Josef Wilhelm Zurückgespult
Mit seinen Filmspulen, auf denen er das Jubiläum 1986 festhielt, beteiligt Josef Wilhelm sich am BNN-Projekt. Im selben Jahr erschien auch die Mösbacher Ortschronik. | Foto: Stefanie Prinz

Brauchtum auf vier Rädern

Josef Wilhelm filmt das Mösbacher Jubiläumsjahr

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„Min Meschbach het Geburtstag hit, s’wird grad 600 Johr. Doch luege’s o, ihr liebe Litt: De meinsch, des isch nit wohr“, so beginnt das Gedicht, das der frühere Ortsvorsteher des Acherner Stadtteils Mösbach und Mundartdichter Josef Wilhelm 1986 zum 600. Bestehen des Acherner Stadtteils geschrieben hat. Als Ortsoberhaupt von 1977 bis 1999 hielt er bei diesem Großereignis nicht nur die Fäden in der Hand, sondern dokumentierte das Jubiläumsjahr auch noch mit seiner Kamera. Mit seinen Filmen beteiligt er sich jetzt am BNN-Projekt „Zurückgespult“.

Umzug mit 30 aufwendigen Wagen

Insgesamt 30 bunt geschmückte und teilweise bespielte Wagen und zahlreiche Gruppen ziehen am 1. Juni 1986 durch Mösbachs Straßen. Sie zeigen ländliches Brauchtum, das man heute teilweise nur noch aus dem Museum kennt: Trachten aus dem Mittelalter, eine Dreschmaschine im Einsatz. Auf einem Wagen schwingt ein Schmied seinen Hammer, auf einem anderen werden Schnaps gebrannt und Körbe geflochten.

Josef Wilhelm Zurückgespult
Mit echtem Fachwerk bauten Stefan Wilhelm, Roland Weber, Thomas Koch und Emil Allgeier diesen Schwarzwaldhof für den Jubiläumsumzug. | Foto: Josef Wilhelm (Archiv)

Neben dem großen Festumzug gibt es eine Ausstellung und sogar Rundflüge mit einem Hubschrauber. Gleichzeitig wird das 125-jährige Bestehen der Mösbacher Kirche gefeiert und der Pfarrbrunnen wieder in Betrieb genommen. „Robert Schlund, damals Domkapitular in Freiburg, hat uns die Ehre gegeben und eine Festpredigt gehalten – der Mann direkt nach dem Bischof“, erinnert sich Josef Wilhelm.

Josef Wilhelm hält Vorbereitung fest

Das ist längst nicht alles, was der frühere Ortsvorsteher mit seiner Kamera festhielt: Ein Jahr lang dauerte die gesamte Jubiläumsvorbereitung. „Jeden Abend habe ich mit der Kamera einen anderen Wagenbauer besucht und gefilmt, wie die Wagen entstehen“, sagt er. Ein bis zwei Monate habe das gedauert. Insgesamt entstanden dann drei Filme von jeweils einer halben Stunde Länge, die Wilhelm auch selbst vertonte. Außerdem legte er ein dickes Fotoalbum an und schrieb neben einem eigenen Lied über Mösbach zu einigen Bildern kurze Mundartgedichte.

Mit 15 Jahren habe ich angefangen

„Als Schüler habe ich angefangen zu fotografieren“, erinnert sich der 74-Jährige. „Mit 15 Jahren habe ich damals meinen Mut zusammengenommen und bin in ein Fotogeschäft nach Achern gegangen. Der Besitzer hat mich dann in die Dunkelkammer mitgenommen und mir dort alles erklärt.“ Dann habe er sich eine eigene Kamera angeschafft und die Filme selbst zu Hause in einem dunklen Zimmer entwickelt.

Videos nur zu besonderen Anlässen

„Mit Videos habe ich später auch angefangen, aber das fand ich teuer und habe es deshalb wieder aufgegeben.“ Nur bei größeren Anlässen wie den Ausflügen des Ortschaftsrates habe er die Videokamera herausgeholt – und zum Jubiläum von Mösbach, das sei schließlich etwas Besonderes: „Es leit so do, so frisch im Grün, von Baim, von Wald, von Räwe – in Meschbach isch’s halt b’sunders schin, do loßt es sich schu läwe.“

Die BNN wollen mit ihrem Filmprojekt „Zurückgespult“ sechs Jahrzehnte abdecken – von den 30er-Jahren bis Ende der 1980er. Bis zum 29. April können Filme abgegeben werden, das Format  spielt dabei keine Rolle.  Aus den Filmen soll eine DVD-Edition entstehen, bei der die Geschichte der Region im Mittelpunkt steht. Nach einigen Wochen erhalten Sie Ihr Material im Original zurück und als Dankeschön kostenlos digitalisiert auf DVD. Legen Sie eine kurze Beschreibung sowie Ihren Namen und Kontaktangaben bei. Mit der Teilnahme übertragen Sie den BNN die Verwertungsrechte, sodass wir Ihre Filmaufnahmen für „Zurückgespult“ nutzen können.
Die Filme können in den Geschäftsstellen der BNN abgegeben oder per Post eingesandt werden:
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Aktion: Zurückgespult
76147 Karlsruhe
Kostenlose Telefon-Hotline (7 bis 17 Uhr):  (08 00) 1 11 02 11.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.zurückgespult.de.