Demonstration in Chicago
Menschen demonstrieren in Chicago gegen jegliche Militäraktionen gegen den Iran. | Foto: Rick Majewski/ZUMA Wire/dpa

Konflikt mit den USA

Iraner in der Region haben Angst vor einem großen Krieg

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Der Iran-Konflikt berührt viele Menschen in der Region – vor allem die Menschen, die aus dem Land stammen und dort Freunde, Verwandte und Familienmitglieder haben. In Gesprächen verurteilten viele von ihnen den US-Präsidenten Donald Trump und äußerten die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung.

„Die meisten Menschen im Iran wollen keinen Krieg. Es gibt schon genug andere Probleme“, sagt Masoud Maktabi. Der Journalist flüchtete mit Ehefrau und Tochter aus dem Iran, weil er die Regierung kritisierte. Die Familie lebt in Achern, täglich erreichen Masoud Maktabi über WhatsApp die Meldungen von Verwandten und Freunden. „Wir sind alle sehr besorgt“, schildert der 35-Jährige die Gemütslage. Für Maktabi ist klar, ein US-Militärschlag würde am allerwenigsten die Machthaber im Land treffen. Zu leiden hätten die normalen Menschen, und damit auch die Iraner, die weltoffen sind und auf eine bessere Zukunft hoffen.

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„Das Vorgehen der USA ist weder vom Völkerrecht gedeckt noch mit den Verbündeten abgestimmt“, kritisiert Parsa Marvi, SPD-Fraktionschef im Karlsruher Gemeinderat. Der 1982 in Teheran geborene Politiker sorgt sich, dass Trumps „Muskelspiele“ im Mittleren Osten eine neue Qualität erreicht hätten. „Ich hoffe nur, dass beide Seiten zur Vernunft kommen und sich an einen Tisch setzen“, sagt Marvi. Er sieht Deutschland in der Pflicht, die Vermittlerrolle zu spielen: „Wir haben eine gute Reputation“.

Tötung des Top-Generals als „terroristischer Akt“

Mit der Tötung des Generals Soleimani hätten die USA einen „terroristischen Akt“ begangen – das ist die Meinung von Schoole Mostafawy, Leiterin des Referats Kunst- und Kulturgeschichte am Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. „Es ärgert mich, dass die amerikanische Regierung die Souveränität anderer Staaten so verletzen darf“, sagt die Kunstexpertin. Mit seiner Drohung, iranische Kulturstätten anzugreifen, stellt Trump in ihren Augen die Grundwerte der westlichen Demokratie infrage.

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Der Karlsruher IT-Experte Mehrschad Zaeri Esfahani war einst aus dem Iran geflohen und zählt sich nicht zu den Anhängern der dortigen Regierung. Dennoch geht er jetzt vor allem mit der US-Führung hart ins Gericht: „Es geht nicht, dass mit dem US-Angriff die westlichen Werte über Bord geworfen werden. Ich meine die Regeln der Weltgemeinschaft, dass kein Staat auf dem Territorium eines anderen Staates Angriffe durchführen darf“. Die Region sei ein Pulverfass, warnt Zaeri Esfahani: „Es braucht nur einen Funken, um zu explodieren.“

Die Geschäftsführerin des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) in Karlsruhe, Iris Sardarabady, legt Wert auf die Feststellung, dass nur ein kleiner Teil der Einwohner von Teheran den USA bei Protesten in den Straßen den Tod wünsche: „Das sind vom Regime bezahle Milizen und deren Angehörige“. Die Proteste findet sie dennoch „verstörend“. Auch Sardarabady hofft auf eine diplomatische Lösung: „Ich bin nie für militärische Maßnahmen gewesen“.

„Mein Vater will nur noch sterben“

Der irakische Jeside Elias Kaidi lebt mit seiner Familie seit 2000 in Pforzheim. „Wenn ich die Augen schließe, denke ich an die Menschen dort und habe große Angst – jeden Tag und jede Nacht“, erzählt der 48-Jährige, der mit seinem Sohn einen Friseursalon betreibt. Im Nordirak, Kaidis alter Heimat, leben sein 90-jähriger Vater und seine Mutter. Erst kürzlich habe er mit seinen Eltern telefoniert. „Mein Vater will nur noch sterben. Er hat fast 50 Jahre Krieg erlebt.“

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Im ersten Golfkrieg in den 80er Jahren zwischen Iran und Irak sei sein Vater Soldat gewesen, erzählt Kaidi. „Er hat die schlimmsten Dinge gesehen und kann das nicht mehr ertragen.“ Der Irak sei immer ein Spielball zwischen den starken Mächten Iran und USA gewesen. „Alle sind in der gleichen Situation: Krieg ist Krieg und Politik kennt keine Grenzen.“