Keine Sicherheit durch Schutzimpfungen finden die Einwohner der Ortenau, wo es derzeit Lieferengpässe beim Grippeimpfstoff gibt. | Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Grippeimpfstoff in Achern

In diesem Jahr „auf Kante genäht“

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„Generell ist es nie zu spät sich impfen zu lassen“, sagt Apotheker Florian Danner von der Antonius–Apotheke in Oberachern. Wer noch dringend nach einem Grippeimpfstoff in Achern suchte, der konnte sich in den letzten Tagen an ihn wenden – viele andere Apotheken mussten bereits abwinken: „Nicht mehr lieferbar, auch nicht mehr im Großhandel“ hieß die lapidare Antwort – oder auch: „Die Impfsaison 2018 ist vorbei“. In vielen Apotheken in der Region sind die Grippeimpfstoffe ausgegangen, wer noch Vakzine sucht, muss Geduld haben – oder die Hilfe eines Arztes, der im Zweifel weiß, wo er noch anrufen kann …

Hersteller haben sich verschätzt

Der Engpass ist kein Acherner Problem: Bereits Mitte November hatte sich angedeutet, dass es in diesem Jahr eng werden könnte (der ABB berichtete). Offensichtlich hatte die Influenza des vergangenen Jahres dazu geführt, dass sich in dieser Saison mehr Menschen impfen lasen als erwartet.
Jedes Jahr schätzen die Hersteller auf der Grundlage von Zahlen, die ihnen Apotheken und Arztpraxen übermitteln, das für die kommende Saison benötigte Kontingent an Impfstoff ab. Dieses Jahr gelang das offensichtlich nur ungenau. Denn wie der Pharmahandel Phoenix Group mitteilt, verfügen die im PHAGRO (Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels) organisierten, pharmazeutischen Großhandelsunternehmen nur noch vereinzelt über Grippeimpfstoff. Das Unternehmen versorgt auch viele Acherner Apotheken mit Grippeimpfstoffdosen.

Größere Nachfrage

Aufgrund der Grippewelle 2017 wurde für dieses Jahr bereits mehr Impfstoff produziert als im Vorjahr. Auch die neue Kassenleistung, bei der jetzt der Vierfach-Impfstoff übernommen wird, sei ein Grund für die höhere Impfbereitschaft.
Die Nachfrage ist 2018 tatsächlich größer. Laut Florian Danner hängt das auch damit zusammen, dass man die Menschen über die Medien für das Thema sensibilisierte und die Impfwilligkeit so entsprechend gestiegen sei. Mithin sind die Bestände des Impfstoff nun bereits verhältnismäßig früh erschöpft. „Die haben auf Kante genäht“, sagt Axel Fels von der Stadt-Apotheke Achern dazu. Er weist darauf hin, dass die Hersteller nicht zu viel von dem teuren Impfstoff produzieren möchten, den sie dann möglicherweise wegschmeißen müssten.
Die undatierte Aufnahme zeigt die Computersimulation eines Grippe-Virus. Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. | Foto: Glaxosmithkline/dpa

Kein Nachschub möglich

Der Leiter des Sachgebiets Umwelt und Hygiene im Gesundheitsamt Ortenau, Thomas Wolf, wartet nun darauf, dass Impfstoff aus dem EU-Ausland importiert wird. Das erlaubt eine neue Regelung durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Auch die Phoenix Group berichtet, dass Grippeimpfstoffdosen sofort ausgeliefert werden, wenn sie als Lagerware erhältlich werden. Wann und ob dieser Fall eintritt, bleibt zunächst aber unklar. Eine Nachproduktion des Impfstoffs sei jedenfalls nicht möglich, da die Produktion mehrere Monate dauert. Und im kommenden Jahr ist wieder ein anderer Virustyp im Umlauf.

Risikopatienten bleiben ungeimpft

Der Arzt Thomas Kohler aus Achern berichtet, wie jetzt mit der Situation umgegangen wird. Laut Kohler haben die Apotheken und Arztpraxen in der Region versucht, sich zu organisieren, der Impfstoff sei mittlerweile aber in der gesamten Ortenau so gut wie vergriffen. Für den Allgemeinmediziner stellt die Lage zunächst kein großes Problem dar, weil sich viele Einwohner bereits impfen ließen. Allerdings gebe es noch ungeimpfte Risikopatienten, für die nun kein Impfstoff mehr zur Verfügung steht.

Impfsaison hält an

Der Zeitraum der Hauptgefährdung für Influenza-Erkrankungen ist nicht voraussehbar. Kohler erklärt, dass die Hauptsaison für Impfungen Mitte Oktober beginnt. Somit werden die risikoreichen Monate im Januar und Februar von der Impfung, deren Wirkung nur eine begrenzte Zeit anhält, abgedeckt. Da der Impfstoff schon nach etwa 14 Tagen wirksam wird, sei es also durchaus sinnvoll, sich noch im Dezember impfen zu lassen, meint Kohler.
von Carmina Esser