Uwe Bauer, der Betreiber der beiden Kinos in Bühl und Achern, weiß nicht, wie es weiter geht. | Foto: Ulrich Coenen

Pachtverträge enden

Kinos in Bühl und Achern droht das Aus

Den Nachbarstädten Bühl und Achern droht eine weitere Schwächung ihrer Infrastruktur und eine kulturelle Verarmung. Die Kinos „Blaue Königin“ und „Tivoli“ könnten zum Jahresende schließen. Dies bestätigte Kinobetreiber Uwe Bauer am Montag auf Anfrage dieser Zeitung. Bauer ist jeweils Pächter, die Pachtverträge mit zwei verschiedenen Eigentümern laufen Ende 2017 aus.

Erheblicher Sanierungsstau

„In beiden Häusern besteht ein erheblicher Ausbau- und Sanierungsbedarf“, erklärte Bauer. „Ob sich Investitionen in der Größenordnung von einer Million Euro amortisieren, ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen allerdings mehr als fraglich.“

Filmindustrie will mehr Geld

Die Filmindustrie macht den kleinen Kinos auf dem Land das Überleben immer schwerer. Bereits 2015 verlangte beispielsweise Disney erstmals für den Film „Avengers: Age of Ultron“ statt der bisherigen 47,7 Prozent Beteiligung am Eintrittsgeld die in Großstädten üblichen 53 Prozent. Die Multiplexkinos in Baden-Baden, Offenburg und Rastatt machen die Situation für die „Blaue Königin“ und das „Tivoli“ ebenfalls nicht einfacher. In Baden-Baden und Offenburg stehen für das Publikum jeweils acht Filmsäle in unterschiedlicher Größe zur Verfügung.

Konkurrenz durch Multiplex

Wenn Uwe Bauer die brandneuen Blockbuster in Bühl oder Achern über die Leinwand flimmern lassen möchte, hat er gegenüber den Multiplex-Kinos einen großen Konkurrenznachteil. Zwar hat Bauer seine beiden Häuser auf Digitaltechnik umgestellt und profitiert damit von der größeren Anzahl an Kopien, die im Vergleich zur früheren Analogzeit zur Verfügung stehen, doch die Knebelverträge der Verleiher sind für die kleinen Kinos im ländlichen Bereich schwierig. Wer einen Blockbuster gleich zum bundesweiten Start zeigen will, verpflichtet sich nicht nur, diesen Film mindestens drei Wochen lang zweimal am Tag zu spielen, sondern auch im selben Saal keinen anderen Titel zu zeigen. „Für ein Multiplexkino ist das kein Problem“, sagt Bauer. „Wenn der Film nicht so erfolgreich ist, wird er in der zweiten Woche in einen kleinen Saal verbannt. Ich habe aber in Bühl und Achern keine kleinen Säle.“ Jeweils ein weiterer kleiner Saal für die „Blaue Königin“ und das „Tivoli“ wären Lösungen. „Ich glaube aber nicht, dass sich Investitionen in dieser Größenordnung lohnen“, meinte Bauer.

Überangebot in Mittelbaden

Mit Sorge beobachtet er die Konkurrenz zwischen den Multiplexkinos in Baden-Baden und Rastatt. Bauer spricht von einem „Preiskrieg“. Nach seiner Ansicht haben die Lichtspielhäuser in Mittelbaden außerdem in den vergangenen Jahren zu viele Kapazitäten aufgebaut.

„Ich bezweifle, dass man die zahlreichen neuen Säle mit Publikum füllen kann“, sagte er. „Wir haben ein Überangebot. Das Publikum wünscht die neuesten Blockbuster zu möglichst günstigen Eintrittspreisen. Hinzu kommen Video-on-Demand und Pay-TV als Konkurrenten.“

Mindestlohn macht Probleme

Auch die Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 hat die Situation für kleine Kinobetreiber aus Sicht Bauers deutlich verschlechtert. „Ich muss die Leute auch bezahlen, wenn sie während der Filmvorführung ohne Beschäftigung hinter der Kasse sitzen“, berichtete er. „Irgendwann geht die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht mehr auf. Ein Kino kann nicht nur Hobby sein, um das kulturelle Angebot einer Stadt zu bereichern. Von der Seite der Politik gibt es leider keine nachhaltige Unterstützung.“

Endgültige Entscheidung Ende März

Die endgültige Entscheidung über die Zukunft der „Blauen Königin“ und des „Tivoli“ soll bis Ende März fallen. „Ich muss mit beiden Eigentümern parallel verhandeln, denn es ist aus wirtschaftlichen Gründen definitiv völlig unmöglich, eines der beiden Kinos alleine weiterzuführen. Das wäre wie eine Fahrt im Tunnel. Ich bin aber nicht sehr optimistisch.“

Familie schreibt lokale Kinogeschichte

Die Familie Bauer betreibt das „Tivoli“ in Achern seit 1970 und die 1954 erbaute „Blaue Königin“ in Bühl seit 1985, jeweils als Pächterin. Uwe Bauers Vater, der verstorbene Gerhard Bauer, hatte den Beruf des Filmkaufmanns im längst abgerissenen „Rheingold“ in Bühl von der Pike auf gelernt.

Bereits 2012 hat Uwe Bauer die beiden Kinos auf Digitaltechnik umgerüstet. „Dafür gab es staatliche Zuschüsse“, berichtete er. Um an diese Subventionen zu gelangen, brauchte er neben einem anspruchsvollen Programm auch langfristige Verträge. Zuvor hatten sich die von seinen Eltern übernommen Pachtverhältnisse immer nur jahresweise verlängert, der Sohn legte sich nun gleich auf fünf Jahre bis 2017 fest. Beide Verträge laufen also Ende des Jahres aus.

Bauer hat permanent investiert. 2014 führte er in beiden Kinos ein neues Kassensystem ein, das unter anderem auch Online-Buchungen ermöglicht. Viele handwerkliche Arbeiten erledigt der gelernte Kfz-Mechanikermeister selbst.