Winfried Kretschmann (rechts) betrachtet mit seiner Frau Gerlinde die Baugrube auf dem Ruhestein. Hier entsteht das neue Besucherzentrum. | Foto: Christian Schäfer

Nationalpark Schwarzwald

Landesvater legt Grundstein für Besucherzentrum

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Es ist ein denkwürdiger Tag im Nordschwarzwald auf dem Ruhestein. Quellwolken schießen ringsum in die Höhe, während eine Menschentraube vom bisherigen Besucherzentrum des Nationalparks aus die Verbindungsstraße gen Baiersbronn überquert. Ihr Ziel: ein weißes Festzelt. Unweit klafft ein großes Loch mit einem Betonfundament, aus dem bereits Stahlstreben ragen. Hier entsteht das neue Besucherzentrum des Nationalparks. Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird den Grundstein für das 32-Millionen-Euro-Projekt legen. In der Konstruktion soll es an übereinander gefallene Baumstämme erinnern und sich so in die Landschaft einfügen.

Ministerpräsident kommt verspätet an

Es beginnt leicht zu tröpfeln, als die Besucher auf den hohen Besuch aus Stuttgart warten. Unter den Gästen sind auch die Bürgermeister Sonja Schuchter aus Sasbachwalden, Reinhard Schmälzle aus Seebach, Hans-Jürgen Decker aus Ottenhöfen und Dietmar Stiefel aus Achern. „Der Ministerpräsident hat sich verspätet“, sagt eine Mitarbeiterin des Staatsministeriums. Derweil nehmen die Ehengäste ihre Plätze ein. Mit dabei Landräte wie Jürgen Bäuerle (Rastatt) und Klaus-Michael Rückert (Freudenstadt) sowie verschiedene Landtagsabgeordnete.

Mehrere Leibwächter mischen sich unter die Gäste

Nach 20 Minuten trifft Kretschmann ein, streng bewacht von mehreren Leibwächtern. Sie machen sich ein Bild von der Situation vor und im Zelt, zwei Männer im feinen schwarzen Anzug bleiben stets in der Nähe des Landesvaters. Dessen persönlicher Assistent rückt dem Grünen-Politiker nicht von der Seite. Auch später, während der Rede, dirigiert er der Mitarbeiterin aus dem Organisationsteam, wann genau der Ministerpräsident ein frisches Glas Wasser bekommen soll. Der Ablauf scheint streng getaktet zu sein. Das Karidion-Brass-Blechbläserquintett aus Karlsruhe spielt ein Werk von Händel. Einer der Musiker bringt das Publikum zu einem erheiterten Raunen – unfreiwillig: In seiner Begrüßungsrede taufte er den „Nationalpark“ kurzerhand in „Naturpark“ um.

Kretschmann unterrichtet Biologie

Souveräner dann der Landesvater: Dass er eigentlich Biologielehrer ist, merken die Zuhörer sofort: Der Nationalpark sei für ihn eine „Herzensangelegenheit“. Und erst in 600 Jahren könne man die volle Wirkung dieser Einrichtung tatsächlich erkennen. Erst dann ist der Park eine sich selbst überlassene Wildnis. Kretschmann erzählt von Pilzen, exemplarisch hebt er – ganz in seiner alten Rolle als Pädagoge vertieft – ein Bild einer Zitronengelben Tramete in die Höhe. Sein Kabinettskollege, Umweltminister Franz Untersteller, unterstrich die Leidenschaft Kretschmanns für die Natur: „Vor einigen Kabinettssitzungen gibt er exklusive Führungen durch den Park der Villa Reitzenstein. Da kommen wir oftmals schlauer raus als vorher.“ Lachen im Festzelt.

Das kann er gut, der Winfried

Nach der Pflicht folgt die Kür: Winfried Kretschmann blickt erwartungsfroh in die Baugrube. Dann steckt er unter anderem zwei Zeitungen, ein Kinderbuch über den Nationalpark sowie verschiedene Euro-Münzen in eine bronzenfarbene Kapsel. Diese spachteln der Ministerpräsident, Untersteller sowie die Finanzstaatssekretärin Gisela Splett in den Grundstein. „Das kann er gut, der Winfried“, freut sich seine Gattin Gerlinde. Ebenso die improvisierte spontane Pressekonferenz: Mit stoischer Ruhe stellt sich der Ministerpräsident den Fragen der Journalisten.

Kretschmann: Besucherzentrum wird Skeptiker überzeugen

Abseits des Reporter-Pulks äußert er sich zu einer Anfrage der BNN bezüglich weiterer Pläne des Nationalparkkonzepts: „Es ist derzeit ziemlich kompliziert, die noch nicht zum Nationalpark gehörenden Schwarzwald-Gemeinden in das Projekt zu integrieren“, so Kretschmann. Er ist überzeugt, dass das Besucherzentrum eine „Magnetwirkung“ erzeugen werde. „Wenn alles gelingt, dann werden die Skeptiker merken, dass der Nationalpark ein Erfolg ist“, betont er.

Regenjacke als Abschiedsgeschenk

Sein Assistent drängt zu gehen, die Quellwolken haben sich zu einer von Süden herannahenden Gewitterfront vereint. Kurzerhand bekommt er eine grüne Jacke mit dem Park-Emblem übergestreift. Seine Frau Gerlinde zupft den Regenschutz für die Fotografen zurecht. Nochmals Lächeln, Jacke weg, rein in die schwarze Mercedes-Limousine. Ein leichter Donnerschlag hallt wenig später nach.