuellen Unterricht nicht ausreicht, liegt Arbeitsmaterial bereit, das die Eltern abholen. Punkte auf dem Boden weisen auch hier auf die nötige Distanz hin. In den Fluren wird Maske getragen, im Unterricht selbst sehr vereinzelt auch.

Manche Schüler haben Angst, manche überspielen das.

Zwei Drittel aller Klassenzimmer seien jetzt belegt, sagt Schulleiter Heinz Moll: „Die vierten und achten Klassen könnten wir noch integrieren, darüber hinaus wäre räumlich und personell nur Schichtbetrieb möglich.“ Aber auch die aktuelle Situation mit weniger Schülern muss sich erst einspielen: Bis am Morgen alle Schüler einer einzigen Klasse geordnet nacheinander das Gebäude betreten hätten, seien fünf bis zehn Minuten vergangen. Dazu kam auch hier eine angespannte Stimmung: „Die Klassenverbände sind auseinandergerissen, manche Schüler haben Angst, manche überspielen das“, so Moll.

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