Eine Stadthalle wird es auf dem ehemaligen Glashütten-Gelände in Achern nicht geben.
Eine Stadthalle wird es auf dem ehemaligen Glashütten-Gelände in Achern nicht geben. | Foto: Niklas Spether

Acherner Gemeinderat

Keine Stadthalle auf dem Glashütten-Areal

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Die Stadt Achern verzichtet auf eine „Multifunktionshalle“ auf dem einstigen Glashütten-Areal. Mit dem entsprechenden Mehrheitsbeschluss machte der Gemeinderat den Weg frei den städtebaulichen Vertrag mit der Karl-Gruppe, ebenso nahm das Bebauungsplanverfahren für das „Neue Wohnen an der Acher“ eine weitere Hürde.

400 Wohnungen geplant

Die bayerische Karl-Gruppe hatte das elf Hektar große Gelände der einstigen Glashütte bekanntlich im Sommer 2015 übernommen; sie hat mittlerweile sämtliche Gebäude abgebrochen, die Altlastensanierung vorangetrieben und plant nun den Bau von rund 400 Wohnungen. Offen war „nur“ noch die Frage, ob sich die Stadt hier ein Grundstück sichern soll, um hier eine Stadthalle zu errichten. Die sich im Vorfeld bereits abzeichnende kontroverse Debatte setzte sich auch im Gemeinderat fort.

Stadtverwaltung rät ab

Die Stadtverwaltung hatte in einer umfangreichen Vorlage erläutert, warum sie sich gegen einen möglichen Stadthallenstandort auf dem Glashütten-Areal aussprach. Dagegen sprechen insbesondere finanzielle Gründe: Der Kauf des Geländes würde mit rund 1,7 Millionen Euro zu Buche schlagen, die Halle selbst veranschlagt die Verwaltung mit 9,7 Millionen Euro – Geld, das mittelfristig nicht zur Verfügung stehe. Des weiteren verwies die Stadtverwaltung auf die Alternativen: Die Schaffung einer neuen größeren Veranstaltungsstätte sei im Bereich des ehemaligen Kirchenraums in der Illenau ebenso möglich wie durch das Angebot einer privat finanzierten Stadthalle auf dem Gelände der einstigen Heckelfabrik.

644.000 Euro pro Jahr

Als kühler Rechner zeigte sich Karl Früh. Der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion legte dar, dass der Bau einer Stadthalle der Stadt bei einer angenommen Finanzierungsdauer von 25 Jahren pro Jahr 644.000 Euro kosten würde. Bei einer Veranstaltung pro Monat seien dies 53.000 Euro pro Termin beziehungsweise 90 Euro pro Sitzplatz. Früh sah durchaus „Handlungsbedarf“ für eine Versammlungsstätte für 400 bis 500 Personen in Achern. Und falls noch höhere Kapazitäten benötigt würden, stehe die Hornisgrindehalle zur Verfügung.

Grundsätzliche Bedenken

„Die ABL war schon immer gegen eine Stadthalle“, formulierte Jutta Römer im Namen der Acherner Bürger Liste grundsätzliche Bedenken. Ferner zweifelte sie daran, dass das für den Bau der Halle zur Debatte stehende Grundstück auf dem Glashütten-Areal – innerhalb eines Wohngebiets und angrenzend an eine Lärmschutzwand – geeignet sei.

SPD fordert „Bürgerzentrum“

Zustimmung zur Vorlage der Verwaltung kam auch von der SPD: Wie Patrik Schneider sagte, sei man allerdings weniger für eine Stadthalle, sondern vielmehr für ein „Bürgerzentrum“, das Vereinen und Institutionen mehrfach nutzbare Räume biete.

„Stadt soll sich Option sichern“

Auf verlorenem Posten kämpften unterdessen die Freien Wähler. Fraktionschef Thomas Kohler erinnerte daran, dass bereits der Verkauf des einstigen Glashüttengeländes an die Karl-Gruppe umstritten war. CDU und ABL hätten, so Kohler, stets betont, dass die Stadt hier handlungsfähig bleiben sollte: „Und nun geht es um die Frage, ob die Stadt einen kleinen Teil der elf Hektar erwirbt und sich die Option für den Bau eines oder mehrerer Gebäude sichert.“

Keine qualifizierte Debatte

Kritisch sah Kohler, dass der Gemeinderat nun seinen Verzicht auf einen möglichen Standort erklären wolle, „ohne eine qualifizierte Debatte geführt zu haben“. Die Freien Wähler seien für eine „ergebnisoffene Diskussion“, erklärte Kohler und sprach von einer „einmaligen Chance“, die man nicht nur unter dem Aspekt der Finanzierung betrachten dürfe: „Man kann alles tot diskutieren“.

Sieben gegen 17 Stimmen

Am Ende wollte die Mehrheit des Gemeinderats Kohlers Argumenten nicht folgen. Für den Vorschlag der Verwaltung stimmten 17 Mitglieder, lediglich sieben Stadträte votierten für den Geländeerwerb auf dem Glashütten-Areal.

„Es war die richtige Entscheidung“

Jeweils einstimmig votierte das Gremium für den städtebaulichen Vertrag mit der Karl-Gruppe sowie für die Umstellung des Bebauungsplans „Neues Wohnen an der Acher“ auf das „beschleunigte Verfahren“. Laut Oberbürgermeister Klaus Muttach werde die Karl-Gruppe noch in diesem Jahr mit den Erschließungsarbeiten beginnen. „Ein großes Projekt, das in sehr sportlicher Zeit auf den Weg gebracht wurde“, meinte der OB und sah das Unternehmen auf einem guten Weg: „Der Verkauf an die Karl-Gruppe war die richtige Entscheidung.“