Psychologists for Future
Mit einem Demonstrationsschild weist Anke Hofmann schon vor ihrer Haustür in Obersasbach auf ihre Überzeugungen hin. | Foto: Stefanie Prinz

Anke Hofmann aus Obersasbach

Klimawandel als mentales Problem: Das sind die „Psychologists for Future“

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Der Klimawandel ist auch ein mentales Problem. Das sagen die Menschen, die sich in der Bewegung „Psychologists for Future“ zusammengeschlossen haben. Anke Hofmann aus dem Sasbacher Ortsteil Obersasbach ist die Vertreterin für Mittelbaden – ihre nächsten Kollegen sitzen in Karlsruhe und Freiburg.

Unter anderem geht es den Psychologen und Psychotherapeuten um den Umgang mit Verdrängung, um Möglichkeiten, Verhalten zu ändern, und um die Bewältigung von psychischen Belastungen – das alles eben im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Ziele: ihr fachliches Wissen weitergeben – nicht nur, aber auch an die Aktivisten von „Fridays for Future“ – und Möglichkeiten für ein klimafreundliches Handeln aufzeigen. Angestoßen wurde die Bewegung im Mai 2019 von zwei Frauen, Anke Hofmann, die selbst Verhaltenstherapeutin ist, schloss sich im Juni an.

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Psychologen: Angst müsse ernst genommen werden

Im Internet veröffentlichten die Mitglieder im vergangenen Jahr eine Stellungnahme, die nach aktuellem Stand von rund 4.330 Berufskollegen aus verschiedenen Ländern unterzeichnet wurde. „Der Klimawandel und die ökologische Krise werden intuitiv unterschätzt“, ist darin zu lesen: „Psychologische Mechanismen, die einer Verhaltensänderung und politischem Handeln entgegenstehen, müssen aufgedeckt, kommuniziert und überwunden werden“.

„Ich finde es gut, dass ,Klimahysterie’ zum Unwort des Jahres 2019 erklärt wurde, denn Angst ist ein ganz normaler Prozess und muss ernst genommen werden“, sagt Anke Hofmann, die sich mit dem Umgang mit Menschen befasst, für die das Thema Klimawandel psychisch belastend ist.

Das Ohnmachtsgefühl ist schwer auszuhalten.

„Das ist für manche Leute deshalb kaum zu ertragen, weil wir nicht aus der Situation herauskönnen. Dieses Ohnmachtsgefühl ist schwer auszuhalten. Der Mensch wünscht sich Normalität und keinen Notfallmodus.“ Manche Menschen würden ihre Sorge um die Umwelt in Aktivität umwandeln, andere meinen, als Einzelperson eh nichts ändern zu können, wieder andere verdrängen oder leugnen das Thema, zählt Hofmann auf. „Verdrängung beispielsweise ist in manchen Situationen ein wichtiger Mechanismus der menschlichen Psyche – beim Klimathema brauchen wird aber einen klaren Blick“.

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Verband befasste sich schon vor Jahren damit

An dieser Stelle kommt die Psychologie ins Spiel, die aufzeigen will, welche Mechanismen dahinterstecken und was getan werden kann, zum Beispiel Gewohnheiten ändern, was meist sehr viel leichter gesagt als getan ist. „Psychologie passiert ständig, weil Menschen sich eben ständig verhalten.“ Damit, wie die Veränderungen des Klimas auf die Menschen und deren Psyche wirken, habe sich der Verband American Psychological Association bereits vor rund zwölf Jahren befasst.

Ein weiterer für die Psychologen wichtiger Punkt: Wie werden Inhalte kommuniziert? Je nachdem, wie ein Mensch „funktioniere“, fühle dieser sich vielleicht mehr motiviert durch die Frage „Was funktioniert schon gut“ als durch die Sichtweise „Was läuft falsch“, sagt Anke Hofmann.

Einige leiden tatsächlich an Burnout.

Die Obersasbacherin selbst sucht nach Möglichkeiten, was in ihrem Wohnort getan werden kann, sprach mit Sasbachs Bürgermeister Gregor Bühler unter anderem über Steingärten und den Umgang mit gemeindlichen Grünflächen, trifft sich mit Gemeinderäten und will als „modellhaftes Vorbild“ leben: In ihrer Straße sei sie die einzige Veganerin, zudem fahre sie ein Elektroauto – missionarisch wolle sie aber nicht sein.

Die in der Bewegung vernetzten Psychologen wollen „Fridays for Future“ unterstützen, unter anderem auch, indem sie jugendliche Aktivisten betreuen: „Einige leiden tatsächlich an Burnout oder zeigen depressive Symptome“, sagt Hofmann.

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Eine „for Future“-Bewegung von vielen

Der Zusammenschluss ihrer Kollegen ist eine von vielen Gruppierungen, die das zum geflügelten Wort gewordene „for Future“ im Namen tragen – von den „Scientists“ über die „Artists“ bis zu den „Omas for Future“. Manche davon genervten Gegner werfen den Aktiven vor, nur auf den von Jugendlichen angestoßenen Zug aufzuspringen. Anke Hofmann sieht das eher als Kompliment: „Die ,Fridays’-Bewegung ist eben ein Phänomen, von dem die Leute feststellen, dass es zieht.“