Wird oft auf dem Gelände angesprochen und erkannt: Die Lahrer Landesgartenschau-Geschäftsführerin Ulrike Karl. | Foto: Monteiro

„Stimmung wie bei Woodstock“

Teure Trockenheit: Landesgartenschau Lahr plant bis zu 100 000 Euro mehr ein

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So heiß und trocken wie in diesem Jahr von April bis Juli war der Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881 nicht. Genau zum Start dieser heißen Zeit ist am 12. April in Lahr die Landesgartenschau gestartet. Geschäftsführerin Ulrike Karl erklärt im Gespräch mit Redakteurin Tanja Rastätter, wie mit der starken Trockenheit umgegangen wird, was bisher ihre schönsten Begegnungen waren und was Lahr von der Gartenschau bleiben wird.

Wie gehen Sie mit der Trockenheit um? Im April ist die Landesgartenschau gestartet und seither ist es überdurchschnittlich trocken.

Ulrike Karl: Wir haben am 12. April eröffnet und gehofft, dass wir die ersten beiden Monate ein ganz normales Frühjahr haben. Das hat sich leider nicht bestätigt. Wir haben vom ersten Moment gegossen, beziehungsweise mit Schläuchen die Beete und Wiesen bewässert, sonst würden diese heute auch nicht so dastehen. Einige Gartenschaubereiche können wir automatisch bewässern wie etwa die Lindenallee.

Was benötigt so ein Baum an Wasser?

Karl: Jeder Baum benötigt pro Bewässerungsvorgang 200 Liter. Da müsste man lange mit dem Schlauch bewässern. Das war von der ersten Minute an unser Problem. Wenn es regnete, war es Starkregen und der Regen ist sofort gestanden, sodass wir zum Teil sogar Wasser abpumpen mussten.

Wie viele Menschen kümmern sich um die Bewässerung?

Karl: Bis wir einen Rhythmus gefunden haben, hatten wir 16 Leute beschäftigt. Inzwischen sind es so acht bis zehn, die regelmäßig da sind und Wasser auf das Gelände geben.

Im Vorfeld kalkuliert man bei so einem Projekt auch den Wasserverbrauch. Inzwischen wurde schon der gesamte Wasservorrat, der für die Gartenschau eingeplant wurde, aufgebraucht.

Karl: Ja, das stimmt. Wir hatten eigentlich mit sechzehn bis achtzehn Bewässerungsvorgängen auf dem Gelände gerechnet. Diese hatten wir bereits vor zweieinhalb Wochen erfüllt. Wir können jetzt nicht jeden Liter sagen, den wir verbraucht haben, sondern wir rechnen in Bewässerungsvorgängen. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir die doppelte Menge benötigen und zusätzliche Kosten haben werden. Andererseits sagen wir: Wir machen eine Gartenschau. Da möchten die Besucher eine grüne Wiese sehen.

Was machen diese Bewässerungsvorgänge in Euro aus?

Karl: Wir rechnen mit 50 000 bis 100 000 Euro, die wir mehr benötigen. Das ist schon viel Geld. Letztendlich sehen wir das dann in der Endabrechnung.

Welche Bereiche waren bei der Bewässerung besonders schwierig?

Karl: Die großen Bäume haben wir schon relativ lange in der Erde. Hier haben wir eine gewisse Verwurzelung. Aber bei den jungen Bäumen ist uns der ein oder andere Baum – trotz der Bewässerung – eingegangen. Einzelne Bäume mussten wir komplett rausnehmen. Man sagt, dass man zehn Prozent der Bäume verliert. Da hatten wir Glück, von unseren 4 040 gepflanzten Bäumen sind uns mehr als 90 Prozent erhalten geblieben.

Auch die Anhöhen bei den Lindenbäumen könnte besser aussehen…

Karl: Ja, die Anböschungen. Das können wir nicht verheimlichen. Da ist oben und unten schön – aber die Zwischenbereiche sind schon sehr trocken. Das sind unsere schwierigen Themen, die uns wahrscheinlich viel mehr stören als den „gemeinen“ Besucher.

Gibt es Bereiche, in denen die Hitze sogar von Vorteil war?

Karl: In ganz kleinen Ecken haben wir Kakteen stehen, die haben das Wetter sicherlich genossen. Auch in unserem interkulturellen Bereich gibt es Pflanzen, die das Wetter eher gemocht haben. Aber insgesamt mussten auch die gegossen werden. In der Vegetation hatten wir keinen Vorteil dadurch. Wo uns die Hitze wirklich geholfen hat, war bei den Veranstaltungen. Die Menschen liegen mit ihren Picknickdecken auf den Wiesenflächen teils bis Mitternacht und möchten nicht heimgehen. Wir hatten oft eine ganz tolle Stimmung, fast wie bei Woodstock.

Und wahrscheinlich war der Getränke-Umsatz besser…

Karl: … oder eher das Eis. Tatsächlich ging der Eis-Umsatz stark nach oben. Aber die Getränkeeinahmen. natürlich auch.

Wir hatten es eingangs von dem Bewässerungsteam. Wie viele Personen kümmern sich generell darum, dass die Landesgartenschau stattfinden kann?

Karl: Das ist schwierig zu sagen. Wir haben ein Gelände-Team, das kleine Reparaturen durchführt, Wege fegt oder Plakate aufhängt. Dann haben wir verschiedene Gartenbaubetriebe, die wässern und sich um die Beete kümmern. Insgesamt haben wir mit Gastronomie und Reinigungskräften zwischen 150 und 250 Personen, die auf dem Gelände arbeiten. Darunter sind auch täglich rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter, die unter anderem an den Eingängen arbeiten. Insgesamt haben wir rund 350 ehrenamtliche Helfer.

Speziell die Freundlichkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter fällt auf…

Karl: Ja, ich sage immer: Keiner kann die Gäste so schön begrüßen, wie unsere Bewohner. Wir haben Mitarbeiter, die schon 250 Stunden ehrenamtlich bei uns gearbeitet haben. Das ist eine ganz große Identifikation. Sie sagen: „Das ist meine Gartenschau, das ist meine Stadt.“

Was waren bisher Ihre schönsten Erlebnisse während der Gartenschau?

Karl: Das ist schwierig zu sagen. Für mich sind es die vielen Begegnungen mit den Menschen. Inzwischen kennt man mich sehr gut hier. Manche Menschen umarmen mich und bedanken sich bei mir. Außerdem haben wir ganz wunderbare Konzerte auf der E-Werk-Bühne, die sehr friedlich ablaufen und zu einem Happening werden. Es ist einfach eine ganz schöne, relaxte Stimmung. Besonders toll war auch das Konzert von Gregor Meyle, da waren 8 000 Leute da und er tanzte barfüßig auf der Bühne. Das ist auch für die Künstler etwas Besonderes.
Man gibt den Leuten etwas, was sie zutiefst erfreut. Das sind ganz berührende Momente. Ein junger Mann mit einer Behinderung kommt beispielsweise zu jedem Konzert, das berührt einen schon.

Inzwischen ist etwa zwei Drittel der Landesgartenschau vorbei. Wie lautet Ihr Zwischen-Fazit?

Karl: Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden. Wir hatten mit 400 000 Tagesbesuchern gerechnet, da sind wir mit weit der Hälfte drüber. Und etwa 20 500 Besucher haben eine Dauerkarte. Vor zwei Wochen hatten wir einen kleinen Durchhänger, da war es zu heiß. Im Vorfeld macht man sich immer viele Gedanken, was an Vandalismus oder medizinischen Einsätzen sein kann. Wir hatten keine negativen Vorkommnisse und bisher sehr positives Feedback. Die Bewohner haben die Landesgartenschau sehr gut angenommen. Sie freuen sich sehr auf die Nach-Nutzung, zum Beispiel das Baden im See. Es war ein Jahrhundertsommer und den haben wir draußen im Grünen gefeiert.

Impressionen von der Landesgartenschau

Fotos: Tanja Mori Monteiro

Welche Dinge sind nicht so gelaufen wie gewünscht?

Karl: Viele Dinge haben wir angeglichen. Wir haben am ersten Abend lernen dürfen, dass Öffnungszeiten bis 19 Uhr viel zu kurz sind. Deshalb haben wir von Donnerstag bis Samstag die langen Öffnungszeiten eingeführt. Manche gastronomischen Standorte wurden von den Laufwegen nicht so angenommen oder auch die Parkplätze haben wir angeglichen. Auch einen Platz haben wir mit einem Trampolin aufgepeppt.

Was bleibt dauerhaft von der Schau in Lahr?

Karl: Das sind ganz klar die Parkanlage und der See. Wir haben aber auch die große Mehrzweckhalle, die Kindertagesstätte und das Haus am See. Vor allem der Park ist ein großes Geschenk. Das ist eine Lebensqualität, die erhalten bleibt. Die bunten Blumenbeete werden wir rausnehmen, der Rest bleibt.

Und was sind die Highlights der nächsten Tage?

Karl: Am kommenden Samstag haben wir Concerto Varieté, da freue ich mich besonders, da ich Varieté sehr mag. Es werden Menschen von unserem Bühnendach herunterklettern. Und am 1. September wird es mit dem Rock Symphonie Orchestra ORSO unser größtes Konzert bisher geben, danach beginnen unsere Filmnächte am See.