Wallfahrtskirche Sasbachwalden
Die Wallfahrtskirche ist weit ins Sasbachwaldener Tal hinein zu sehen, fast bis zur Mutterpfarrei Sasbach. Hier gab es über Jahrhunderte hinweg eine Wallfahrtskirche auf dem Hochfeld. | Foto: Roland Spether

Wallfahrt in Sasbachwalden

Erzbischof im Interview: „Kirche unterliegt ständiger Erneuerung“

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„Gott ist die Liebe“, diese Botschaft des Glaubens steht im Mittelpunkt des Dreifaltigkeitsfestes in Sasbachwalden, das am Sonntag, 11. Juni, gefeiert wird. Festprediger ist Erzbischof Stephan Burger, der am 29. Juni 2014 zum Freiburger Bischof geweiht wurde. Unser Mitarbeiter Roland Spether sprach mit ihm über das Pilgern, die Dreifaltigkeit und Herausforderungen der katholischen Kirche.

Sie kommen als Bischof und als Pilger nach Sasbachwalden, um dort mit den Christen das Patrozinium im Glauben an den dreifaltigen Gott zu feiern. Was bedeutet es für Sie, ein Pilger zu sein?

Stephan Burger: Pilger sein, heißt, unterwegs zu sein, und zwar mit einem Ziel vor Augen. Und für mich ist dieses Ziel die Gemeinschaft mit Gott. Auf meinem irdischen Lebensweg gibt es dabei verschiedene Wegstationen, bei denen ich diese Gemeinschaft erfahren darf, dazu gehört auch die Begegnung mit den Menschen im Sasbachtal. Den Glauben gemeinsam zu feiern, zu erleben, miteinander zu teilen, bedeutet auch, hier dem lebendigen Gott zu begegnen. Das meint Christus, wenn er sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Oder: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Erzbischof Burger Freiburg
Zelebrant und Prediger des Festgottesdienstes ist Erzbischof Stephan Burger. | Foto: red

Was bedeutet für Sie der Glauben an den dreifaltigen Gott?

Burger: Dieser Glaube beinhaltet Dynamik von Leben und Liebe, die sich in dem einen göttlichen Wesen zeigen. Und wir wissen darum, weil Jesus Christus selbst von seinem Vater Kunde gebracht, uns am Kreuz erlöst und uns den Heiligen Geist verheißen und gesandt hat. In diese Dynamik von Leben und Liebe eingebunden zu sein, darin selbst zu leben, aus dieser Liebe nicht herausfallen zu können, wenn ich es selbst nicht will und zulasse, das gibt mir Kraft und Zuversicht für mein irdisches Leben.

Während der Säkularisation wurde die Wallfahrt „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ mitsamt Hochaltar in die neue Kirche nach Sasbachwalden übertragen. Wo muss heute in der Katholischen Kirche Altes abgebrochen und Neues aufgebaut werden?

Burger: Die Kirche unterliegt der ständigen Erneuerung. Das zeigt die gesamte Kirchengeschichte. Nachdem volkskirchliches Leben zunehmend schwindet, beschäftigt mich natürlich die Herausforderung der Glaubensweitergabe. Wie gelingt es uns, diesen unseren Glauben an die kommenden Generationen weiterzugeben, einen Glauben, der als Bereicherung des eigenen Lebens verstanden wird, einen Glauben, der uns zu einem sinnerfüllten Leben hilft, der uns eine Perspektive über das irdische Leben hinaus eröffnet und der Gemeinschaft stiftet. Auf diesem Hintergrund gilt es nach der Weisung des Apostels vorzugehen: Prüfet alles, das Gute behaltet. Insofern werde ich jetzt nicht einfach und konkret sagen können, was an Altem abzubrechen ist oder was Neues aufgebaut werden soll. Das ist zu prüfen, und zwar mit den Menschen vor Ort, die es auch betrifft.

Eine Legende berichtet, dass im frühen 14. Jahrhundert Hirtenjungen auf dem Hochfeld bei Sasbach ihre Tiere hüteten und dabei einen Vogel sahen, der ein Papier fallen ließ. Darauf war ein Bild der Gottesmutter zu sehen, die von der Heiligen Dreifaltigkeit gekrönt wurde. Daraus wurde ein Gnadenbild und der Beginn der Wallfahrt. Zu glauben ist offensichtlich ganz einfach – was erschwert den Glauben heute?

Burger: Der Mensch ist religiös. Das belegt die Geschichte der Menschheit. Die Frage ist und bleibt, wie findet er den Zugang zu diesem Glauben. Der Weg dazu ist der Mensch selbst, nicht umsonst ist Gott uns nicht fern geblieben, sondern in seinem Sohn Jesus Christus Mensch geworden. Das Johannes-Evangelium schreibt dazu, dass der, der am Herzen des Vaters ruht, uns Kunde gebracht hat. Diese entscheidende Botschaft den Menschen nahezubringen, wird heute vielfach dadurch erschwert, dass diese Botschaft mit vielen anderen in Konkurrenz steht, dass es mittlerweile auf dem religiösen Markt zahlreiche Anbieter gibt und dass sich viele Menschen schwerer tun, sich auf eine geoffenbarte Botschaft, auf eine Wahrheit einzulassen.

Wallfahrtskirche Sasbachwalden
Die Tochterkirche in Sasbachwalden erhielt den über 300 Jahre alten Barockaltar mitsamt der Wallfahrt vom Sasbacher Hochfeld übertragen. | Foto: Roland Spether

Wenn Sie als Erzbischof von Freiburg in einer Gemeinde Gottesdienst feiern, sind die Kirchen bestimmt gut besucht. Die Realität ist vielerorts eine andere. Macht Ihnen diese Entwicklung für die Zukunft der Kirche Sorgen?

Burger: Auch als Erzbischof bin ich nicht mehr überall der Renner und Kirchenfüller. Schon als Pfarrer habe ich ja erlebt, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher abnimmt, die Zahlen unserer aktiven Gemeindemitglieder zurückgehen. Und im Blick auf den demographischen Faktor wird nochmals deutlich, dass sich unsere Gesellschaft verändert, mehr ältere und weniger junge Menschen. Für die gesamte Entwicklung der Kirche macht mir dies aber insofern keine Sorgen, weil im Evangelium nirgends geschrieben steht, wie groß oder klein unsere Gemeinden zu sein haben. Der Auftrag lautet: Geht, tauft, lehrt. Wie das Reich Gottes, wie die Kirche dann wächst oder sich im Laufe der Zeit verändert, daran habe ich jetzt und hier zwar nach Möglichkeiten mitzuwirken, meinen Beitrag zum Wachstum zu leisten, aber ich bin nicht Herr darüber, das ist allein Christus.

„Der Alde Gott lebt noch“, steht auf einem Bildstock in den Reben von Sasbachwalden und erinnert daran, als ein Mann während des Dreißigjährigen Krieges in die Heimat kam, wo Leid und Elend vorherrschten, und er eine junge Frau traf und heiratete. Wo sehen Sie heute in unserer Welt Spuren, dass der „Alde Gott“ noch lebt?

Burger: Ich sehe das große soziale Engagement vieler Menschen. Ich sehe nach wie vor ein großes Interesse an religiösen Themen und Fragestellungen, auch wenn sich all dies nicht gleich in Kirchenbesucherzahlen niederschlägt. Ich sehe bei Jugendlichen ein offenes und unbefangenes Interesse an Kirche, weil sie sich nicht zuerst an einer langen Geschichte orientieren, sondern an Menschen, die ihren Glauben leben und bezeugen. Das ist die beste Voraussetzung, sich selbst über den eigenen Glauben und die eigene Glaubensentwicklung Gedanken zu machen. Die grundlegenden Fragen der Menschheit sind nach wie vor wichtig und wollen beantwortet werden: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Was ist der Sinn von Glück, was von Leiden, Sterben und Tod? Hier haben wir Christen meines Erachtens die besten Antworten auf all diese Fragen. Und es bewahrheitet sich für mich in meinem Leben durch Begebenheiten und Ereignisse, durch Glaubenserfahrungen immer wieder, dass der „Alde Gott“ immer noch lebt! Ihm sei Dank!

Fest-Programm:
Der Festtag am Sonntag, 11. Juni, beginnt um 7 Uhr mit einem Wallfahrtsgottesdienst mit Pfarrer Wilhelm Schäffer. Der Festgottesdienst mit Sakramentsprozession beginnt um 9.30 Uhr in der Wallfahrtskirche, den der Kirchenchor Sasbachwalden unter Leitung von Susanne Brock mitgestaltet. Der Wallfahrtstag wird um 15 Uhr mit einer Vesper fortgeführt, bei der Pfarrer Jens Bader die Predigt hält und die Chorgemeinschaft Sasbachwalden/Obersasbach die musikalische Gestaltung wahrnimmt.