Klinikum
Rote Zahlen schreibt das Ortenau Klinikum in Achern. Mit Kündigungen ist laut Landrat Frank Scherer aber nicht zu rechnen. | Foto: Michaela Gabriel

Ortenau Klinikum in Schieflage

Alle Standorte sollen erhalten bleiben

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Von Christine Storck

Keine frohe Botschaft so kurz vor dem Fest: Das Ortenau Klinikum wird 2016 Verluste im mittleren einstelligen Millionenbereich machen. Das meldete Geschäftsführer Christian Keller Dienstag dem Krankenhausausschuss des Kreises. Vor allem die kleineren Standorte wie Kehl, Achern und Oberkirch seien im Minus (wir berichteten).

„Strukturelle Konsequenzen“ denkbar

Bei einer Klausurtagung nach den Osterferien 2017 soll über mögliche strukturelle Konsequenzen beraten werden. Genaue Zahlen nannte Keller bei der Beratung des Wirtschaftsplans für 2017/18 jedoch nicht – denn die liegen voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres vor. Deshalb wollte er den Plan eigentlich erst wieder von der Tagesordnung streichen. „Aber wir brauchen jetzt eine Entscheidung, um wichtige Investitionen voranzutreiben“, erklärte er. 2017 will er einen Nachtragsplan einbringen.

Große Verluste in Achern

Die Haushaltslage innerhalb des Klinikums ist unterschiedlich: Während der Standort Offenburg im laufenden Jahr einen Überschuss erwirtschaftet, werden Lahr/Ettenheim und Wolfach wohl mit einer schwarzen Null nach Hause gehen. Anders in Kehl, Achern und Oberkirch – hier winkt ein kräftiges Minus.

Wir müssen in Klausur

Dramatisch sei die Situation am Ortenau Klinikum aber nicht, versuchte Landrat Frank Scherer zu beschwichtigen und verwies auf andere, deutlich kleinere Landkreise wie zum Beispiel Emmendingen, die ihr Kreiskrankenhaus mit rund zehn Millionen Euro pro Jahr füttern. Trotzdem ist Scherer sich bewusst: „Wir müssen in Klausur“. Es sei bitter und viel, aber man könne reagieren.

Kreistag sorgt sich um Klinikum

Das fanden auch die Kreisräte, die dem vorläufigen Wirtschaftsplan zwar geschlossen, aber mit großer Sorge zustimmten. Als gar „nervös“ bezeichnete Klaus Muttach (CDU) seinen Gemütszustand angesichts der roten Zahlen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Ursache seien die völlig unzureichenden finanziellen Rahmenbedingungen für die Kliniken in Deutschland, erklärte Keller. Die Schere zwischen den Kostensteigerungen und den Erlösen, die die Kliniken für ihre Leistungen erhalten, gehe immer weiter auseinander. So sind die Kosten 2016 für die Kliniken im Land um drei Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden die Budgets von den Krankenkassen nur um 1,41 Prozent erhöht.

Der Landesbasisfallwert, der für die Berechnung der Erlöse zugrunde gelegt wird, steige wiederholt deutlich schwächer an als die tatsächlichen Kosten. „Im Vergleich zu anderen Kliniken im Land wie auch bundesweit steht das Ortenau-Klinikum finanziell noch gut dar. Die Mitarbeiter machen einen prima Job“, so Keller.

Kündigungen „kein Thema“

Eine Standortdebatte wollte niemand beginnen. Auch Kündigungen seien kein Thema. „Neue Fallzahlen generieren geht nur mit mehr Personal“, stellte Scherer fest. Deshalb werde aufgestockt: Von den bis 2018 geplanten 196 zusätzlichen Stellen seien viele schon besetzt. Der Landrat unterstrich zudem den Konzerngedanken des Ortenau-Klinikums. Es sei ein Haus mit verschiedenen Standorten, die alle gehalten werden sollen. Es gehe nicht um einzelne Häuser. Gleichwohl werde es ohne Veränderungen nicht gehen: „Ob ich zum Beispiel drei gleiche OPs an drei Standorten anbieten will, muss überlegt werden“, deutete Scherer an.

Eigenkapital schmilzt beträchtlich

An Veränderungen führt offensichtlich kein Weg vorbei. Keller schätzt, dass das Eigenkapital des Klinikums in vier bis zehn Jahren aufgezehrt ist: „Dann sind wir nicht mehr investitionsfähig,“ prognostizierte er.