Kindergarten Platz
In den Kappelrodecker Kindergärten – hier der Blick auf St. Josef – gibt es momentan weniger Plätze als Anmeldungen. Deshalb haben Träger und Gemeinde einen Punktekatalog für die Platzvergabe entwickelt. | Foto: Archiv Jülg

Warteliste in Kappelrodeck

Kindergarten-Plätze: Eltern klagen über Ungewissheit

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Ab wann kann ihr Kind betreut werden? Obwohl sich die Familie frühzeitig um einen Kindergartenplatz gekümmert hat, wissen die Eltern nicht, wann das soweit sein wird – Lisa und Marcel Claves aus Kappelrodeck fühlen sich sprichwörtlich im Regen stehen gelassen. „Das ist ärgerlich, weil daran Existenzen hängen“, sagt Lisa Claves. Ihre Tochter wird im Januar drei Jahre alt, dann werden beide Elternteile wieder arbeiten und brauchen einen Platz. „Der Chef fragt schon, ab wann das sein wird.“ Die Frage können sie nicht beantworten: „Wir bekommen einfach keinen Zeitraum genannt.“

Die Familie wohnte in Oberachern und meldete ihr Kind dort für einen Kindergartenplatz, als es vier Monate alt war – es gab eine Absage. Nach dem Umzug nach Kappelrodeck folgte Anfang dieses Jahres die Anmeldung für die dortigen Kindergärten. „Wir werden immer wieder vertröstet, dass sie auf einer Warteliste steht, aber es passiert nichts“, sagt Marcel Claves.

Momentan weniger Plätze als Anmeldungen

Nach dem Sozialgesetzbuch hat in Baden-Württemberg ein Kind, dass das dritte Lebensjahr vollendet hat, bis zum Eintritt in die Schule Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung. „Es gibt momentan weniger Plätze als Anmeldungen, deshalb haben wir eine Nachrückliste“, erklärt Kindergarten-Geschäftsführerin Sabine Gnjezda, die bei der Acherner Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden für die drei Kitas in Kappelrodeck und Waldulm zuständig ist.

Festgelegte Kriterien für die Warteliste

Alle Anmeldungen werden nach festgelegten Kriterien bewertet, dazu zählen zum Beispiel der Anmeldezeitpunkt, das Alter des Kindes und Geschwisterkinder, die schon eine Einrichtung besuchen. Sobald ein Platz frei wird – sei es durch einen Wegzug oder weil ein Platz nicht angenommen wird – werden die Eltern der jeweils nächsten Kinder auf der Warteliste benachrichtigt, sagt Sabine Gnjezda.

Aufnahmestopp für auswärtige Kinder

Zu Beginn des Kindergartenjahres 2018/19 waren rechnerisch 225 von 257 Plätze belegt, heißt es aus der Gemeinde. „Erfahrungsgemäß füllen sich die Kindergärten im Laufe des Kindergartenjahres“, erklärt Bürgermeister Stefan Hattenbach. Auch komme es der Erfahrung nach bei unverbindlichen Anmeldungen immer wieder zu Veränderungen. Auf deren Basis habe sich die Situation ergeben, „dass im Laufe des Kindergartenjahres nicht jeder Betreuungswunsch zum gewünschten Zeitpunkt in der gewünschten Form in der gewünschten Einrichtung erfüllt werden kann.“ Daher gibt es in Kappelrodeck auch einen Aufnahmestopp für auswärtige Kinder.

Kuratorium schätzt den Platzbedarf ab

Grundsätzlich schätzt ein Kuratorium, zu dem auch Kindergartenleitungen und Elternvertreter zählen, im Frühjahr den Platzbedarf für das folgende Kindergartenjahr für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Dabei muss auch das mögliche Elternwahlverhalten berücksichtigt werden: „Aktuell gehen wir davon aus, dass rund 20 Prozent der Einjährigen, 80 Prozent der Zweijährigen und 100 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen einen Kindergarten in der Gemeinde besuchen“, erklärt der Bürgermeister. Der Gemeinderat setzt den Beschluss um.

Masterplan Kinderbetreuung der Gemeinde

Über die Entscheidung des Kuratoriums hinaus stellte die Gemeinde außerplanmäßige Mittel für Räume und zusätzliches Personal zur Verfügung und verabschiedete einen „Masterplan Kinderbetreuung“ (siehe Hintergrund). „Sollten die Maßnahmen im aktuellen Kindergartenjahr nicht ausreichen, sieht die Masterplanung weitere Optionen zur Schaffung zusätzlicher Plätze vor“, so Hattenbach. Abgesehen habe der Träger bislang von einer „platzbringenden“ Umwandlung von Betreuungsformen und „Platz-Sharing“.

Hintergrund: Kindergartenplätze
Insgesamt gibt es in Kappelrodeck im laufenden Kindergartenjahr 257 Plätze. Ein vom Gemeinderat verabschiedeter Masterplan beinhaltet mehrere Erweiterungen. So kamen im Kindergarten St. Anna nach dem Umbau des Turnraums zum Gruppenraum zehn Plätze dazu. Zudem ist ein Anbau geplant, mit dem Räume für bis zu 28 Kinder geschaffen werden. Außerdem soll, wie berichtet, eine Waldgruppe eingerichtet werden – dafür werden zehn verbindliche Anmeldungen benötigt. Sobald diese Zahl erreicht ist, wird der Bau eines Waldkindergartens mit 20 zusätzlichen Plätzen in die Wege geleitet. Kommt das Projekt nicht zustande, erhalten die bereits angemeldeten Kinder einen Platz entsprechend der allgemeinen Kriterien.
Zum Vergleich: In den städtischen Kindergärten in Achern sind die aktuell 1 067 Plätze überwiegend belegt, freie Ü3-Plätze gibt es in Gamshurst, Mösbach, Önsbach und Wagshurst. Generell könne jedem Kind ein Betreuungsplatz angeboten werden, im Einzelfall nicht in der Wunsch-Einrichtung. In Großweier wird aktuell um zwölf Ü3-Plätze erweitert, möglich seien Erweiterungen auch in
St. Nikolaus in der Kernstadt, in Sasbachried und Önsbach.