Neue Hauptabteilung vorgestellt: Rüdiger Feik, Ärztlicher Direktor in Achern, und Chefarzt Felix Liber. | Foto: Löhnig

Gynäkologie in Achern

Kreis setzt ersten Schritt der Klinikreform im Rekordtempo um

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Nur wenige Wochen nach der entscheidenden Abstimmung über die Klinikreform im Kreistag wird die neue Hauptabteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Acherner Krankenhaus installiert.

Bereits zum 1. Oktober nimmt die Abteilung unter Leitung von Chefarzt Felix Liber die Arbeit auf – das Personal wurde dazu praktisch verdoppelt. Zum Ende des kommenden Jahrs soll dann noch die Oberkircher Geburtshilfe integriert werden. Damit werden alle gynäkologischen und geburtshilflichen Leistung des Ortenau Klinikums für die nördliche Ortenau in Achern konzentriert.

Mindestens 800 Geburten jährlich

Offiziell rechnet der neue Chefarzt mit 800 Geburten jährlich in Achern, doch insgeheim hofft man im Acherner Krankenhaus, über kurz oder lang vierstellige Zahlen vorweisen zu können. Dazu wird noch einmal kräftig investiert: Mehr als zwei Millionen Euro stehen bereit, um die Patientenzimmer für die Anforderungen einer modernen Geburtshilfe aufzurüsten. Zudem soll ein dritter Kreißsaal geschaffen werden. Die Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren.

Zäsur für das Klinikum

„Das ist ein Stückchen Krankenhausgeschichte“, freut sich Rüdiger Feik, Ärztlicher Direktor in Achern und Oberkirch, auf die neue Hauptabteilung, die dem Haus eine Sonderstellung in der nördlichen Ortenau verschafft. Entsprechend umstritten war der Schritt, den die Klinikverwaltung so quasi nebenher im Zuge der Debatte um die Agenda 2030 für die Krankenhäuser auf den Tisch gelegt hatte, und der jetzt praktisch unumkehrbar wird.

Oberkirch verliert die Geburtshilfe

Vor allem in Oberkirch hadert man noch immer mit dem Wegfall der Geburtshilfe, die vor sechs Jahren nach heftigen Bürgerprotesten gerade noch einmal gerettet werden konnte. Jetzt aber scheinen die Würfel gefallen und das Klinikum außerdem entschlossen, das von jungen Eltern in höchsten Tönen gelobte familiäre Klima der Oberkircher Einrichtung mit nach Achern zu exportieren. Es gebe bereits Gespräche mit den Belegärzten dort und auch entsprechende Absichtserklärungen, signalisierten Feik und Klinik-Sprecher Christian Eggersglüß am Mittwoch gemeinsam, nachdem in den Tagen zuvor auch die Mitarbeiter der drei Abteilungen über die Details der Neuordnung informiert worden waren.

Familiäre Atmosphäre als Ziel

Die Abteilung in Achern habe genau die richtige Größe, um einerseits effizient arbeiten zu können, andererseits aber noch die Frauen persönlich zu kennen – auch bei der Betreuung zwischen den Geburten, so Chefarzt Liber. Das Angebot in Achern umfasse geburtshilfliche Eingriffe ebenso wie beispielsweise vaginale Operationen oder die erforderlichen Behandlungen von gutartigen Tumoren, Zysten und Abszessen. Schwerpunkte seien unter anderem Eingriffe bei Harninkontinenz oder auch Gebärmutterspiegelungen, bis hin zu den recht seltenen Implantationen von Blasenschrittmachern: „Wir bilden das gesamte Spektrum einer geburtshilflichen Abteilung ab“, sagt Liber.

„Es gibt klare Zuständigkeiten“

Doch das hat seine Grenzen. „Es gibt klare Zuständigkeiten, was Offenburg macht und was Achern macht“, so der Chefarzt. So werden Geburten vor der 36. Schwangerschaftswoche wegen der dort installierten Kinder-Intensivabteilung in Offenburg betreut, und auch onkologische Eingriffe finden, weil anschließend in der Regel Bestrahlungen und Chemotherapie notwendig sin, in der Regel in der Kreisstadt statt.
Mit der Einrichtung der Hauptabteilung wird die Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Achern personell kräftig aufgestockt. Bislang gab es vier Ärzte, die sich drei Stellen teilten; vom 1. Oktober an werden sieben Vollzeitstellen für acht Ärztinnen und Ärzte installiert – die Kehler Frauenklinik wird an diesem Tag für immer geschlossen.

Zwei Millionen für den Umbau

Die bauliche Umsetzung der Reform läuft auf Hochtouren, laut Verwaltungschef Peter Janz sollen die Arbeiten in vier Wochen weitgehend abgeschlossen sein. So werden auf der Station 4 die Patientenzimmer und Bäder saniert, anschließend steht die Modernisierung in der sechsten Etage mit der Einrichtung eines weiteren Kreißsaals an. Diese zweite Tranche der Bauarbeiten wird sich dann bis Ende kommenden Jahres hinziehen. Ob die Investitionskosten von zwei Millionen Euro ausreichen werden, ist offen, da man in einem Altbau arbeite: „Da kann es immer zu Überraschungen kommen“.