Volle Körbe dank Klopapier: René Schultz übergibt nach dem Einkauf einen ganzen Schwung Lebensmittel an Renate Anselm vom Vorstand der Bühler Tafel. Foto: pr
Volle Körbe dank Klopapier: René Schultz übergibt nach dem Einkauf einen ganzen Schwung Lebensmittel an Renate Anselm vom Vorstand der Bühler Tafel. | Foto: pr

Tafeln wegen Corona in Not

Klopapier gegen Spende an die Bühler Tafel: Facebook-Aufruf bringt über 150 Euro

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„Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass Klopapier für einige Menschen einmal so etwas Wichtiges und Wertvolles werden könnte“, sagt René Schultz und lacht herzlich. Klopapier und der tägliche Kampf darum in den Discountern war das Thema, über das der Metzger sich mit seinen Kollegen in der Frühstückspause amüsierte.

René Schultz hat den Schalk im Nacken, als er schildert, wie er auf die Idee kam, in der fast 6.000 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe Bühl eine Rolle Toilettenpapier für den Wucherpreis von fünf Euro anzubieten. Mit dem Zusatz: Den kompletten Erlös bekommt die Bühler Tafel.

Viel Nachfrage nach dem Klopapier zum Wucherpreis

„Ich hätte nicht gedacht, dass das einschlägt wie eine Bombe. Denn als ich rund zwei Stunden später erstmals wieder auf mein Smartphone schaute, war ich richtig schockiert, wie viele auf meinen Post reagiert haben.“ Langsam begann er zu realisieren, dass er da wirklich etwas losgetreten hat.

„Ich habe mich einfach riesig gefreut, dass es so viele Menschen gibt, die es berührt, wenn andere nichts oder weniger zu Essen haben“, stellt er im Gespräch mit der ABB-Redaktion fest.

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„Und dann habe ich spontan alles abgesagt, was ich an diesem Mittag eigentlich vorhatte. Jetzt galt es, zu handeln und die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Zuerst habe ich auf meinem persönlichen PayPal-Konto nachgeschaut. Auf das hatten meine Freunde und Bekannten gespendet, weil sie mich kennen und mir vertrauen. Es gingen auch unzählige Spenden-Beträge direkt auf dem Konto der Bühler Tafel ein“, sagt er. Schultz freut sich über die große Resonanz seiner frechen Klopapier-Aktion.

150 Euro für die Tafel in der Corona-Krise

„Der Erfolg ist wirklich toll. Allein bei mir sind rund 150 Euro aufgelaufen. Ich habe per Facebook aber auch eindeutige Anschuldigungen kassiert. Kommentare, in denen es darum geht, wie ich die Lage von armen Leuten ausnutzen kann und Klopapier zu diesem Wucherbetrag anbiete“, sagt er.

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Schultz lacht wieder herzlich und wundert sich schon ein wenig über die Tatsache, dass offensichtlich viele Follower das Wucherangebot völlig ernst genommen haben.

„Es ist schon lustig. Ich hätte mich aber auch schon gern für 20 Euro beschimpfen lassen, wenn ich dann für dieses Geld sinnvolle Lebensmittel für diese Leute hätte einkaufen können. Zusammen mit meiner eigenen Spende habe ich mich deshalb Donnerstag früh auf den Weg in die Discounter gemacht, um möglichst viele gute Sachen für den Kochtopf zu kaufen“, schildert er seine Vorgehensweise.

Die Leute haben genau hingeschaut, was ich da so alles in meinen Einkaufswagen lade

Dann ging eigentlich alles recht schnell. „Obwohl es schon etwas ungewohnt war, für so viel Geld einzukaufen. Das habe ich natürlich aufgrund der allgemeinen Situation nicht auf einen Schlag in einem Laden getan. Die Leute haben ohnehin schon genau hingeschaut, was ich da so alles in meinen Einkaufswagen lade“, stellt er mit Blick auf die umstrittenen Hamsterkäufe fest.

Einige Einkäufe später war der Kofferraum seines Autos dann voll. Die Fahrt ging Richtung Bühlertalstraße zum Tafelladen. Dieser hat dort neben dem Cap-Markt jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag für bedürftige Mitbürger offen und gibt Lebensmittel aus.

Bühler Tafel ist trotz Corona weiter geöffnet

„Die Aktion hat sich gelohnt. Denn andere haben sich dadurch animieren lassen, kleine und teils wirklich große Beträge an uns zu überweisen“, freut sich Sandra Hüsges, Vorstandsvorsitzende des Bühler Tafelvereins. Nachdem der Acher- und Bühler Bote am vergangenen Montag über den Mangel an zu verkaufenden Lebensmitteln berichtet hatte, habe eine Spendenflut auch durch Gastronomen eingesetzt.

Deshalb sei die Bühler Tafel noch geöffnet. Die Tafeln in Oberkirch, Achern und Baden-Baden seien wegen der ausgefallenen Überschüsse bei den Discountern geschlossen. „Nur wir haben dank der Aktion noch auf und können die Bedürftigen gut versorgen.“

Solidarität in Bühl in Zeiten von Covid-19

Durch die Einschränkungen der Gastronomie wegen Corona liefern die Gastronomen ihre Vorräte kurzerhand an die Tafel. Andernfalls würden sie verderben. Dadurch können die ehrenamtlichen Helfer der Bühler Tafel nun die nächsten Tage die Versorgung aufrechterhalten. Und dies trotz aller Widrigkeiten durch Corona, allein durch die sich daraus entwickelnden schönen Geste der Solidarität.