Das Café International des AMA nutzen vor allem Frauen gerne als Treffpunkt. | Foto: Alina Meier

Integrationsprozess

Integration von Flüchtlingen in Achern: „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“

Anzeige

Bei der Integration der Flüchtlinge rücken mehr und mehr die Kommunen in den Mittelpunkt. Die Wohnheime des Kreises leeren sich zusehends, die Städte und Gemeinden haben mit der Anschlussunterbringung auch die Aufgabe der Integration tausender Neubürger in der Ortenau.

Franziska Möker, Integrationsbeauftragte der Stadt Achern, sieht alle gesellschaftlichen Kreise weiter in der Pflicht. „Dass weniger Geflüchtete hierher kommen heißt nicht, dass gar keine mehr kommen. Der Strom hat nicht aufgehört und wird es auch nicht.“ Der Bedarf an Hilfe sei immer noch sehr groß, auch wenn sich die Art der Bedürfnisse geändert habe, betont sie.

Es sind vor allem Frauen,
die hierher kommen, egal ob
Flüchtling oder Einheimischer.

Monika Huber,
Vorstand des Vereins zur Unterstützung des Arbeitskreises Migration Achern

Das wird auch beim monatlichen Café International in den Illenau Werkstätten deutlich. Das Begegnungsangebot des Frauenforums Achern und des Arbeitskreises Mitgration Achern (AMA) richtet sich an Familien aller Nationalitäten. Der Zuspruch ist groß. „Es sind vor allem Frauen, die hierher kommen, egal ob Flüchtling oder Einheimischer“, erklärt Monika Huber. Sie ist im Vorstand des Vereins zur Unterstützung des Arbeitskreises Migration Achern (VAMA) und betreut die Veranstaltung. Die „Durchmischung“ der Menschen sei das Ziel des Café International, Kontakte sollen geknüpft werden. Außerdem hätten viele von ihnen, insbesondere die Frauen mit Kindern, sonst keinen Ort, an dem sie sich treffen könnten.

Suche nach geeigneten Räumen läuft

Gerade diese offenen Angebote ohne vorherige Anmeldung würden dringend gebraucht. Der Wunsch nach einer regelmäßigeren Einrichtung sei groß. Deshalb sei man auf der Suche nach geeigneten Räumen für eine offene Begegnungsstätte, bisher leider erfolglos. Es müsse ein Ort sein, der zentral sei und keinerlei Hemmschwelle für die Teilnehmer berge. Die Ehrenamtlichen des AMA sind bei diesen Treffen oft die erste Anlaufstelle, wenn es um die Hilfe bei scheinbar alltäglichen Problemen geht – etwa einen Impfpass zu verstehen oder ein Formular in Amtsdeutsch auszufüllen. Oft sei die Hemmschwelle zu groß, damit zu behördlichen Einrichtungen zu gehen, weiß Huber.

Arbeits- und Wohnungssuche sind zentrale Themen

Zentrale Themen seien aber immer die Arbeits- und Wohnungssuche. Auch für diejenigen, die schon eine Arbeitsstelle hätten, sei es sehr schwer, eine Wohnung zu finden. Ein ebenfalls viel besprochenes Thema dieser Nachmittage ist die Kinderbetreuung. Ab einer Aufenthaltsdauer von sechs Monaten bestehe ein Anrecht auf einen Betreuungsplatz, bestätigt Monika Huber. Oft seien diese aber nicht verfügbar oder für die Frauen schlecht erreichbar. Daran scheiterten dann oft die Absolvierung eines Deutschkurses oder einer Ausbildung und die Suche nach einer Arbeitsstelle.

Auch die Stadt Achern sieht hier wichtige Punkte in der zukünftigen Flüchtlingsarbeit: „Auf kommunaler Ebene ist die Schaffung von Wohnraum ein wichtiger Aspekt sowie ein erweitertes Angebot an Kindergartenplätzen“, bestätigt Helga Sauer vom Büro des Oberbürgermeisters. Zukünftig sei eine nähere, aber auch zeitaufwendigere Begleitung der Geflüchteten gefragt, so Franziska Möker. Die Grundbedürfnisse wie Unterbringung oder Kleidung seien jetzt gedeckt, meint sie. „Die eigentliche Integrationsleistung beginnt aber erst jetzt.“