Im tiefen Dornröschenschlaf liegt das einstige Sensen- und Heimatmuseum in Achern. Es beherbergt eine weithin einmalige Sammlung an Sensen und Maschinen zu deren Herstellung. | Foto: Roland Spether

Sensenmuseum in Achern

„In der ehemaligen Form nicht zukunftsfähig“

Das Museum in der Berliner Straße in Achern liegt nach dem Ende des Museumsvereins im Jahr 2016 im Dornröschenschlaf. Zu sehen waren hier nicht nur Exponate aus der Geschichte der Stadt Achern, sondern auch eine einzigartige Sammlung von Ausstellungsstücken aus der ehemaligen Acherner Sensenmuseum. Noch ungeklärt ist die Zukunft des Museums. Dazu äußert sich der Acherner Oberbürgermeister Klaus Muttach im Interview.

Inventarisierung noch nicht abgeschlossen

Für den heimatgeschichtlichen Teil des einstigen Sensen- und Heimatmuseums läuft die Archivierungsarbeit. Wie weit ist diese gediehen und wo werden die Gegenstände gelagert?

Klaus Muttach: Bisher wurden fast 1 000 rein museale Objekte bearbeitet. Die Lagerung der Exponate erfolgt unverändert vor Ort im Museum in den jeweiligen Ausstellungen bzw. Bereichen der Handwerke. Hinzu kommen die weitgehend abgeschlossene Inventarisierung der 300 Bilder und Gemälde sowie die der über 1 300 historischen Münzen, Geldscheine und Orden. Die Lagerorte für die Gemälde sind im Keller des Museums beziehungsweise vor Ort an den Wänden im Museum und Sammlungsgut wie die Münzen im Stadtarchiv. Durch die Aufnahme der Provenienz, also der Herkunft der Exponate, in die Datensätze, ist jederzeit nachvollziehbar, ob ein Objekt aus den Beständen des Museums oder des Stadtarchivs stammt – unabhängig von der Lagerung. Vor allem im Keller des Museums befinden sich viele Einzelobjekte, zum Teil auch von in der Vergangenheit ausgestellten Objekten. Dieses Material wird aktuell bearbeitet, inventarisiert, fotografiert, verpackt und dann in Regalen im Keller gelagert. Bei allen Objekten wird versucht, sie zu identifizieren, die Besitzverhältnisse zu klären und ob sie bereits in den Inventarbüchern erfasst wurden. Den für zwei Jahre angestellten Teilzeitkräften Cornelia Skupien und Andreas Podzus geht trotz der bisher über 2 600 bearbeiteten Einheiten die Arbeit so schnell nicht aus. Ein gutes halbes Jahr steht den beiden noch zur Verfügung, um möglichst vielen Einzelstücken einen Namen zu geben.

Wehrt sich gegen Vorwürfe: Oberbürgermeister Muttach. | Foto: Rake Hora

Suche nach den besten Räumen

Aus dem Jahr 2013 stammt diese Aussage von Ihnen: „Wir legen innerhalb von zwei Jahren ein schlüssiges Konzept vor.“ Warum ist daraus nichts geworden?

Klaus Muttach: Die endgültige Erarbeitung eines Gesamtkonzepts ist aktuell deshalb noch nicht möglich, weil noch nicht geklärt ist, in welchen Räumlichkeiten gegebenenfalls ein Museum realisiert werden sollte. Diese notwendigen Rahmenbedingungen wurden im Gemeinderat im März 2016 seitens der Stadtverwaltung vorgetragen und diskutiert. Es wurde ebenso im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für den Doppelhaushalt 2018/19 seitens der Verwaltung dargelegt, dass für die Arbeit im Stadtarchiv, wozu auch die Erstellung eines Konzepts gehört, dringend zusätzliche personelle Ressourcen erforderlich sind, weil ansonsten diese Arbeit nicht leistbar ist. Im Rahmen der Beratungen des Stellenplans wurde allerdings dann keine Möglichkeit gesehen, zusätzliche Stellen auszuweisen. Selbstverständlich sieht auch die Stadtverwaltung die engen finanziellen Rahmenbedingungen, akzeptiert diesen Beschluss und bemüht sich, im Rahmen der gegebenen personellen Möglichkeiten, das Thema schrittweise zu entwickeln.

Kulturhistorisches Gut hinterlassen

Eine ganz andere Frage ist die Zukunft des Sensenmuseums: Hierzu die Aussage von OB Rosenfelder 1983 anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Gründer und Chef der einstigen Acherner Sensenfabrik, Franz John sen.: „Das Museum dient dazu, einen Teil des Acherner Gewerbes der Nachwelt zu erhalten. Franz John hat unserem Land im weitesten Sinne ein kulturhistorisches Gut hinterlassen“. Was tut die Stadt, um die deutschlandweit einzigartige Sammlung und die Darstellung der Anfänge der Industrialisierung von Achern wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Klaus Muttach: Die Einzigartigkeit der Sensensammlung steht außer Frage. Die Inventarisierung der Sensen ist fast abgeschlossen. Es wurden 520 Sensen und Sicheln bearbeitet und die zur Produktion zugehörigen Gerätschaften folgen im nächsten Schritt. Klar ist, dass die Präsentation in der bisherigen Form noch nicht einmal Schulklassen nennenswert für das Museum interessieren konnte. Ob diese Exponate oder ein Teil davon ein separates Museum sein sollten oder Teil eines gesamtstädtischen Museums, ist zu klären.

Schenkung nicht vollzogen?

Im November 1978 hat Franz John sen. die Schenkung der zur Finanzierung des Museums benötigten Finanzmittel – 400 000 Mark – unter anderem von der Bildung eines Kuratoriums abhängig gemacht. Dieses Kuratorium gib es bis heute nicht, Franz John jun. sieht deshalb die Schenkung als „nicht vollzogen“ an. Wie steht die Stadtverwaltung als Rechtsnachfolgerin des Museumsvereins dazu?

Klaus Muttach: „Die inzwischen 40 Jahre zurückliegenden Vorgänge wollen wir nicht bewerten. Rechtlich ist eindeutig, dass die Schenkung vollzogen ist. Außerdem hat der Gemeinderat am 23. März 2015 beschlossen, einen Museumsbeirat zu bilden. Als Vertreter der Familie John im Beirat wurde von dieser Rüdiger John benannt. Die Stadtverwaltung praktiziert seitdem einen stetigen Austausch mit Rüdiger John in Museumsfragen und gedenkt diese Kooperation fortzusetzen. Dies gilt gerade auch im Hinblick auf zukünftige Entscheidungen des Gemeinderats Museumsfragen betreffend. Beispielsweise fand vorgestern ein Gespräch in konstruktiver und guter Atmosphäre statt, an dem unter anderem Rüdiger John, Bürgermeister Dietmar Stiefel, Fachbereichsleiter Hans-Peter Vollet und die Leiterin unseres Stadtarchivs, Andrea Rumpf, teilnahmen. Es wurde erörtert, ob ein künftiges Museum nicht auch Teil eines Tourismuskonzepts der Stadt und Gesamtkonzepts mit den bestehenden Heimatmuseen in der Gesamtstadt sein könnte. Dieser Gedanke soll auch gemeinsam mit „Achern aktiv“ weiterentwickelt werden, deren Vertreter kurzfristig absagen musste. Auch wurde diskutiert, ob der jetzige, bisher als ungünstig eingestufte Standort dann neu bewertet werden muss, wenn in unmittelbarer Nähe ein Krankenhaus mit zahlreichen Besuchern und wohl auch einem kleinen Café realisiert und verkehrstechnisch besser angebunden wird.“

Nicht die Stadt verantwortlich machen

Wie stehen Sie zu dem aktuellen Vorwurf von Franz John: „Seitdem OB Muttach das Sagen hat, ist das Museum eingeordnet unter ‚ferner liefen’“?

Klaus Muttach: Bis zur Schließung wurde das Museum unabhängig von der Stadt durch den Museumsverein betrieben. Insoweit stand die Stadt auch nicht in der Verantwortung und will die Entwicklung in dieser Epoche einschließlich der Zusammenarbeit zwischen den Museumsverein und Franz John nicht bewerten. Klar ist aber, dass das Interesse am Museum unter Verantwortung des Vereins, wo sich auch Franz John eingebracht hat, kontinuierlich rückläufig war. Zudem hat sich Bürgermeister a.D. Arno Haiss persönlich sehr engagiert, aber ebenfalls nur von Wenigen Unterstützung erhalten. Daher ist es nicht zielführend, davon abzulenken und jetzt die Stadt verantwortlich zu machen.

Stadt wird Exponate behalten

Will die Stadt das Sensenmuseum überhaupt erhalten? Ist es überhaupt denkbar, die hier lagernden Exponate aus der Geschichte der Sensenherstellung einfach dem Schrotthändler zu übergeben?

Klaus Muttach: Das Heimat- und Sensenmuseum war nach Ansicht von Museumsfachleuten in der ehemaligen Form nicht zukunftsfähig. Dies belegen Gutachten ebenso wie die außerordentlich geringen Besucherzahlen. Hinzu kommt der ungünstige Standort. Selbstverständlich wird die Stadt die Exponate, soweit diese in städtischem Eigentum sind, behalten, teilweise archivieren und – soweit sie sich in ein etwaiges Museumskonzept integrieren lassen – nach Fertigstellung desselben präsentieren.