Auf Wanderschaft durchs Blütenmeer. Fans aller Generationen fanden den Weg zum Mösbacher „Kirschblütenzauber“. | Foto: Michael Karle

Kirschblütenzauber in Mösbach

„Wie die Lavendelblüte in der Provence“

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Von Michael Karle
Rekordverdächtige Bedingungen kennzeichneten gestern die zehnte Auflage des „Kirschblütenzaubers“ im Acherner Stadtteil Mösbach. Ortsvorsteherin Gabi Bär zeigte sich bewusst in blauem und weißem Kostüm. „Blau steht für wolkenlosen Himmel, weiß für unser Blütenmeer, das sich nicht schöner zeigen könnte, als wir es heute genießen dürfen.“ Entsprechend viele Gäste kamen zu der Veranstaltung.

Feinstes aufgefahren

Strahlen durfte die Ortsvorsteherin freilich nicht nur wegen der Bedingungen bei ihrer „Festpremiere“ im Amt. „Unsere Hofläden und örtlichen Betriebe haben Feinstes aufgefahren und es sind enorm viele Gäste gekommen.“ Zu den Ehrengästen gehörte neben Minister a.D. Willi Stächele und Landfrauenpräsident Rosa Karcher auch Sonja Schuchter, einst Ortsvorsteherin von Mösbach und heute Bürgermeisterin in Sasbachwalden.

„Das schönste Meer liegt eindeutig bei Mösbach“

Oberbürgermeister Klaus Muttach schlug vor, die Landkarte umzuschreiben. „Das schönste Meer liegt eindeutig bei Mösbach. Es ist heute von Blüten und Besuchern überschwemmt.“ Zünftig hatte der Musikverein das Fest der Feste eingestimmt.  „Wie die Lavendelblüte in die Provence, die Mandelblüte nach Mallorca, so lockt die Kirschblüte nach Mösbach“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium, die auch ein starkes Plädoyer für den ländlichen Raum, die Landwirtschaft und die Direktvermarkter hielt.

Illustre Gäste: Von rechts Landtagsabgeordneter Willi Stächele, Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach, Sonja Schuchter, ehemalige Mösbacher Ortsvorsteherin und heutige Bürgermeisterin von Sasbachwalden sowie Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Ortsvorsteherin Gabi Bär (von rechts). | Foto: Michael Karle

Lebensqualität auf dem Land

„Bundesweit ist Baden-Württemberg spitze. Die Lebensqualität auf dem Land, zu dem auch Streuobstwiesen gehören, müssen wir uns auch etwas kosten lassen.“ Konkrete Themen benannte Gurr-Hirsch auch mit dem in diesem Jahr endenden Branntweinmonopol und dessen Folgen für die Kleinbrenner, zu denen auch die 16 Mösbacher Vollerwerbsbetriebe gehören dürften. Die Erzeuger der edlen und geistreichen „Wässerchen“ hätten sich durch Spitzenprodukte gut auf die einschneidende Änderung vorbereitet, meinte die Staatssekretärin. Es gelte jedoch noch bessere Vermarktungskonzepte zu finden.

Kirschbaum für die Staatssekretärin

Besonders freuen konnte sich Friedlinde Gurr-Hirsch über einen Mösbacher Benjaminler-Kirschbaum. „Mit ihm soll die Stärke des ländlichen Raums auch in Stuttgart gut gedeihen“, schmunzelte Gabi Bär bei der Überreichung. Beste Resonanz fand der „Meschbacher Griesecco“. Karl Bürk, einer der guten Geister an vorderster Front hinter den Kulissen, nannte eine Zahl von mehreren Dutzend Flaschen, die allein bei der Festeröffnung gebraucht wurden.

Mösbacher Benjamini-Kirschen sollen im Schwäbischen Früchte tragen: Zur Eröffnung des Kirschblütenzaubers überreichte Ortsvorsteherin Gabi Bär Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch den als „fröhliche Friedlinde“ benannten Kirschbaum. | Foto: Michael Karle

„Griesecco“ und Kirschcocktails

Beschwingt von einer gelungenen Eröffnung machten sich viele Gäste auf den Weg in die gastlich und liebevoll hergerichteten Mösbacher Höfe, genossen in bester Feiertagsstimmung zahlreiche Spezialitäten. Ob Riesenwindbeutel im Schlosscafe, Süßes vom Eiswägele, spritzige Kirschcocktails oder eine Likör- und Schnapsprobe, für jeden Gaumen fand sich das Passende. Und Unterhaltung war überall geboten. Andere erkundeten zunächst die Wege durchs Blütenmeer rund um Mösbach, um dann einen genussvollen Abschluss in einem der Hofläden zu machen. Viel unterwegs war auch die „Kirschbiene“, und die Vorstellungen des eigens aus Japan gekommenen Kirschblütenfans Minoru Hosokawa mit dem Papiertheater „Kamishiba“ fand viel Zuspruch. „Kirschblüten zu betrachten ist bei uns ein richtiger Volkssport, wir Japaner sind in dieser Zeit kaum zu halten.“

Gäste auch aus der Schweiz und aus dem Elsass

Wenig Halten war den ganzen Nachmittag auch in der Mösbacher „City“ angesagt. Die „Schlepperfreunde vor der Hornisgrinde“ fanden noch einen angemessenen Parkplatz, ansonsten bewegten sich Menschen zuweilen dicht an dicht, mit und ohne Fahrrad durch den Ort. Dennoch blieb die Gemütlichkeit gewahrt. Schließlich hatten die Gäste, die auch aus der Schweiz und dem Elsaß gekommen waren, genügend Zeit, sich zu unterhalten und zu genießen, was zu genießen war.