Klinikehe
Patientenzimmer im Klinikum Achern: Das Haus ist zuletzt finanziell unter Druck geraten. | Foto: red

Das Defizit wächst

Die Klinikehe Achern/Oberkirch ist nicht ohne Spannungen

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Es war ein Schock zum Jahresende: Das Ortenau Klinikum, bislang so etwas wie ein Fels in der Brandung, schreibt angesichts des weiter wachsenden Kostendrucks erstmals nachhaltig rote Zahlen. Gebannt richten sich die Blicke jetzt auf den Frühsommer, wenn Landrat Frank Scherer und Klinik-Geschäftsführer Christian Keller gemeinsam zur Strukturdebatte einladen. Die Ergebnisse, so ist zu befürchten, werden nicht jedem munden. Einen ersten Vorgeschmack hat es bereits gegeben: Im Dezember hat der Gemeinderat von Bad Peterstal-Griesbach, aus keinem besonderen Grund, gleich mal den Erhalt des Oberkircher Klinikums gefordert.

Konkurrenzverhältnis statt Zweisamkeit?

Das Haus ist zwar nicht unmittelbar gefährdet, der Vorgang entbehrt aber nicht einer gewissen Brisanz, hat der Kreis doch die Kliniken in Achern und Oberkirch zu einem gemeinsamen Plankrankenhaus zusammengefasst. Das aber schreibt nun tiefrote Zahlen und wird von den ersten Kreisräten bereits als Ursache der finanziellen Misere am Ortenau Klinikum ausgedeutet. Wird aus der geplanten Gemeinsamkeit wegen des politischen Drucks ein Konkurrenzverhältnis? Im Renchtal ist man zuletzt für den Erhalt der Geburtshilfe in Oberkirch auf die Straße gegangen – und hat damit ungeahnte politische Wucht entfaltet.

OB verteidigt Klinikfusion

Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach sitzt in dieser Angelegenheit auf zwei Stühlen. Als Rathauschef muss er die Interessen der Stadt vertreten, als Sprecher der größten Kreistagsfraktion aber hat er den Blick zu weiten – auf das gesamte Ortenau Klinikum, immerhin größtes kommunales Krankenhaus im Südwesten. Muttach verteidigt die Entscheidung, Achern und Oberkirch zusammenzulegen. Als gemeinsames Plankrankenhaus könne man höhere Erträge erzielen, zudem konnten Doppelstrukturen abgebaut werden. Darüber habe er „lange und intensiv“ mit dem früheren Klinik-Geschäftsführer Manfred Lörch gesprochen.

Acherner Haus ist auf einem guten Weg

Doch ganz so problemlos wie erhofft ist die neue Klinikehe nicht: „Es gibt“, sagt Muttach, „eine Entwicklung in Oberkirch, die uns runterzieht“, die Belegung dort sei nicht so, wie sie sein sollte.
Das Acherner Haus hingegen sei auf einem guten Weg: „Ohne diesen Standort gibt es kein Wachstum für das Ortenau Klinikum“. Muttach räumt ein, dass es in Oberkirch Probleme gibt, spricht von einer „nachhaltigen gegenläufigen wirtschaftlichen Entwicklung, die das gesamte Plankrankenhaus aktuell nicht tragen kann“. Deshalb mache die angekündigte Strukturdebatte auch Sinn. Unklar ist freilich, ob damit alle Probleme vom Tisch sind. Hinter den Kulissen hat in den Kreistagsfraktionen bereits die Debatte darüber begonnen, ob der Klinikumverbund dauerhaft aus dem Kreishaushalt subventioniert werden muss, über die bislang gängige Erstattung des Zinsen für Fremdkredite hinaus. Das Ergebnis ist offen, die Entscheidung politisch brisant. Er sehe die Dauersubventionierung für den laufenden Betrieb kritisch, so CDU-Fraktionschef Muttach. SPD und Freie Wähler hingegen wollen zumindest nicht gleich „Nein“ sagen.

Gorecky: Zuschuss an Häuser möglich

Von einer „nebulösen Ankündigung“ spricht SPD-Fraktionschef Günter Gorecky angesichts des erst zum Ende des vergangenen Jahres langsam offenbar gewordenen Defizits. Einen Zuschuss an die Häuser kann er sich durchaus vorstellen: „Wenn man eine flächendeckende Versorgung will, muss man unter Umständen bereit sein, eigene Mittel aufzuwenden“. Die Frage werde aber sein, ob der Verlust im finanziellen und zeitlichen Rahmen überschaubar bleibt.

Doll: Defizit ist überraschend

Überraschend, so Valentin Doll, stellvertretender Chef der FWV-Fraktion im Kreistag, seien die jüngsten Zahlen zum Defizit des Jahres 2016 gekommen, Man gehe in der Fraktion von fünf Millionen Euro aus. Ob dafür der Kreis einspringt – sei es zum zweiten Mal nach 2015 oder auch auf Dauer – „darüber haben wir uns in der Fraktion noch keine Meinung gebildet“. Mit Sorge betrachtet Doll die Entwicklung am Doppelhaus Achern/Oberkirch: „Es ist schon die Frage, ob wir es uns künftig erlauben können, zwei Geburtsstationen zu erhalten“.