Einen Architekturpreis gab es für die Sanierung von zwei historischen Gebäuden in der Lahrer Altstadt. | Foto: Ulrich Coenen

Altstadt in Lahr

Zeitgenössische Ergänzung für historische Bausubstanz

Die Lahrer Altstadt ist attraktiv. Das ist kein Zufall. Der Gemeinderat hat bereits 1981 eine Altstadtsatzung beschlossen, die 132 Kulturdenkmäler nennt. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer historischer Bauwerke, die das Stadtbild prägen. „Die Altstadtsatzung soll die Gefahren abwehren, die dem historischen Stadtkern durch fortwährende bauliche Eingriffe drohen“, heißt es in der Präambel. „Sie schützt nicht nur jene Denkmäler, deren historische und kunstgeschichtliche Bedeutung unumstritten ist, sondern auch die anonyme Bausubstanz, die Dachlandschaft sowie die Straßen- und Platzräume, die für den Wert eines Stadtbildes und gewachsene städtebauliche Strukturen ebenso wichtig sind.“ Jetzt hat der Bund Deutscher Architekten (BDA) die Sanierung von zwei Gebäuden in der Kaiserstraße, die in vollem Einklang mit den Zielen der Altstadtsatzung steht, mit der Hugo-Häring-Auszeichnung prämiert. Es handelt sich um das „Rote Haus“ (erbaut 1896) und das ehemalige Gasthaus Falken, erbaut 1866.  (Kaiserstraße 3 und 5).

Die Rückseite wurde in einer zeitgenössischen Architektursprache gestaltet. | Foto: Ulrich Coenen

Wichtiger Beitrag zur Baukultur

Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren die beiden Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft des Alten Rathauses aus dem frühen 17. Jahrhundert völlig heruntergekommen. Die Eigentümer zeigten keine Sanierungsbereitschaft. Schließlich gelang es Horst Schmiederer, die Häuser zu erwerben. Er beauftragte die Architekten Conrad + Conrad (Lahr), die in den drei vergangenen Jahrzehnten bereits einen wichtigen Beitrag für die Baukultur ihrer Stadt geleistet haben. Davon zeugen vier Hugo-Häring-Auszeichnungen für die Brüder Michael und Ralf Conrad, die sie für Stadtwerke, das Gartenschwimmbad der Familie Hauer, den Erweiterungsbau des Scheffel-Gymnasiums und Neuapostolische Kirche erhalten haben.

Ort der Kommunikation: Die Rückseite der beiden Gebäude wird durch eine Loggia zusammengefasst.

Der Bauherr entschied glücklicherweise, beide Häuser zu erhalten, obwohl nur eines denkmalgeschützt ist. Damit leistet er für das Stadtbild einen unschätzbaren Dienst. Die Architekten setzten diese Vorgabe kongenial um, obwohl sich die Bausubstanz als völlig marode erwies. Die Hinterhäuser waren nicht zu halten und mussten abgerissen und erneuert werden. Die für den Erhalt der Gebäude notwendigen Eingriffe waren erheblich und betrafen in großem Umfang auch tragende Bauteile.

Zwei verschiedene Ansätze

Die Straßenfassade und die Rückseite der beiden Stadthäuser wurden dabei völlig unterschiedlich behandelt. Die Straßenfront erweckt heute den Eindruck, als sei sie bereits immer so gewesen. Das stimmt nur bedingt, denn die Architekten haben die Gewölbekeller gekappt und eine neue Stahlbetondecke eingezogen, um einen barrierefreien Zugang zu den Geschäftsräumen im Erdgeschoss zu ermöglichen. Die ursprünglichen Treppenstufen, die die Kaiserstraße und die Ladenlokale im Erdgeschoss trennten, sind nicht mehr nötig und die Kunden können ungestört von der Fußgängerzone in den Laden bummeln. Dieser bequeme und ungehinderte Zugang wird im Hinblick auf ein anspruchsvolleres Publikum immer wichtiger.
Auf eine vollständige Verglasung der Erdgeschosse mit Schaufenstern haben die Architekten glücklicherweise verzichtet. Die originale Lochfassade mit großen hochrechteckigen Fenstern zwischen Mauerresten blieb zumindest teilweise erhalten.

Die Kellergewölbe der beiden Altbauten wurden gekappt, um den Kunden einen barrierfereien Zugang zu ermöglichen. | Foto: Ulrich Coenen

Das Prinzip von Tragen und Lasten lässt sich nach wie vor ablesen, die Obergeschosse schweben nicht über einem entmaterialisierten gläsernen Untergeschoss, wie das bei vielen städtischen Geschäftshäusern aus dem 19. Jahrhundert nach entstellenden Umbauten bedauerlicherweise der Fall ist.

Hinterhäuser waren marode

Während die Straßenfassaden in ihrer weitgehend originalen Form das Bild der Lahrer Altstadt bereichern, mussten Michael und Ralf Conrad nach dem notwendigen Abriss der Hinterhäuser bei der Gestaltung der Rückseiten einen anderen Weg wählen. Eine Rekonstruktion erschien im Hinblick auf die modernen Wohnungen, die im Inneren geplant waren, nicht sinnvoll. Die Architekten fassten beide Gebäude mit einer viergeschossigen Loggia, einem zentralen verglasten Aufzug und einem offenen Treppenhaus zu einer Einheit zusammen. Der Laubengang wurde in Stahlbeton ausgeführt und wird durch stählerne Rundstützen getragen und gegliedert.

Lob vom Preisgericht

Die Generalsanierung zeige beispielhaft, wie historische Bauten zeitgenössisch ergänzt und damit auch langfristig erhalten werden könnten, urteilt das Preisgericht des BDA. „Die hintere Hälfte der Gebäude, die baufällig war und konstruktiv bedingt abgerissen werden musste, wurde in einer klaren und einfachen Struktur ablesbar zeitgenössisch ersetzt, wodurch die vordere Hälfte sorgfältig detailliert, im Sinne der Denkmalpflege saniert werden konnte.“