Pilot-Region des Landes: Ende 2022 bleiben die dieselbetriebenen Ortenau-S-Bahnen im Depot. Unter anderem auf der Strecke der Achertalbahn werden sie durch klimafreundliche Züge ersetzt. | Foto: Michaela Gabriel

Auch im Achertal

Klimafreundliche Technologien im Bahnverkehr

Eine große Innovation im Schienenverkehr bahnt sich an: Statt der heutigen Regio-Shuttles mit Dieselantrieb sollen auf der Achertalbahn, im Renchtal und weiteren Bahnstrecken der Region Ende 2022 wasserstoff- oder batteriebetriebene Züge rollen. Die Ortenau wird Pilot-Region des Landes für den Einsatz neuer klimafreundlicher Technologien im Bahnverkehr.

Lokal emissionsfrei

Künftig soll die Energie für den Antrieb der heutigen Ortenau-S-Bahnen komplett aus regenerativen Quellen kommen. Aus dem Verkehrsministerium in Stuttgart ist zu hören, dass 29 Regio-Shuttles, drei Triebwagen des Typs NE 81 und zwei vom Typ X-Ter 73900 durch mindestens 15 neue Züge ersetzt werden sollen. „Sie werden über mehr als doppelt so viele Sitzplätze verfügen wie die Regio-Shuttles“, erklärt Pressesprecherin Julia Pieper. Vor allem aber sollen sie keinerlei Abgase ausstoßen – „lokal emissionsfrei“ nennt sie das.

„Wir befinden uns im Aufbau“

Erster Schritt auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Betrieb auf 90 Kilometern Schienennetz der nördlichen Ortenau war die Gründung der Trapico GmbH mit Sitz in Lahr im Dezember 2017. Sie besteht bisher aus zwei Geschäftsführern. Einer von ihnen ist Mathias Laber. Er wird seine Erfahrung mit dem Betrieb von Eisenbahnnetzen einbringen. „Wir befinden uns im Aufbau“, sagt er.

Vergabeverfahren läuft

Sobald die Technologie feststehe, mit der die neuen Züge fahren werden, könne man die Planungen konkretisieren. Derzeit laufe das Vergabeverfahren für mögliche Hersteller der neuen Züge, die auch langfristig für Wartung und Instandhaltung Verantwortung tragen sollen.

Mögliches Vorbild für die Region: Der Zug des Konzerns Alstom mit Wasserstoffantrieb. | Foto: Soeren Stache

Wasserdampf als einziges Abgas

Vor einem halben Jahr wurde in Wolfsburg (Niedersachsen) der weltweit wohl erste Brennstoffzellen-Regionalzug vorgestellt. Einziges Abgas der Lok ist Wasserdampf. Gebaut wird er in einem Werk der französischen Firma Alstom in Salzgitter. Dass diese Technik möglicherweise auch im Ortenaukreis erprobt werden soll, sieht der Verkehrsreferent des Landesnaturschutz-Verbandes (LBV), Stefan Frey, positiv. Er sagt: „Grundsätzlich einverstanden! Zu begrüßen ist insbesondere die Vorgabe, dass der Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energie hergestellt wird. Der Verkehr trägt mittlerweile 30 Prozent zu den klimaverändernden Treibhausgasen bei. Man muss sich aber auch die Gesamtenergie-Bilanz und den Ressourcenverbrauch genau anschauen.“

Umweltfreundliche Mobilität

Dass das Verkehrsministerium umweltfreundliche Mobilität anstrebe und dem öffentlichen Verkehr den Vorrang gebe, sei gut. Positiv sei auch, dass man „technikoffen“ sei, so der Sprecher des Naturschutzverbandes. Das Land habe noch nicht festgelegt, ob die neuen Züge mit Batterien oder mit Brennstoffzellen betrieben werden. „Ideal von den Betriebsabläufen her wäre natürlich wie in der Schweiz die möglichst flächendeckende Elektrifizierung“, weiß Stefan Frey. Verkehrsminister Winfried Hermann habe dazu ein klares Konzept, doch die vom Land und vor allem vom Bund zu erwartenden Mittel seien kaum ausreichend.

Vielfach keine Oberleitungen

Das Schienennetz zwischen Achern, Ottenhöfen, Kehl Freudenstadt und Oberharmersbach gehört zum Netz 8 des Landes und heißt „Ortenau“. Auf der Hälfte der Strecken gibt es keine Oberleitungen und sollen wohl auch nicht kommen.

Dieseltriebwagen nur noch als „Ersatz“

Den Einsatz von Dieseltriebwagen will das Land dennoch künftig vermeiden. Sie sollen aber im Hintergrund noch bereit gehalten werden, wenn die neuen Züge im Dezember 2022 in Dienst gestellt werden. „Falls es größere Probleme mit der neuen Antriebstechnologie geben sollte“, so das Verkehrsministerium.

von Michaela Gabriel